Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN SPIEGEL - Nationaler Geist feiert Macht
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"Spiegel"-Serie "Die deutsche Depression"
DAS DEUTSCHE VOLK: DER ARSCH DER NATION
"Die 'kranke' Gesellschaft und das 'gesunde' Volksempfinden sind
Begriffe, die zumeist diffamierend gebraucht werden, nicht be-
schreibend. Aber nur darum soll es gehen, um den Versuch der Dar-
stellung eines offenkundigen Zustands gestörten und verstörten
Verhaltens von so vielen, daß die Kluft zwischen dem geistigen
und politischen Klima des Landes und den Realitäten auffällig
groß ist und gefährlich weiter aufreißt. Um es mit Helmut Schmidt
zu sagen: 'Die Deutschen sind ein kleinmütiges Volk'."
Als die "Angst der Deutschen" vor etwa einem Jahr ins öffentliche
Gerede kam, glaubten dessen Initiatoren wohl, damit einen Ein-
spruch gegen eine Politik vorzubringen, die Leib und Leben der
ihr Unterworfenen als Material überlegener Kriegsziele ins Auge
faßt. Daß es allerdings ein fataler Irrtum ist zu meinen, durch
Kundgabe des eigenen Gefühls, Opfer zu sein, dessen tatsächliche
Einforderung auch nur in Frage zu stellen, läßt sich daran erse-
hen, wie sehr den Hütern des "geistigen und politischen Klimas
des Landes" das Thema gelegen kam.
Die Betroffenen kamen kaum dazu, ihre Betroffenheit öffentlich zu
bedenken zu geben, da war sie auch schon öffentlich bedacht: als
geeigneter Anlaß, denen, die ihr eigenes Vertrauen in die Politik
gegen deren Konsequenzen reklamieren, selbst die Vertrauensfrage
aufzumachen. Wer für seine Unterworfenheit Berücksichtigung bean-
sprucht, der findet sie auch: in der Gegenfrage, ob sein Unterta-
nengeist noch ganz frisch ist.
Eine Gesinnungsprüfung des deutschen Bürgers
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Zuletzt hielt es der "Spiegel" für angebracht, mit einer sechs-
teiligen Serie die Angst-Thematik abzurunden. Daß deren öffentli-
che Abhandlung ihren Ausgangspunkt längst souverän hinter sich
gelassen hat, zeigt sich nicht nur daran, daß unter dem Titel
"Die Stimmungslage der Nation" nicht mehr nur einige
"Ängstliche", sondern prinzipiell das ganze deutsche Volk einer
Gesinnungsprüfung unterzogen wird. Welchen demokratischen Reife-
grad die Begutachtung der gefühlsmäßigen Loyalität des Volks zu
seiner Herrschaft mittlerweile erreicht hat, kann der Leser ins-
besondere daran ermessen, daß ihm durch Herrn Leinemanns
"Bericht" selbst jede Erinnerung daran, daß das Wollen des gemei-
nen Volks für die politischen Zielsetzungen seiner Repräsentanten
auch nur das Geringste zu bedeuten hätte, gänzlich erspart wird.
Wenn der Stimmungsreporter dem deutschen Bürger unters Seelenko-
stüm schnüffelt, dann beileibe nicht, um irgendwelche "Trends"
oder ähnlichen Schnickschnack zu eruieren. Die politischen
"R e a l i t ä t e n" stehen schließlich fest, und daß sie
nichts als Z u m u t u n g e n an die Bürger sind, erledigt
sich durch eingestreute Ablichtung einiger "Spiegel"-Titel des
vergangenen Jahres ("Schlachtfeld Deutschland?", "0% Lohnerhö-
hung?", "Benzin-Preis: Wie hoch noch?" etc. etc.). Fest steht mit
diesem Ausgangspunkt ebenso, daß die deutsche Bevölkerung nur
eine Chance hat, die Überprüfung seitens des kritischen Magazins
zu bestehen: indem sie eben beweist, daß sie diesen Realitäten
gerecht wird.
Klar ist freilich, daß auch diese Chance nur eine theoretische
ist: Wer von der "Realität" den Schaden hat, der m u ß sich
schwertun, gegen sie eine gute Figur zu machen. Wer schafft es
schon, nicht nur alles wegzustecken, sondern auch sich dabei
nicht anmerken zu lassen, d a ß er etwas wegsteckt? Und selbst
wenn er sich n i c h t s anmerken läßt der "Spiegel" merkt es
ihm allemal an:
"Einerseits: Läuft nicht wirklich alles ganz normal im Lande? Es
wird regiert und gewählt, gereist und gefeiert wie 'eh. Gefeiert
sogar mehr als sonst. (...) 'Kein schöner Land in dieser Zeit',
singen sie.
Andererseits: Sie singen es wie mit zusammengebissenen Zähnen.
Die Arbeitslosigkeit wächst. Die Zahl der Bankrotte und Pleiten
steigt. Der Staat ist überschuldet. Umweltzerstörung wird überall
sichtbar. Demonstrationen, Hausbesetzungen, Krawalle. Die Frauen
mucken auf. Die Jugend rebelliert oder steigt aus oder funktio-
niert zu reibungslos (!), ist jedenfalls (!) nicht in Ordnung..."
Bürger '82: "jedenfalls nicht in Ordnung". Daß er seinen Herr-
schern ungebrochen die Loyalität erweist, indem er sie wählt, mit
den Ergebnissen ihrer Herrschaft zurechtzukommen sucht und dabei
noch patriotische Lieder singt, hilft da wenig. Mit dem Funktio-
nieren der normalen Formen untertäniger "Realitätsbewältigung"
läßt sich Herr Leinemann nicht bescheiden. Mag der Bürger selbst
gar nicht zur Kenntnis nehmen wollen, daß er für die Fortschritte
des "schönsten Landes in dieser Zeit" den Arsch abgibt - der
"Spiegel"-Reporter steigt ihm nach und hält ihm vor, daß er es
aber ist! Und als solcher k a n n er nicht "in Ordnung" sein -
das ergibt sich schon aus dem, was er gegenwärtig und in Zukunft
auszulöffeln hat. Als a b h ä n g i g e G r ö ß e von
"Arbeitslosigkeit, Pleiten, Staatsverschuldung" etc. betrachtet,
m u ß "ein großer Teil der Bevölkerung durcheinander" sein, und
wenn er gar glaubt, er liege richtig, beweist er gerade dadurch
das Gegenteil!
"Jubel, Lieder, Frohsinn. Mehr als 50.000 Tübinger und Zugereiste
saufen, fressen und lärmen, daß es der lokalen 'Südwest Presse'
unheimlich (!) wird... Tanz auf der Titanic? Auf den ersten Blick
sieht es nicht so aus... Aber vergessen? Die Risse, die durch das
Land laufen, bleiben sichtbar."
Das v e r g e s s e n, was er auszubaden hat? Das kann dem
deutschen Bürger doch unmöglich gelingen! Umgekehrt: Gerade
d a ß er die für ihn "schmerzliche Wirklichkeit"
b e w ä l t i g e n w i l l, zeugt umso härter von seiner
"U n f ä h i g k e i t, eine schmerzliche Wirklichkeit zu
e r t r a g e n, Verluste zu betrauern."
Der deutsche Untertan kann also machen, was er will: da er sich
in allem als das Anhängsel erweist, das er ist, bezeugt er die
Malaise des deutschen Volks durch alle seine Regungen - und zwar
vor allem durch die politisch bedeutungslosesten:
"Von den Brüchen und Defekten im privaten Leben, das von jeher in
Deutschland seltsam abgekoppelt erlebt wird vom historischen
Schicksal, auf die Stimmungslage der Nation zu schließen, scheint
ertragreicher (!), als auf ideologischer Ebene mit AIIgemeinbe-
griffen wie Staatsverdrossenheit und Generationenkonflikt zu han-
tieren."
Angst fressen "Orientierung" auf
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Das Auspinseln- der Auseinandersetzungen der Bürger mit den
"Brüchen und Defekten" ihres "Schicksals" scheint gerade dadurch
umso "ertragreicher", daß man sie prinzipiell unter den nationa-
len Verdacht stellt, einen ebenso kleinlichen wie vergeblichen
"Abkoppelungsversuch" von der historischen Schicksalsgemeinschaft
darzustellen! Daß das "historische Schicksal" der Republik und
die Bemühungen der Bürger, ganz unverdrossen mit dem ihnen in
dessen Namen auferlegten Schaden zurechtzukommen, zweierlei sind,
möchte der "Spiegel" in jedem Fall zum Nachteil derjenigen ausge-
legt wissen, die den Schaden h a b e n. Jeder Regung eines
deutschen Untertans begegnet das deutsche Nachrichtenmagazin mit
dem impliziten Anspruch, sie habe eigentlich ein n a t i o-
n a l e s Problem zu bemeistern. Und daß sie ihm vor diesem
Anspruch per se blaß aussehen, (dis-)qualifiziert sie allemal als
Bebilderung der "Risse, die durch das Land laufen". Daß das
Privatleben zur Bewältigung nationaler Anforderungen da ist, ist
ja auch so selbstverständlich, daß der "Spiegel" ganz unverfroren
d e s s e n "Krisen" für sich selbst sprechen lassen kann: als
der genuinste Ausdruck - und zugleich der innerste Begriff der
"Krisen, die derzeit unser Land belasten".
Der Spiegel-Redakteur bemüht sich gar nicht erst, die aufgeführ-
ten "Phänomene" noch groß umzuinterpretieren. Sie sind für ihn
schon der schlagende Beweis dafür, daß in unserem Gemeinwesen so
gut wie nichts in Ordnung ist, "also" auch d i e s e s
s e l b s t nicht. Das, was sich sonst ins Gewand ökonomischer,
psychologischer, philosophischer oder anderer Ausmalungen klei-
det, die Sorge um das Gelingen all dessen, was so gerne mit "wir
alle", "wir Deutsche" gekennzeichnet wird, das trägt sich hier
unverblümt vor. Mit der Plumpheit, die guten Journalismus aus-
zeichnet, walzt der "Spiegel" den Begriff des "Krisen"-Arguments
breit: noch die hinterletzte Regung eines der Herrschaft Unter-
worfenen wird zum Ausdruck eines einzigen Prinzips, das teil-
nahmsvoll als gefährdet angesehen. wird: die "politische Kultur"
der Nation nämlich. Was sich auch tut in dieser Republik, es wird
am Maßstab gemessen, wieweit es dem Ideal einer nach innen und
außen erfolgreichen Herrschaft entspricht und ihm b e w u ß t
dient. Und gerade weil die alltäglichen Formen der "Lebensbe-
wältigung" den Anforderungen der Republik unterworfen sind, sich
diese also auch nicht zum unmittelbaren Zweck zu machen brauchen
und machen können, blamieren sie sich laufend vor dem anmaßenden
Blick des Staatsauguren und reihen sich damit bruchlos in die
endlose Reihe "unserer Probleme" ein, mit denen der Staat
angeblich so sehr zu kämpfen hat. So verrückt denken politisierte
Geister - allerdings auch nur im Geiste -, daß "Arbeitslosig-
keit", "Parteienverfall",
"Umweltverschmutzung" und andere in Staatsgefährdungen uminter-
pretierte Wirkungen erfolgreicher Politik in einem Atemzug mit
dem Kegelabend, dem familiären Alltag und den Stammtischsprüchen
von Otto Normalbürger aufgeführt - werden alles als "S y m p-
t o m e" innerer Un-Ordnung. Die maßlose theoretische Anteil-
nahme am nationalen Leben n i v e l l i e r t alle Unterschiede
und Gegensätze. So muß man nur noch irgendwelche Ereignisse
bedeutungsvoll und unheilschwanger aufzählen, schon kann jeder
Leser besorgt mit dem staatsbürgerlichen Kopf nicken. Mit dem
Gestus der Authentizität greift der Depressionsreporter wahllos
in die vollen:
"München. Im September. Menschen mit Konfetti im Haar und abwe-
send (!) lächelnden Gesichtern kommen aus dem Zirkus Roncalli..."
"Münster. Im November. Wer die Nummer des Tiefbauingenieurs Klaus
P. anruft, kann sicher sein, daß sich mit matter Stimme die
Ehefrau meldet..."
"Vaterstetten bei München. Im Juli 1981, Fortunat Weigel, Jahr-
gang 1913, erinnert sich an seine Heimkehr nach 13 Monaten
Kriegsgefangenschaft..."
"Sankt Augustin. Im Dezember 1981. Die Schülerin Angelika, 16,
ist immer seltener zu Hause..."
Alles sehr bezeichnend... - wofür? Daß es die Leute schwer haben?
Daß durch die öffentlichen Zumutungen auch die Privatsphäre in
Mitleidenschaft gezogen wird? Oder sollte Schülerin Angelika öf-
ter nach Hause kommen und Fortunat Weigel mehr an die Zukunft
denken? Und wenn ja, was ginge Jürgen Leinemann das an? Als Summe
einjähriger Einzelbeobachtungen zwischen Flensburg und Kiefers-
felden präsentiert dieser seine Diagnose:
"Ein Bild (!) zeichnet sich ab: Gedrückte Stimmung. Versteinerung
im Verhalten. Abkapselung. Verbitterung. Verlust an Geborgenheit.
Ungewißheit. Selbstzweifel. Autoaggression. Selbstvorwürfe. Dazu
(!): Nur mühsam unterdrückte innere Unruhe. Die Neigung, allem
auszuweichen. Ein Gefühl von Leere. Jammern und Lamentieren.
Wahnhafte Ängste um Gesundheit und Besitz. Verlust an Wirklich-
keitssinn. Schuldgefühle. Ständige Müdigkeit. Lebensunlust."
Das "Bild", das sich vor Herrn Leinemanns Augen zusammensetzt,
wenn er das deutsche Volk in Beobachtung nimmt, besteht aus den
"Stichworten des Psychiatrielehrbuchs von Walter Schulte und Rai-
ner Tölle zur Beschreibung von depressiven Neurosen und Melancho-
lie". Die Bescheinigung der U n f ä h i g k e i t der deutschen
Untertanenschaft, der "Realität" gerecht zu werden, unterstreicht
er mit der Klarstellung, daß diese auch wirklich gar nicht anders
könne. Das "gestörte" Gefühlsleben, das er am Bürger aufgemacht
hat, schleppt dieser als generellen D e f e k t mit sich herum:
Er ist untauglich.
Das will der "Spiegel" freilich "nicht diffamierend" gemeint ha-
ben. Will heißen, daß ihm die Realitätsuntüchtigkeit des Un-
tertans nicht von ungefähr kommt. Dieser l e i d e t ja - und
zwar unter dem schmerzlichsten Verlust, der einen Untertan nur
treffen kann: an dem Verlust an "O r i e n t i e r u n g". Und
in diesem Leiden kann er mit dem vollsten Verständnis Herrn Lei-
nemanns rechnen. Die reale Einbuße, die der kleine Mann heute
hinzunehmen hat, war die der unhintergehbaren Gewißheit, woran er
sich h a l t e n soll:
Diese Vorstellung ist dem Reporter so wertvoll, daß er neben den
eigenen auch alle verfügbaren Idiotien anderer berufener Geister
mobilisiert, um Deutschland '82 zu einem einzigen irrlichtemden
Unding zu stilisieren:
"Alles ist in der Schwebe, verlagert sich, 'unfixiert wie Queck-
silber', hat der Soziologe Urs Jaeggi erkannt (!)..."
"Nichts stimmt mehr... Die Verhältnisse geraten ins Rutschen..."
"Wer weiß schon, wer wirklich 'ganz der alte' geblieben ist?..."
"Dieses Land ist keine Bühne (!), auf der die klassischen Dramen-
regeln der Einheit von Zeit und Raum gelten. Zeit wird seltsam
beliebig, Jahrzehnte, Jahrhunderte rutschen - ineinander..."
"Kein Zitat, keine Zahl, kein historisches Datum, keine lebende
oder tote deutsche Persönlichkeit, kein Dokument ist wenigstens
soweit unumstritten, daß ein Mindestmaß an Verständigungsmöglich-
keiten erkennbar wird..."
Zu solchen angestrengten Verrücktheiten versteigt sich ein gebil-
deter Mann, wenn er sich den Geisteszustand des gemeinen Volks so
vorstellt, als w ä r e es der eigene. Doch er hat den "Bezug
zur Realität" ja nicht verloren. Daß sich das Arbeitsvolk noch
nie nach Dramenregeln richten mußte, ist ihm durchaus noch geläu-
fig. Denn - "Schwebe" hin, "Quecksilber" her - darauf, wie der
Normalbürger sich s e l b s t die Verhältnisse zurechtlegt,
konnte man sich ohnehin noch nie verlassen. Was er schon immer
gebraucht hat und nun entbehrt, ist: Bescheid gestoßen zu krie-
gen, wo's längsgeht:
"Vor allem deshalb erscheint immerzu die Wirklichkeit auf den
Kopf gestellt, weil nicht mehr v e r b i n d l i c h ist, was
oben und was unten ist, was recht und was unrecht, was links und
was rechts."
Mit den Worten d es Polizeipsychologen:
"Tatsächlich 'hat niemand mehr die Macht', sagt der Psychologe
Georg Sieber, 'verbindlich die Situation zu definieren. Es gibt
zu viele Mitdefinitoren'."
Mit zielsicherer Geradlinigkeit spitzen sich die eingebildeten
Drangsale mangelnden D u r c h b l i c k s auf den Punkt zu,
für den sie allemal stehen sollen: Der Durchblick ist eine Frage
der I n t e r p r e t a t i o n, und diese wiederum eine Frage
der M a c h t, die bekanntlich unteilbar ist. Die bedingungs-
lose Unterwerfung ist es also, woran es dem bundesdeutschen Volke
derzeit so fatal mangelt! Die Sicherheit des Bürgers besteht in
der Durchsetzung der staatlichen O r d n u n g gegen ihn: Diese
vermißt Herr Leinemann so gründlich, daß er die "offene Gesell-
scflaft" zu einem hoffnungslos wirren Haufen erklärt, indem er
sie an seinem Ideal einer absoluten Ordnung bemißt. Vom Stand-
punkt des ausgesucht borniertesten moralischen Vorurteils be-
trachtet, diskreditiert sich jedes Ereignis als eine einzige
A b w e i c h u n g:
"Eine angeblich unduldsame etablierte Gesellschaft regt sich über
Rudel von Nackten in den Parks der Großstädte kaum auf. Abituri-
enten rechnen schon ihre Pension aus. Rentner treten in Hunger-
streiks, ein Behinderter geht auf den Bundespräsidenten mit der
Krücke los."
"Subversiv geht es zu", urteilt Herr Leinemann, und meint das
ganz konsequent: Überall ist Subversion am Werk, die deutsche Na-
tion ein einziger Zerfallsprozeß. Pluralität als Grundlage von
Ordnung? Unter der Hand bringt das Intellektuellenmagazin auch
die deutsche Ideologie auf den neuesten Stand, indem es selbst
die bloße formelle Verschiedenheit der Teile des Volkskörpers als
Indiz für dessen Zersetzung brandmarkt:
"Die westdeutsche Gesellschaft zerfällt (!) in Kleinfamilien und
Einzelhaushalte..."
"...abgekapselt in Szenen, Cliquen, Stämme (!), Banden (!!)..."
"Rückzug, Selbstisolierung, Abkapselung, Selbstzerstörung, Aus-
steigen und Auswandern häufen sich in einer Weise, daß die Frage
sich aufdrängt, wer sich eigentlich noch 'drin' fühlt. Von wel-
cher Bevölkerungsgruppe könnte man das noch uneingeschränkt be-
haupten?"
Wenn jemand seine ganze Phantasie dem Anliegen verschreibt, die
Aushöhlung der nationalen Einheit an die Wand zu malen, dann
"drängt" sich ihm gleich noch ein weiteres auf: Die Zersetzung
eines Volkes war bekanntlich noch immer Resultat der
S i t t e n l o s i g k e i t seiner Mitglieder. Der "Spiegel"
eröffnet eine neue Rubrik, den Sitten-"Spiegel":
"...der pöbelnde, hetzerische, hämende Grundton der öffentlichen
Auseinandersetzungen..."
"...mitleidslose und sich selbst abschottende Teilnahmslosig-
keit..."
"Kampf mit allen Mitteln... jeder schlägt zurück, am besten noch
vor dem anderen..."
"...Unterbewußtsein verschmutzt durch kurzlebige faszinierende
Sensationsmeldungen..."
Eine deutschnationale "Depression"
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In der Beschwörung der ganzen moralischen Niederträchtigkeit, als
die ihm das partikulare Hin und Her vorkommt, reklamiert der
"Spiegel" ganz unverblümt die V o l k s g e m e i n s c h a f t
als d e n Inhalt aller Moralität - eine Tugend, die er am deut-
schen Volk so gründlich vermißt, daß er es als ganz - und gar un-
tauglichen Agenten seines "historischen Schicksals" ausgemacht
hat. "Keine Chance, die Gegenwart auch nur halbwegs verbindlich
zu beurteilen" gibt er dem Bundesbürger weil dieser in seinem In-
nersten schon seit langem hoffnungslos fehlgeleitet sei: Die re-
alen Schwierigkeiten, mit denen der Bürger derzeit zu tun hat,
sind schließlich nichts anderes als die Quittung für seine cha-
rakterliche V e r b i l d e t h e i t. Warum ist das Volk so
"kleinmütig"? Wie heißt es doch: "Das deutsche Volk ist ver-
wöhnt".
"Sie haben viel zu verlieren."
"Weitgehend verlorengegangen ist den Menschen die Scheinsicher-
heit ihres Wohlstandes und ihres satten Friedens."
Schadenfreude liegt hier nicht vor. Der Spott, für den derjenige
nicht zu sorgen braucht, der den Schaden hat, nimmt sich harmlos
aus gegen den Bescheid, den Herr Leinemann dem deutschen Volk er-
teilt. Daß dieses "über seine Verhältnisse gelebt" habe, ist hier
ein matter Kalauer. Der "Spiegel" weiß nicht nur, daß die deut-
sche Bevölkerung das "Streben nach Wohlstand überzogen" hat, er
weiß d i e s e s S t r e b e n s e l b s t als krankhafte
Neigung, indem der Bürger sich damit von einer verhängnisvollen
I l l u s i o n abhängig gemacht habe. Auf d e r e n Konto
geht schließlich, wenn sich nun die "Realität" Geltung ver-
schafft: Wer je gemeint hat, er könne in Frieden leben und Wohl-
stand haben, der hat es nun: den Beweis, daß er damit schiefgele-
gen ist. Daß solche "Sicherheiten" hier nicht erhältlich sind,
brauchte der "Spiegel" nicht erst dem großen Kanzlerwort entneh-
men; er hat es schon immer gewußt:
"Vielen dämmert erst jetzt die Erkenntnis, daß diese Republik
dreißig Jahre lang anscheinend vor allem durch das zusammengehal-
ten wurde, was jetzt gleich von zwei Seiten in Frage gerät und
bedroht wird: materieller Wohlstand. (...) Vergeblich halten Po-
litiker wie Bürger nach Traditionen und Zielen Ausschau, in denen
sie Identität finden können."
Wenn der "Spiegel" frei daherphantasiert:
"In den ersten Jahrzehnten deckten sich staatliche und private
Interessen aufs Haar",
dann will er damit beileibe keinen Beitrag zur V e r k l ä-
r u n g der Adenauer- und Erhard-Ära geleistet haben. Er setzt
diese Idylle vielmehr in die Welt, um sie als f a l s c h e und
verhängnisvolle Idylle anzuprangern. Zwar kann sich Herr
Leinemann freilich nichts Schöneres vorstellen als eine
haargenaue Deckung von staatlichen und privaten Interessen.
Aber daß der Staat "den Wünschen der Wirtschaftswunderschaffer
entsprochen" haben soll, indem er sie schaffen ließ, erscheint
ihm als schweres vaterlandsloses Versäumnis. Indem er nämlich der
"Besessenheit" Vorschub leistete, "den materiellen Aufstieg al-
lein für Wert und Sinn der neuen Demokratie zu halten", sorgte er
dafür, daß die Z u v e r l ä s s i g k e i t des Volks für
diese Demokratie "bisher keiner ernsthaften Prüfung unterzogen
worden" ist. Dabei hätte er zu solchen Prüfungen reichlich Gele-
genheit gehabt. Insbesondere am Faschismus, aus dem sich vieles
hätte machen lassen, zumal solange er noch ganz frisch war. Die
Klage über die "unbewältigte Vergangenheit" liest sich 1982 fol-
gendermaßen:
"Keine bejahte (!), erlittene (!), erfahrene Geschichte steht da-
zwischen. Nichts ist trauernd verarbeitet."
Ob Herr Leinemann am Faschismus noch etwas anderes zu "betrauern"
hat, als daß er den N a c h k r i e g s deutschen Anlaß gewesen
sein soll, "ihre Erinnerung mit Wohlstand zuzuschütten", sei da-
hingestellt. Jedoch läßt sich der Unerträglichkeit, die letzteres
offensichtlich für ihn darstellt, immerhin entnehmen, daß ihm -
in Anbetracht der Unfähigkeit des deutschen Volkes zu gemeinsamer
"Betroffenheit" - die F o r t d a u e r des Faschismus gegen-
über seiner Beendigung als das geringere Übel erschienen wäre. Da
hätte sich doch noch so manches "bejahen" und "erleiden" lassen!
So aber konnte sich das Volk bequem der Aufgabe entziehen, die
bereits geschaffene Volksgemeinschaft an der nachträglichen
"trauernden Verarbeitung" des Faschismus zu bewähren, und statt-
dessen die "Vorgeschichte des Nazireiches als störend und
schmerzlich verdrängen".
Bei einem so krassen "Unverhältnis zur jüngeren Geschichte, das
sich im Ausbleiben des "Ja zur eigenen Vergangenheit" dokumen-
tiert, entringt es dem "Spiegel" auch nur noch eine resignierende
Geste, daß das Volk schließlich auch noch bei der "Teilung
Deutschlands ohne andere als deklamatorische Trauer" geblieben
ist und
"ziemlich ungerührt die Elbe als Grenzfluß gegenüber 'dem Osten'
hingenommen"
hat. So führen die Betrachtungen der "Stimmungslage der Nation"
geradewegs zu dem Punkt, von dem "chauvinistische Vertriebenen-
funktionäre" - im selben Atemzug vom "Spiegel" abfällig kommen-
tiert - nur träumen konnten. Mit dem Vorwurf der Gleichgültigkeit
der Westdeutschen gegenüber der "Teilung Deutschlands" (welche
andere als "deklamatorische Trauer" wäre denn da angebracht gewe-
sen?) macht das deutsche Nachrichten-Magazin G r o ß deutschland
als den Standpunkt auf; vor dem sich die BRD als eben nur die BRD
nicht bewähren kann. Was drückt da die "deutsche Depression"
schlagender aus, als daß "die Bürger tatsächlich schon darüber
sich uneins sind, wie sie das Gebilde (!) nennen sollen, in dem
sie leben"?
Nicht das g a n z e Deutschland und damit eine echte Nation zu
sein, ist das Handicap, das die BRD nicht loswird und das der
"Spiegel" dem vorhandenen bundesdeutschen Nationalismus als Manko
vorrechnet. "Dabei fehlt es nicht an Versuchen, eine nationale
Identität zu schaffen", registriert er; diese "Versuche" bleiben
jedoch allemal eine matte Angelegenheit, solange "die verdrängten
Phasen der jüngsten Vergangenheit einfach übersprungen werden".
So durchschaut der "Spiegel" das "Preußenjahr" als bloße
"Ersatzfunktion für das, woran es eigentlich fehlt". Das
a l l s e i t i g e Bekenntnis "von rechts und links" zu den
"preußischen Tugenden und Traditionen" blamiert sich für ihn als
b l o ß e s Bekenntnis schon dadurch, daß es eben immer noch
v e r s c h i e d e n e Seiten seien, die in diesen Tugenden
ihre "Identität" suchten:
"Daß die Preußen-Betrachtungen die allgemeine Ratlosigkeit und
Zerstrittenheit verringert hätten, darf bezweifelt werden. ...
viel abstrakte Sinnstiftung, viel Werthudelei..."
Klare Grenzen
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Wer an den Idealen des Nationalismus moniert, daß es n u r
I d e a l e seien, der läßt sich von der Nation nur in einer
Weise zufriedenstellen: durch einen N a t i o n a l i s m u s
d e r T a t. Daß es nicht die Bevölkerung ist, von der entspre-
chende Initiativen zu erwarten sind, ist dem "Spiegel" ebenso
klar, wie er deren Alltag unter keinem anderen als eben diesem
Kriterium beleuchtet. Durch das Urteil der privaten Borniertheit
und nationalen Orientierungslosigkeit, das auf diese Weise zu-
standekommt, soll sich ja gerade dessen Unfähigkeit erweisen, das
"historische Schicksal" selbstbewußt in die eigenen Hände zu neh-
men. So verweist den "Spiegel" die "Stimmungslage der Nation"
folgerichtig auf deren Herrscher. Die "deutsche Depression" fin-
det darin ihren Begriff, daß er jene als "ratlose Horde" ausge-
macht hat:
"Politisches Handeln verkümmert zu hektischer Bewegungslosig-
keit... klischeehafte Bekenntnisse und Distanzierungen... verba-
les Gezänk..."
"Ob in Bonn noch einer weiß, wie so etwas ankommt 'draußen im
Lande'? All die Ratschläge von Ratlosen an Ratlose? Die Beschöni-
gungen und Beschwichtigungen? Die Appelle und Bekenntnisse? Die
Deklamationen? Der ganze Schwall von Worten, der an die Stelle
von Taten getreten ist?"
Daß es heutzutage als d a s Vergehen gegen die demokratische
Verantwortung eines Politikers gilt, dem Volk irgendwelche
"Versprechungen" zu machen (außer dem, regiert zu werden); daß
die Politiker darum konkurrieren, wer den Untertanen am unge-
schminktesten sagt, was man auf sie zukommen lassen will - das
ist auch dem "Spiegel" nicht entgangen. Es ist ihm vielmehr An-
laß, als Avantgarde nationaler Stimmungsmache noch eins draufzu-
legen: Ihm mißfallen diese Ankündigungen so sehr als b l o ß e
W o r t e, daß er gar die praktischen Verfügungen, mit denen sie
einhergehen, überhaupt nicht als T a t e n anerkennen will. Was
will der "Spiegel" eigentlich, so muß man fragen, wenn er das ge-
genseitige Hervorkehren der Führerqualitäten demokratischer Poli-
tiker als "G e z ä n k" denunziert und anstelle der Entschei-
dungen, die diese treffen, "T a t e n" fordert? Nein, nicht daß
er a n d e r e Taten für erforderlich hielte: bei seinem Plä-
doyer für beherztes Zupacken kann er sich ja gerade dessen sicher
sein, daß, w o r i n die Nation sich zu bewähren habe, eine
ausgemachte Sache ist. Er hält es vielmehr für angebracht klarzu-
stellen, daß diese nationalen Aufgaben ihrem Wesen nach keinerlei
auch nur formelle Differenzen zulassen. Dabei ist es gar keine
Ironie, wenn er sich an dieser Stelle der Stimme des Volkes be-
dient:
"Die Mehrheit will klare Grenzen" (Sicherlich nicht an der Elbe.)
"Ohne Wenn und Aber. Sie will Eindeutigkeit. Sie will Berechen-
barkeit. Sie will Garantien für Sicherheit. Sie hätte am liebsten
eine Scheidung der Welt in Gut und Böse, so klar, wie sie nur in
Wildwest- und Kriegsfilmen vorkommt."
Was will der "Spiegel" sagen, wenn er sich den Faschismus des
'kleinen Mannes', dem er "ein Stadium der Unreife" attestiert,
auf der Zunge zergehen läßt? Daß das gemeine Volk eben unverbes-
serlich sei? Oder daß dessen Ruf nach einem "starken Staat" nur
allzu verständlich sei? Er will in der Tat b e i d e s sagen:
Das "unreife" Volk mit seinen faschistischen Sehnsüchten ist an
die Kandare zu nehmen - und zwar, indem man den I n h a l t
dieser faschistischen Sehnsüchte als Auftrag demokratischer Füh-
rer in die Tat umsetzt. Die "Eindeutigkeit", die das Volk an
Kriegsfilmen so schätzt, soll es auch ohne Kino haben.
Das "Spiegel"-bild politischer Besorgnis über den Gesamtzustand
der Republik ist also durch und durch geheuchelt. Wenn der
"Spiegel"-Mann den geistigen Untergang des deutschen Abendlandes
genüßlich bebildert, dann, weil er weiß, was er sich und seinem
Publikum schuldig ist: ein Sittenbild politischer Gefolgsamkeit
mit all ihren unerfreulichen Seiten bis in die letzten Winkel des
Familienlebens hinein - aber mit der demonstrativ zerfurchten
Stirn intellektueller Zweifel an Volk und Führer. Die
"Bildzeitung" vertritt sehr kongenial-kollegial denselben An-
spruch an und für i h r Publikum gegenwärtig mit der Fortset-
zungsserie: Gibt es noch glückliche Menschen in Deutschland? Was
Wunder, daß sie im angeblichen Sumpf der Unzufriedenheit welche
findet, an denen sie den lebendigen Beweis führt, daß es sich
jenseits aller Opfer lohnt, diesem Staat in d e s s e n
"schweren Zeiten" die Treue zu halten. Zufriedenheit mit dem po-
litisch schwer gemachten Leben fürs einfache Volk, Bedenken über
den Erfolg nationaler Lebenskultur fürs höhere Volk - das sind
die zwei zeit- und klassengemäßen journalistischen Inszenierungen
desselben dummdreisten Gedankens: Deutschland, Deutschland über
alles...
***
Durch Angst und Hoffnung gestärkt in die Zukunft
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Für die Psycho-Illustrierte "psychologie heute" bietet das Thema
"Die Angst der Deutschen" natürlich ein gefundenes Fressen. Zu-
letzt inspirierte sie die Frage:
"Woran orientieren wit unser Handeln, zwischen Angst und Hoff-
nung, zwischen dem Wissen um Vergeblichkeit und Nicht-Machbarkeit
und dem Gefühl einer Verantwortung gegenüber denen, die nach uns
kommen?"
zu einer Umfrage unter neun hervorragenden Personen des öffentli-
chen Lebens:
"Personen, die selbst Verantwortung übernommen haben oder
'Seismographen' der gesellschaftlichen Befindlichkeit sind."
Diesen gab sie durch sechs Fragen Gelegenheit, ihre Befindlich-
keit auf die nationale und globale "Lage" hin zu definieren. Daß
dieses Unterfangen gar nicht "vergeblich" blieb, vermögen schon
zwei der Fragen (nebst Antworten) hinlänglich zu dokumentieren.
Auf die Frage 1:
"Mit welchen Gedanken und Gefühlen blicken Sie in die Zukunft?
Sind Ihre Erwartungen eher von Angst oder von Hoffnung bestimmt?"
ergab sich zunächst folgendes Zwischenergebnis: 5 1/2 : 3 1/2 für
Hoffnung gegen Angst. (Dieses kommt dadurch zustande, daß Alice
Schwarzer für beides votierte: "Ich blicke mit gemischten Gefüh-
len in die Zukunft".) Eine gewisse Klarheit erhält dieses auf den
ersten Blick zwiespältige Bild dadurch, daß die Voten immerhin
zwischen den "Verantwortlichen" (Unternehmer, Politiker) und den
"Seismographen" (Wissenschaftler, Schriftsteller ) eindeutig ver-
teilt sind: "Verantwortliche" pro "Hoffnung"; "Seismographen"
eher für "Angst".
Endgültige Klarheit ergibt sich jedoch schließlich aus Frage 6.
Schon auf den ersten Teil dieser Frage:
"Haben sie das Gefühl, für die gegenwärtige Lage der Gesellschaft
mitverantwortlich zu sein?"
erkannten bereits acht der neun Befragten auf "mitverantwort-
lich". (Der Psychoanalytiker Parin entzog sich der Verantwortung;
er lebt in der Schweiz.) Die zweite Teilfrage:
"Welchen Beitrag glauben Sie selbst für die Zukunft dieser Ge-
sellschaft noch leisten zu können?"
erbrachte folgende Antworten: Heinz Dürr, Elektro-Unternehmer:
"Als Unternehmer kann man einen wichtigen Beitrag für die Zu-
kunftsgestaltung leisten."
Ingeborg Drewitz, Schriftstellerin:
"Ich habe, seit ich erwachsen war, durch meine Schriftstellerar-
beit gegen eine neue Katastrophe noch unvorstellbaren Ausmaßes zu
sensibilisieren gehofft... Ich werde so weitermachen."
Paul Parin, Psychoanalytiker und Wahl-Schweizer:
"Für die Zukunft kann ich nur warnen und auf selbstgemachte Ge-
fahren hinweisen."
Alice Schwarzer, Emanzipatorin:
"Für mich gehört die Emanzipation der Frauen unlösbar zu den üb-
rigen Fragen, die unsere Zeit bewegen."
Helmuth Buddenberg, Benzin-Unternehmer:
"Für die Zukunft glaube ich der Gemeinschaft dann den größten
Dienst erweisen zu können, wenn es mir gelingt, mein Unternehmen
auf die veränderten Umweltbedingungen hin umzustrukturieren."
Dorothee Sölle, Theologin und Schriftstellerin:
"...habe ich mich entschlossen, den Rest meines Lebens durch
Schreiben und Reden, Lehren und Handeln für den Frieden zu arbei-
ten."
Wolf Graf von Baudissin, Friedensgeneral:
"Als Direktor des IFSH geht es mir vor allem um Anregung erhöhter
Rationalität in der Betrachtung sicherheitspolitischer Fragen..."
Hugo Brandt, SPD-Vorsitzender, Rheinland-Pfalz:
"Meine Aufgabe sehe ich darin, politisch deutlich erkennbare Pro-
bleme frühzeitig zur Diskussion zu stellen..."
Klaus Holzkamp, Psychologe:
"Psychologie als Subjektwissenschaft! (Ob das nun gerade das Ent-
scheidende ist, um die Katastrophe zu verhindern, kann man natür-
lich bezweifeln. Aber ich habe nichts anderes gelernt, und dies
ist das beste, was i c h zu bieten habe.)"
Wenn das kein überzeugendes Ergebnis ist: Alle neune! Alle sind
"mitverantwortlich" für die kommende "Katastrophe", und um die-
selbe zu verhindern, machen alle dasselbe wie bisher. Na wenn
alle so sind, wird sich die Verantwortung doch wohl auch gemein-
sam tragen lassen!
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