Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN TAZ - Der Spiegel der Szene
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Die "Tageszeitung (taz)" vom 24.11.
BÜRGERLICHES ERNTEDANKFEST
Die alternative Berichterstattung der "taz" steht recht souverän
über unserer Demonstration. Deren Anliegen hält man in den Redak-
tionsräumen nicht für falsch, sondern für einen Anlaß, wieder
einmal darauf hinzuweisen, wie b e d e u t u n g s l o s wir
sind: "... die letzte intakte Endmoräne des einstigen
M-L-Gletschers". Feine Fortschrittsmenschen ergießen da ihr biß-
chen Häme über den geringen Erfolg von Kommunisten in West-
deutschland, von Leuten, die durch ihre Isoliertheit von den Mil-
lionen von SPD-Wählern (und taz-Lesern?) allein schon hinreichend
beweisen, daß sie kurios und sonst nichts sind. Was hat eigent-
lich ein Öko-Journalist mit Friedenswünschen dagegen, daß sich
ein paar Studierte zu blöd sind, die Elite der Nation zu verstär-
ken?
"Die Münchner Studiosi-Riege um die Altstudenten Fertl, Held und
Ebel rekrutiert seit Jahren 'kommunistische Intellektuelle'
zwecks ferner Gründung der proletarischen Partei."
Gründen wir ihm die Partei nicht schnell genug? Oder wünscht er
uns nur dieselben Fehler und Beichten mit auf den Weg, die er am
Scheitern der Revi-Vereine freudig begrüßt? Woher hat er folgende
Weisheit aus dem Jahre 1973:
"Bis dahin allerdings wird die hiesige Gesellschaft analysiert
und dies unter bewußter Absehung von praktischer Politik."?
Natürlich: ein "taz"-Journalist braucht doch keine Analyse der
modernen Ausbeutung und ihrer staatlichen Verwaltung - er muß ja
s e i n e Zeitung vollkriegen und nicht darauf sinnen, was er zu
welchen Ereignissen in Fabrik und Uni den Betroffenen vermeldet,
damit diese sich was einfallen lassen zur Abwendung der ihnen
auferlegten Zumutungen! Locker geht ihm die Berichterstattung
über unsere Argumente zur westdeutschen Beteiligung an der
Kriegsvorbereitung aus der Feder. "Eloquente Entlarvung, deren
Kärgst lautet: 'die BRD' ist imperialistisch'." Was hat er da-
gegen? Was macht die jedermann in die Hand gedrückte Analyse des-
sen, was gewählte Faschisten mit ihrem Volk so vorhaben, lächer-
lich? Natürlich - unsere O h n m a c h t, die uns auch noch
gleich als S t a n d p u n k t untergeschoben wird:
"Die Gesamtbevölkerung weigert sich, die 'Marxistischen Gruppen'
zur Kenntnis zu nehmen."
Welch tiefer Gedanke doch im Sektenvorwurf steckt - und welch
schönes Kompliment an die "Bild-Zeitung"! Die Gesamtbevölkerung
ist schon sehr weise und gut beraten, wenn sie weiterhin ihren
Dienst an Kapital und Staat abliefert und nicht auf die Traumtän-
zer von der Endmoräne hört, nicht wahr! Und vor allem fährt sie
so gut dabei, wenn sie uns für verrückt hält und ihren Kanzler
für einen Ehrenmann. Das mußte ihr doch von der "taz" wieder ein-
mal bestätigt werden. Schließlich irren w i r:
"Dies mag daran liegen, daß es nicht ausreicht, um Politisches in
Gang zu bringen."
Schön zu sehen, wie das Fehlen eines Nebensatzes dem Argument der
"taz" überhaupt keinen Abbruch tut: was wir tun, reicht nicht
aus! Vernichtend, der Befund, fürwahr! Wenn die Herren Ratgeber
sich nur einmal dazu entschließen könnten, uns zu erzählen, was
wir über die Agitation hinaus und zusätzlich zu demonstrativen
Auftritten unternehmen müßten, um es ihnen rechtzumachen.
"Politisches in Gang bringen" halten wir nämlich für eine selt-
same Zielsetzung, da uns nicht entgangen ist, w a s da alles in
Gang gebracht wird. Vielleicht aber schaffen es die Liebhaber je-
der Bewegung, die sich bewegt, aber auch einmal, uns zu sagen,
was an unseren Absichten - die wir im übrigen in höheren Auflagen
an den (Arbeits-)Mann bringen als die "taz" ihren Kram an die Ge-
samtbevölkerung - verkehrt ist! Stattdessen begnügen sie sich mit
der Information ihrer Leser über einen "trotzigen" Praxisbegriff
der MG, der uns - wie interessant - Erfahrungen ersparen soll:
"Aber diese schmerzliche Erfahrung ersparen sich die MGs dank
ihres Praxisbegriffes."
Das glaubt ihr doch selber nicht, ihr Knalltüten! Wer ist denn
schon so doof und denkt sich einen Praxisbegriff aus, um sich die
Illusion eines Erfolgs über alle Absagen seitens seiner Adressa-
ten zu bewahren! Mit dem Spruch von einst, demzufolge unsere
theoretischen Bemühungen zu unserer Praxis gehören, haben wir
nämlich nur gegen die alte - und bei der "taz" immer noch be-
liebte - Gegenüberstellung von "Theorietreiben" und "politisch
praktisch tätig werden" polemisiert. Wir haben eben einmal sagen
wollen, daß es für einen kommunistischen Verein nicht ganz un-
wichtig ist, die Wahrheit über die Welt des Kapitals zu wissen,
gegen die er ankämpft - andernfalls wird er nämlich stets mit
verkehrten Argumenten die Menschheit zu betören versuchen; und
das wäre ziemlich blöd angesichts der Tatsache, daß selbst gegen
richtige Kritik die faktischen Zwänge als Rechtfertigung fürs
Mitmachen üblich sind. Ganz zu schweigen von den kritischen
Menschen, die eine Tageszeitung machen, um ihr Publikum mit der
überaus wichtigen Information zu versorgen, daß auf unserer De-
monstration nur die mitgegangen sind, die sie für richtig be-
fanden:
"Auch gestern blieb es mal wieder bei der internen Truppenpa-
rade."
Eure Zeitung lesen auch nur die, die sie lesen! Und euer Praxis-
begriff besteht lediglich darin, das gutzuheißen, was euch von
dem gefällt, was andere "politisch in Gang bringen." Bürgerliches
Erntedankfest?
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