Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN TV - Was das Volk aufregt


       zurück

       "Scheibenwischer" abgeschaltet:
       

(K)EIN ÖFFENTLICHES KABARETT

Vor drei oder vier Respektlosigkeiten des Kabarettisten D. Hilde- brandt hat der Intendant des Bayerischen Rundfunks gemeint das Fernsehpublikum südlich des Mains bewahren zu müssen und hat den "Scheibenwischer" rechtzeitig abgeschaltet. Ein Fall von "Ämter m i ß brauch" oder "Amts a n m a ß u n g" war das nicht: Herr Oeller hat seinen Beruf ausgeübt und als Vorstand einer An- stalt des öffentlichen Rechts dafür gesorgt, daß die ihrem Auf- trag für den Ausbau und die Pflege der moralischen Volksgesund- heit so nachkommt, wie er ihn eben versteht. Daß er diesbezüglich Hildebrandts Späße glatt für zersetzend hält, ist zwar ein noch schlechterer Witz, aber zu nichts ein Widerspruch und belegt bloß, welchen Idealen in Sachen geistiger Bevormundung das öf- fentliche Fernsehen verschrieben ist. Das um den Genuß des Kaba- rettisten gebrachte Publikum gibt sich empört; und auch Leute, die mit dem "Scheibenwischer" weniger am Hut haben, ihn überhaupt nicht angestellt hätten, möchten sich diese Bevormundung ihres Intendanten verbeten haben. Blöderweise aber kontern sie die Pu- blikumsverarschung von Herrn Oeller mit ihrem Bewußtsein eines "mündigen Bürgers", der solches nicht verdiente und schon selbst dazu in der Lage sei, erlaubte von nicht mehr erlaubten Späßen zu unterscheiden. Mit einer Fundgrube von ernstzunehmender Kritik hat nämlich keiner der Liebhaber Hildebrandts dessen paar Ätze- reien und Anpinkeleien von Bastionen der demokratischen Herrlich- keit verwechselt. Und wenn ihm jetzt der Strom abgeschaltet wird, ist man bloß um das Vergnügen gebracht, in der ansonsten geistig keimfrei gehaltenen Republik mit Respektlosem unterhalten zu wer- den. Ausgerechnet dieses Bedürfnis kommt sich aber wunder wie vor: Dort, wo e s nicht zum Zuge kommt, liegt ein Fall von nicht hinzunehmender Maßregelung durch die Obrigkeit - vor, und entsprechend d a r f man sich auch entrüstet geben: "Die da oben halten uns wohl für Idioten?!" Es scheint so! Und jetzt? Es ist wie im Kabarett: viel Theater und garantiert keine Konsequen- zen. zurück