Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN TV - Was das Volk aufregt


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JOURNALISTISCHE UNABHÄNGIGKEIT CONTRA HOFBERICHTERSTATTUNG?

Bemerkt hat er schon was, der künftige ZDF-Chefredakteur Bresser, als er in einem Interview seine bayerischen Kollegen Feller und Lojewski des "Katzbuckelns" vor F.J. Strauß geziehen hat. Und auch die Feststellung, daß in der freien Presse noch jede Selbst- deutung der gemachten Politik aus Politikermund eine Nachricht ans Publikum wert ist, so daß "Herr Wörner" auch "zum x-tenmal" mit einer "Erklärung zur konventionellen Rüstung" ins Fernsehen kommt, ist zweifellos zutreffend. Nichts ist freilich alberner, als die Zurechtweisung von ganz oben, die sich Bresser für sein Plädoyer für aufrechten journali- stischen Gang eingehandelt hat, jetzt zum exemplarischen Konflikt zwischen professionellen Machthabern und professionellen Mei- nungsmachern zu stilisieren und sich daran das Sozialkunde-Ideal von der unabhängigen "vierten Gewalt" als einem unentbehrlichen Kontrollorgan der demokratisch ermächtigten und bekannt schlag- kräftigen Gewalten Nr. eins bis drei zu bebildern. Diese liebli- che Vorstellung blamiert sich ja schon daran, daß die p o l i t i s c h e K o n t r o l l e über die öffentlich- rechtlichen Funk- und Fernsehanstalten in diversen Entscheidungs- und Aufsichtsorganen peinlich genau institutionell festgelegt ist. So daß Innenminister Zimmermann sein Machtwort gegen Bresser als Moderator der TV-Debatte zwischen Strauß und Bahr in seiner offiziellen Eigenschaft als ZDF-Fernsehratsmitglied ergehen las- sen konnte und Bresser umgekehrt seine im Juni erfolgte Berufung zum ZDF-Chefredakteur einem "größeren personellen Revirement auf der Grundlage des Parteienproporzes" (Frankfurter Rundschau) ver- dankt. Der penibel verrechtlichten Regelung der journalistischen Tätigkeit wäre unschwer zu entnehmen, wie dieselbe mitsamt all ihren Berufungs- und Einspruchstiteln à la "Unabhängigkeit", "Ausgewogenheit" usw. als eine öffentliche Instanz von quasi- staatlichem Rang funktioniert: Sie kommt der praktischen Zustän- digkeit der tatsächlichen Inhaber der öffentlichen Gewalt für al- les und jedes nicht bloß nicht in die Quere, sondern orientiert jedwede Unzufriedenheit mit obrigkeitlichen Maßnahmen von vorne- herein in staatsverträgliche Bahnen, indem sie sie mit größter Selbstverständlichkeit als aktuelles Futter für die K o n k u r r e n z d e r d e m o k r a t i s c h e n P a r t e i e n um die Staatsmacht behandelt. Daher ist es wirk- lich kein Wunder, wenn im demokratischen Pressewesen sowieso jede politische Tat, aber auch jede I n t e r p r e t a t i o n ih- rer Taten seitens der Politiker von Haus aus den Rang eines be- achtenswerten Faktums erhält. Und wenn amtierende Politiker, die sich ohnedies ein eigenes "Verlautbarungsrecht" in Rundfunk und Fernsehen genehmigt haben, an ihren journalistischen Multiplika- toren häufig Anstoß nehmen, weil die konkurrierende Politgarnitur bevorzugt worden sein soll, dann beweist das so ungefähr das Ge- genteil des idyllischen Ideals von der Beschränkung der Macht durch die "kritische Öffentlichkeit". Daß Journalisten auch gar nichts anderes sein w o l l e n als das, was sie sind, die professionellen Betreuer der Verwechslung von Kritik mit staatsbürgerlicher Geschmacksbildung für Unterta- nen nämlich, das zeigen im übrigen die M a ß s t ä b e von Herrn Bressers Kollegenschelte klar genug. Den "Verlautbarungs- journalismus" aus Bayern findet er "langweilig" - anregender findet es der parteilose "Linke mit starken liberalen Neigungen" (Bresser über Bresser) dann wohl, Kohl und Strauß mit Fragen aus dem Arsenal von Vogel bis Schily zu kommen (umgekehrt, umgekehrt). Und der Gipfel seiner Kritik an Politikern lautet, daß diese zu "profilsüchtigen, aber inhaltlosen Aussagen" neigen. Ihre praktischen B e s c h l ü s s e samt Wirkungen auf die Un- tertanenmannschaft sind da ja wohl das Allerabgehakteste von der Welt, wenn sich der kritische Fernsehmoderator bloß noch dafür interessiert, ob die zuständigen Machthaber ihr Geschäft auch für seinen erlesenen Geschmack wirksam genug zu verkaufen imstande sind. zurück