Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN TV - Was das Volk aufregt
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Werner Höfer tritt ab
EIN JOURNALIST AUS ZWEI LÄNDERN
Nach dem Bembel-Schenk verschwand jetzt mit dem "Frühschöppner"
überraschend ein weiterer Exponent öffentlichrechtlichen Alkohol-
mißbrauchs von der Bildröhre. Dabei verzichtete Höfer - dies muß
man ihm lassen - darauf, sich in Form einer jener penetranten Ab-
schiedssendungen noch einmal besonders unangenehm in Erinnerung
zu bringen. Somit verbleibt uns diese undankbare Aufgabe.
Schon in seinen besten Jahren hielt Höfer nichts von Rührselig-
keiten und plädierte dafür, wenn's denn über einen beschlossen
ist, in Haltung abzutreten:
"Wir sind in der großen Bewegung des Krieges, der jeden zu der
Bereitschaft auffordert, jederzeit von allem zu scheiden. Uner-
bittlich sind seine Pflichten, unausweichlich die Stationen, an
denen er uns gebietet 'Lebe wohl!' zu sagen." (Höfer 1943)
Nun sind die Umstände seines Abgangs zwar weit weniger drama-
tisch, aber dennoch dazu angetan, der Nation noch einen letzten
Dienst zu erweisen, insbesondere der politischen Kultur in diesem
unseren Lande. Diese hat er, zum Fall geworden, um das staast-
sbürgerliche Besinnungsthema bereichert, ob des Journalisten Hö-
fer faschistischer "Irrtum" nun der "Irrtum" H ö f e r s war
oder der eines deutschen J o u r n a l i s t e n in "unseliger
Zeit": Was wäre ihm denn damals sonst abgedruckt worden? Auch dem
freiheitlich verfaßten Geist ist es schließlich geläufig, daß ein
Journalist keiner wäre, würden seine Machwerke nicht seiner Ob-
rigkeit in den Kram passen.
Höfers Verteidigung
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Der Schauprozeß, der mit dem Abgang des nationalen Unterhaltungs-
künstlers verbunden war, sah denn auch entsprechend aus. Die lie-
ben Kollegen hatten Werner Höfer schlicht den Vorwurf zu machen,
er habe der Regierung Hitler mit journalistischen Leistungen zur
Seite gestanden. Diesen Vorwurf hat der gute Mann so aufgefaßt,
wie er gemeint war und wie er ihn allenfalls verstehen konnte:
Einer, der sich für die Nachkriegs-BRD so stark gemacht hat,
hätte doch eigentlich im Dritten Reich dagegen sein müssen!
An diesem Gerücht stimmt zwar nichts, schon gar nicht, wenn es
als moralischer Imperativ des Journalisten daherkommt. Eine
Zunft, die sich der P r o b l e m e d e r N a t i o n denkend
annimmt, die deren Erfolg, die Chancen und Mittel ihrer Durchset-
zung sichtet und ihren Zeitgenossen einsichtig machen will, kennt
eben nur diesen ihren Maßstab für "Kritik". Zuallererst läuft ihr
Bemühen auf die Betrachtung von Hindernissen und Schwierigkeiten
hinaus, die dem Staatsprogramm im Wege stehen - und dieser Stand-
punkt e r h ä l t sich mit den Machtwechseln, welche die liebe
Geschichte für die Nation bereithält. Es ist nachgerade absurd,
ausgerechnet von einem Journalisten zu verlangen, daß er aus der
Warte einer politischen Macht schreibt, die es (noch) gar nicht
gibt und deren Stellung in der Welt mit ihren Tücken ihm gar
nicht bekannt ist. "Umgestiegen" sind deutsche Schreiber auf De-
mokratie, Europa, Freiheit und Westen, als diese Titel auf die
Tagesordnung des Rechtsnachfolgers des Reiches kamen.
Das könnten sowohl die heutigen Kollegen von Höfer aus der An-
schauung ihrer eigenen Berufstätigkeit wissen, wie es auch Höfer
selbst aus Erfahrung geläufig ist. Dennoch nimmt er sich liebend
gern der Lüge an, es sei ein gewisser Widerspruch, erst für Hit-
ler zu moderieren und dann für die Demokratie zu hetzen und deren
Rechte zu propagieren. Diese Lüge gestattet nämlich die Formulie-
rung der Anklage so recht nach dem Geschmack von Leuten, die Aus-
reden suchen. "Warum waren sie kein Gegner Hitlers?" - fragt sich
Höfer zusammen mit den ihn anstänkernden Berufsgenossen, um zum
dreiundzwanzigsten Male d a s d e u t s c h e M ä r c h e n
aufzutischen: Es ging so schwer, hätten Sie mal damals gelebt und
geschrieben; wer dagegen war, hat keine Berufschancen gehabt usw.
Für psychologisch einfühlsame Gemüter: Ich war "zu feige", "hatte
nicht die Kraft", "wünschte mir heute, ich hätte etwas mehr Mut
gehabt" usf.
Unter der Hand wird aus einem stinknormalen Nationalisten von da-
mals ein tragisch "i n n e r e r E m i g r i e r t e r", aus
dem Mitmacher und Anpasser ein z u r K a r r i e r e
g e z w u n g e n e r Mensch. (Hier geben Grußadressen ab:
Globke, Oberländer, Lübke, Kiesinger, Filbinger, Carstens...)
Jetzt ist er ein Demokrat der ersten Stunde, einer, der noch dazu
sein Nachkriegswirken für die neue Nation als B u ß e f ü r
a n t i f a s c h i s t i s c h e V e r s ä u m n i s s e ver-
kaufen kann und sich sicher ist, daß sein dreißig Jahre betriebe-
ner S t a m m t i s c h - I m p e r i a l i s m u s, seine bo-
denlose, bis in Formalia des Frühschoppens durchkalkulierte
Hetze, allen, auch seinen Kritikern, enorm gefallen hat. Daß er
damals wie heute nichts anderes sein wollte als ein
S p r a c h r o h r d e u t s c h e n R e c h t s - diese unbe-
deutende Wahrheit ist bei dem Theater um Höfer zielstrebig uner-
wähnt geblieben. Für so gut gilt eben das heutige deutsche Wesen
den journalistischen Ratgebern und Hofberichterstattern der BRD-
Politiker, daß diese Leistung des internationalen Frühschoppens
fraglos in Ordnung geht.
Höfers zweite Karriere
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Daß das Werk eines Schreiberlings als das eines "Rädchens im Or-
ganismus der kulturschaffenden und meinungsbildenden Einrichtun-
gen" (Höfer '43) im Dienst an den Vorhaben der eigenen politi-
schen Gewalt aufgeht, das gab nicht nur das Berufsverständnis des
frühen Schreibtischtäters ab, sondern bildete auch die Grundlage
seiner zweiten, der demokratischen Schaffensperiode. Unter gewan-
delten Vorzeichen freilich, denn Höfer mußte fortan seine journa-
listische "Leidenschaft und Überzeugung" nicht mehr für eine -
immer aussichtsloser werdende - Schlacht gegen den gesamten maß-
geblichen Rest der Welt beanspruchen.
Die zunehmende Geltung, die das neue deutsche Regime in der Welt
erwarb, brachte ihm die Rolle des G a s t g e b e r s ein (bei
einem guten deutschen Tropfen, denn "gerade der deutsche Mensch
hat aus der Fülle seiner Gemütswerte ein besonders starkes Emp-
finden für echte Gastfreundschaft" (Höfer '43)). Und zugleich be-
sorgte sie ihm einen wertvollen Heimvorteil: Entsprechend der
globalen Souveränität des westlichen Bündnisses, an der die BRD
immer größeren Anteil hatte, hatte Höfer auch fortan die
"objektiveren", da unwidersprechlicheren Argumente in der Tasche.
Somit konnte er seine Parteilichkeit in der Rolle des Moderators
(zu deutsch: Mäßigers) vorführen, an dessen überlegenem Stand-
punkt sich die Parteilichkeit der übrigen Diskutanten relativie-
ren lassen mußte.
Das - je nach dem tatsächlichen Erfolg der jeweiligen politischen
Gewalt mehr oder weniger geglückte - Zusammenfallen von nationa-
ler Gesinnungstreue und journalistischer Überzeugungskraft als
I n s z e n i e r u n g darzubieten, war die Masche der Höfer-
schen Erfolgssendung. Ihren anhaltenden Unterhaltungswert für die
neudeutschen Weltbürger verbürgte zum einen die als selbstver-
ständlich einkalkulierte Parteilichkeit der anwesenden
"Journalisten aus fünf Ländern". Zum anderen hatten diese sich
durch die Bemühung auszuzeichnen - sie hatten ja kein Heimspiel -
, ihre nationalistische Stellungnahme als eine gänzlich unvorein-
genommene Sicht der Dinge vorzuführen. Wer kriegt den Schein,
sein eigenes interessiertes Urteil sei objektiv und frei von jeg-
licher nationaler Einseitigkeit zustandegekommen, am besten hin?
Besonders gute Karten hatte dabei derjenige, der die Pose der
Kennerschaft durch irgendwelche Ausweise belegen konnte, die
Macht belauscht zu haben und ihr besserwisserisch besorgte
Ratschläge geben zu können: daß man "gerade vom Verhandlungsort
kommt", "schon 10 Jahre Korrespondent in diesem Land ist", "von
einer großen New Yorker, Pariser etc. Zeitung" stammt. Möglichst
hautnah mit den Machthabern in Kontakt zu stehen, übersetzt sich
auf journalistisch in "Kompetenz".
Der Inszenierung entsprach das Besetzungsmuster: Ein bis zwei
Vertreter der zur Debatte stehenden Weltgegend, wenn möglich aus
konfligierenden Lagern - das bringt Schwung in die Bude. Zusätz-
lich ein Journalist, der auch aus dieser Ecke stammt, aber neu-
tral ist (und deshalb dafür da ist, den störenden Nationalismus
der Betroffenen als Auch-Araber, Auch-Afrikaner etc. in die
Schranken zu weisen), und auf jeden Fall ein Ami und ein Deut-
scher. So sehr dieses Auswahlprinzip von dem Gedanken lebte, daß
es sich für eine Diskussion gut macht, wenn Betroffene selbst
ihre Einschätzung der Lage unter einem allgemeinen weltpoliti-
schen Gesichtspunkt abliefern, so wenig verließ sich Höfer dar-
auf, daß sie ohne weiteres als Material taugten, die Überlegen-
heit einer supranationalen Sichtweise vom deutschen Standpunkt
aus zur Schau zu stellen. Bei der Vorstellung der Figuren wurde
daher immer gleich klargestellt, was man von ihren weiteren Aus-
künften zu halten hat: Da langt der Hinweis, daß die einen mehr
Vertreter ihres Staates sind ("Sie sind Iraner" etc....), die an-
deren mehr journalistische Absichten haben, also eher richtig
liegen ("Wenn man weiß, daß Sie von Readers Digest kommen, diesem
Elefanten unter den Magazinen, kann man sich die beträchtliche
Erfahrung ausmalen, die Sie haben."). Und überhaupt ist die Be-
troffenheit der deutschen und amerikanischen Nation von prinzipi-
ell allen Geschehnissen auf dem Erdball eine vollkommen selbst-
verständliche Angelegenheit, was ihnen den ganz linken und den
ganz rechten Stuhl im Halbrund auf Dauer eingebracht hat. Es wäre
ja auch zu blöd, einen Journalisten aus Surinam (sofern auffind-
bar) sich darüber den Kopf zerbrechen zu lassen, was gerade in
den USA oder der BRD im Gange ist - da fehlt ja von Haus aus
durch die Tatsache, daß sein Staat nichts anderes ist als Objekt
des Umgangs seitens der Supermächte mit ihm, jede Grundlage für
die erwünschte Kompetenz.
Die "sympathische" Art, deutsch zu diskutieren
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Was Höfer heute als so enormer Verdienst um Objektivität und Li-
beralität des deutschen Medienwesens nachgerühmt wird, ist seine
Tour, die verschiedenen Standpunkte der Diskussion so ins Spiel
zu bringen, daß ihre Vereinnahmung für die eigene (supra-)
nationale = vernünftige Sichtweise der Dinge klappt. Da waren zum
einen die Fragestellungen, mit denen er die Journalisten aufrief,
und die schon klarstellten, was man von ihnen gern für Auskünfte
erteilt bekommen möchte. Fragen und Aufforderungen an Russen
("Was will der russische Bär in Afghanistan?"), zu Olympia
("Jetzt kommen Sie mir bloß nicht wieder mit dem Bla-Bla vom
Frieden!") und an Drittweltler (zu zwei Türken: "Ihr Land ist ein
Faß ohne Boden. Sollen wir uns das auf Dauer leisten?") stellten
an die so Angesprochenen das Verlangen entweder aufzuhören, für
ihre Nation zu argumentieren, oder aber sich zu blamieren. Ein
Iraner und ein Iraker, die sich über die Frage ineinander verbis-
sen, wer denn nun den Krieg letztendlich angefangen hätte, mußten
sich von Höfer, nachdem sie eine Weile zur Belustigung gedient
hatten, Nachhilfeunterricht in Sachen Diskussionsfähigkeit ertei-
len lassen! "Sie können das hier nicht monopolisieren, dafür müs-
sen Sie schon Verständnis haben." Und wenn sich ein Ausländer
partout nicht an die Regel halten wollte, sich zum Beleg für die
eigene Borniertheit und die vernünftige Weitsicht des Herrn Höfer
zu machen, wurde er auch mal - ganz im Sinne der "Fairneß", die
im Frühschoppen herrschte - als noch nicht ganz trocken hinter
den Ohren beschimpft: "Sie können mir nur leid tun, wenn Sie das
nicht anders sehen können!"
Ein Ami, Deutscher oder Franzose mußte sich freilich nie auf sol-
che Weise auf den Boden der Sachlichkeit zurückführen lassen. Die
Fragen an sie präsentierte der Moderator gleich in der Gewißheit
der prinzipiellen Übereinstimmung im Grundsatz "objektiver Argu-
mentation". Die permanente Aufrufung westlicher Figuren, als
Ober-Schiedsrichter von Auseinandersetzungen ("Sie wollten den
ausgebrochenen Streit gerade schlichten?!" "Lassen Sie uns mit
mitteleuropäischer und amerikanischer Gelassenheit mal sehen, was
von dem, was die anderen Kollegen gerade gesagt haben, stimmt.")
konnte fest auf die p r a k t i s c h e G ü l t i g k e i t
bauen, die der westliche Standpunkt aus der Weltgeltung seiner
Macht bezieht. Sie verhalf Höfer denn auch stets zu einem Gene-
ralnenner, den er schließlich in seinem obligatorischen Schlußrä-
sonnement als Fazit der Debatte ausgab. Und sie verhalf ihm zu
jener unverwüstlichen Selbstzufriedenheit, mit der er sich selbst
zur Inkarnation überparteilichen und unabhängigen Urteilens sti-
lisierte. Die Attitüde des zutiefst problembewußten, dabei stets
"gelassenen" Moderators, die ihm bis in die Physiognomie und
Stimme hinein zur ersten Natur geworden ist, pflegte er 35 Jahre
lang mit absoluter Glaubwürdigkeit: Sie spiegelte ja seine tiefe
Zufriedenheit damit wider, als Journalist vom deutschen Wieder-
aufstieg in die erste Klasse nur profitieren zu können.
Der Höfer war's...
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Von daher ist es auch durchaus verständlich, daß der eitle Gimpel
in der jüngst erfolgten Ausbreitung seiner faschistischen Vergan-
genheit eine Machenschaft wittert, die sich gegen nichts anderes
als seine Person richtet. In der Tat liegt denen, die in diesem
Zusammenhang fällige "Lehren der Vergangenheit" für sich rekla-
mieren, nichts ferner als den faschistischen I n h a l t des
neu gehobenen Zitatenschatzes Höfers in Erwägung zu ziehen, ge-
schweige denn sich die Frage vorzulegen, inwiefern dieser mit den
Botschaften bezüglich der letzten Dinge des Gemeinwesens verträg-
lich ist, die das demokratische Meinungsbildungswesen in Umlauf
setzt. Die inkriminierten Durchhalteparolen dienten dem f a l-
s c h e n, dem "Hitlerkrieg", der heutzutage ohnehin nicht
möglich ist. Für die demokratische Integrität der BRD-Glotze be-
stand daher zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr - interessant ist
vielmehr das A u s m a ß der Loyalität Höfers zu den damaligen
falschen Herren, und inwieweit diese mit d e s s e n Integrität
vereinbar sei. Das geht uns alle ja auch am meisten an! So machte
man - ein auf den ersten Blick für die bundesdeutschen Medien
beispielloses Ansinnen - seinen Verbleib im Amt von "befriedigen-
den Erklärungen" abhängig, und wartete voller Spannung, ob der
"wendige Showmaster" ("Süddeutsche Zeitung") zwecks Rettung
seiner "Glaubwürdigkeit" sich nun des feigen O p p o r t u-
n i s m u s oder aber der eingefleischten G e s i n n u n g s-
t ä t e r s c h a f t bezichtigen würde.
...der Sündenbock...
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Nun könnte man meinen, der "gewiefte Medienfuchs" (Spiegel) hätte
auch innerhalb dieser Alternative noch eine überzeugende Variante
hinkriegen können. Schließlich sah er sich mit der Wiederentdec-
kung des ersten Teils seines Oeuvres nicht zum ersten Mal kon-
frontiert - ohne daß sein Leumund darunter gelitten hätte. Im Ge-
genteil: Als vor über 25 Jahren der sogenannte A. Norden, SED-
"Propagandachef", dieselben Beweise gegen Höfer auffuhr, hat er
sich gründlich verhoben. Das wäre ja wohl auch ein Witz gewesen,
wenn die "giftigen Pfeile des polternden Stalinisten" (Spiegel)
den ersten Frühschoppen in Freiheit, den es auf deutschem Boden
gab, hätten vermiesen können! Auch als nach weiteren 15 Jahren
dieses demokratischen Getränks Höfer "auch in der westdeutschen
Presse ins Gerede kam", durchschaute man sofort messerscharf: Die
wollen ja nur dem Höfer an den Karren fahren! Warum sollte nun
dessen bundesverdienstbekreuzigte Glaubwürdigkeit nicht auch in
der Lage sein, den heuchlerischen Charakter der Kampagne eines
gewissen Wiesner, Spiegel, zu verbürgen?
...der Höfer, den wos eh kaana mog!?
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Der Ausgang ist bekannt. Erst hinterher war zu erfahren, daß ihm
eine befriedigende Erklärung so oder so nicht gelungen wäre. Hö-
fer hat nämlich etwas übersehen:
"Er hat übersehen, daß 'seine Geschichte' tot ist, daß statt des-
sen die toten Opfer auferstehen - als Zeugen dafür, daß die Ge-
schichte auch anders hätte verlaufen können, wenn es mehr Krei-
tens und weniger Höfers gegeben hätte." (Süddeutsche Zeitung,
9.1.88)
Ja wenn eines dieser Opfer mal früher aufgestanden wäre, um uns
zu sagen, daß es keinen Faschismus gegeben hätte, wenn er nicht
gemacht worden wäre! Nicht nur 1874 Frühschoppen hätten einem er-
spart bleiben können. Auch der Eindruck wäre vermieden worden,
die "Schatten der Vergangenheit" hätten den Westdeutschen Rund-
funkrat nicht von ungefähr just zu dem Zeitpunkt heimgesucht, als
dieser gerade statt des Frühschoppens "einen Neuanfang machen
wollte"! Sollte das "Erinnerungsdrama" (" Süddeutsche Zeitung")
sich in einen Theaterdonner auflösen, um den alten Knochen mög-
lichst wirkungsvoll vom Nierentisch zu verscheuchen? Wenn man der
Presse folgt, würde man es sich mit einer solchen Deutung zu ein-
fach machen:
"Daß Höfer die Vergangenheit jetzt (!) eingeholt hat, war eine
Zwangsläufigkeit." (Saarbrücker Zeitung)
Sonst könnte man ja meinen, das journalistische Wirken sei ge-
meine Auftragsarbeit. Und die von diesem Berufsstand ausgepinsel-
ten höheren Beweggründe der Macht seien bloße Dekoration - die
schließlich auch am besten dazu geeignet ist, einen von ihnen ab-
zuservieren.
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