Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN TV - Was das Volk aufregt
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Der Veranstaltungskommentar
Fernsehkommentatoren - Courtoiseure oder Provokateure?
Di 10-12 GA 03/421
GASTREDNER: WERNER HÖFER
Die Erfolgsgeheimnisse einer journalistischen Karriere, die den
"Internationalen Frühschoppen" zu einer Institution der politisch
interessierten Öffentlichkeit gemacht haben, verriet der Macher
dieser Sendung, Werner HÖFER, dem zahlreich erschienenen Publikum
in einer etwa einstündigen Rede, die unter dem Motto stand: Ei-
genlob stinkt nicht, wenn man ein politisch anerkannter Meinungs-
macher ist. Die Ratschläge, die er dabei an die künftigen Journa-
listen erteilte, sollten diesen über ihren Berufsstand zu denken
geben, der sich zurecht als Zierde eines demokratischen Staatswe-
sens begreift und lobt.
Geheimnis Nr. 1:
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"Ich bin absolut ungebildet, besitze aber eine totale Halbbil-
dung, kann zu jeder Zeit, an jedem Ort über faßt jede Sache
mitreden, weil ich fast an jeder Sache interessiert bin." Ein
guter Journalist ist, der an Wissen über die Dinge, die er ver-
handelt, uninteressiert ist und stolz darauf, daß er, ohne etwas
zur Klärung eines Sachverhaltes beitragen zu können, zu jedem
Mist seinen Senf dazugeben kann und darf.
Geheimnis Nr. 2:
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"In meinem Bauchladen macht Tante Emma alles selbst. Und es gab
bzgl. Auswahl der Themen und Teilnehmer noch nie Tadel von ir-
gendeiner Seite." Ein noch besserer Journalist ist, wer diese Be-
langlosigkeit der eigenen Meinung sehr verantwortungsvoll und
ohne Anweisung durch andere so benutzt, daß er mit dieser nie bei
irgendwelchen Autoritäten aneckt, was ja schlecht für die Befol-
gung von Ratschlag 1 sein könnte. Und dieses Prinzip seiner jour-
nalistischen Tätigkeit muß man so vortragen können, daß alles,
was man macht, als Ausweis und Leistung der eigenen Persönlich-
keit zur Geltung kommt.
Geheimnis Nr. 3:
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"Damals (bei Gründung des "Frühschoppens" 1953) wurde dieses Land
wieder vom Objekt zum Subjekt der internationalen Welt, man
sprach wieder mit uns... Ein Mann auf dem Hügel gegenüber
(Adenauer soll da gemeint sein) hörte damals auch die Sendung und
fragte: 'Wer ist denn das?...', ohne daß wir Freunde geworden
oder geblieben wären."
Der allerbeste Journalist ist der, der seine angepaßte freie Mei-
nung immer auf den Stand bringt, der gerade dem entspricht, was
die Nation politisch darstellt, und sich dabei versichert, daß er
ein möglichst gutes Verhältnis zu denjenigen hat, die die Nation
repräsentieren.
Fazit: Die Krone des politischen Journalismus, die zweifellos ei-
nem Werner HÖFER gebührt, erreicht der, der all diese Tugenden
vereint: Von keinem Wissen über die politischen Verhältnisse ge-
trübt, angepaßt gegenüber den politischen Autoritäten den jeweils
gültigen, zeitgemäßen nationalen Standpunkt zu allem, was auf der
Welt vor sich geht, einnehmen und ihm seine Wucht dadurch verlei-
hen, daß man ihn als unbedingt überparteiliche, freie und eigene
Meinung, die selbstredend zu respektieren ist, jedem um die Ohren
schlägt. Die ordinäre politische Propagandaarbeit, die man da be-
treibt, stellt sich dann als Leistung einer überragenden Persön-
lichkeit dar, die aus lauter "Charme und Brillanz" besteht und
nicht politische Meinungsmache in eindeutiger Richtung betreibt,
sondern "Kunst - Unterhaltung - Kommunikation" bietet:
"Es war ein verregneter Nachmittag auf Sylt - ich kritzelte etwas
auf eine Papierserviette - es müßte doch eigentlich möglich sein,
verschiedene Journalisten aus verschiedenen Ländern an einen
Tisch zu bringen..."
Mein Gott, Werner!
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