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"Spiegel"-Serie über den Niedergang der USA
EINE ÜBERRASCHENDE ENTDECKUNG:
DIE USA, EIN KAPITALISTISCHES LAND MIT KONKURRENTEN
In einem dreiteiligen Report "über den Niedergang der Vereinigten
Staaten" versorgte der "Spiegel" die deutsche Intelligenz mit
Hinweisen auf die zweifelhaft gewordene Weltmachtstellung der USA
und einer Deutung, wie es dazu kommen konnte.
Bei den Autoren herrscht die deutschnationale Hoffnung, daß das
"amerikanische Jahrhundert unerbittlich zu Ende" geht, was sie
natürlich als Kronzeugen einen Amerikaner selbst sagen lassen.
Die Überschrift des Reports "Irgend etwas ist schiefgelaufen"
enthält den Hinweis auf das durchgängige Erklärungsmuster für das
vom "Spiegel" verkündete Ende der USA als Weltmacht: die Amerika-
ner haben lauter Fehler gemacht, die ihnen selbst und nicht - wie
in früheren Amerika-Stories uns geschadet haben. Was haben die
Yankees nur falsch gemacht:
"Imperiale Überdehnung"
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Eine drohende schwere Rezession, die Bankenkrise, Haushaltspro-
bleme, die Überschuldung von Staat und Firmen und sinkende An-
teile am Weltmarkt werden aufgezählt und summa summarum als Zei-
chen "imperialer Überdehnung" gewertet:
"... das Weltreich Amerika kann nicht mehr bezahlen, was es un-
ternimmt, kann nicht mehr entwickeln, was für die Zukunft notwen-
dig wäre, kann nicht mehr produzieren, was es müßte." (Spiegel
Nr. 43/1990)
Von einem amerikanischen Staatsbankrott weiß auch der "Spiegel"
nichts; daß Importieren ein Fehler und Schwächezeichen wäre, will
er sicher auch nicht behaupten; und woher er die Notwendigkeiten
der Zukunft kennt, bleibt sein Geheimnis. Um so klarer die Bot-
schaft: Die USA hätten jetzt die Kacke, weil sie nicht darauf ge-
achtet hätten, ihre Weltmacht im Einvernehmen mit ihren ökonomi-
schen Potenzen zu betreiben. So als hätten sie aufs sträflichste
einen Grundsatz aus dem Lehrbuch 'Wie werde und bleibe ich eine
Weltmacht' vernachlässigt. Und zwar ausgerechnet die besonders
lächerliche Maxime: Lebe nie über deine Verhältnisse, wenn du die
Welt beherrschen willst. Diese Dummheit leuchtet jemandem ein,
der auf den Erfolgsweg der deutschen Nation fürchterlich stolz
ist, die sich unter dem Schutz des amerikanischen Weltpolizisten
einige Unkosten für ein gleichberechtigtes Mitherumwirtschaften
in der Welt sparen konnte. Sie zeugt von einer nationalen
Schadenfreude über Mißerfolge der bisher unbestrittenen Führungs-
macht, in der die Deutschen ab sofort nur noch den Konkurrenten
sehen wollen, und zwar am liebsten den schon längst unterlegenen.
Von diesem Standpunkt aus müssen die Deutschen ihren ameri-
kanischen Brüdern sagen, daß ihre ganze Weltmacht längst ein
Koloß auf tönernen Füßen ist: Sie entspräche nicht mehr den
ökonomischen Mitteln. (Die hat ja jetzt Deutschland.)
Wie ein solches Entsprechungsverhältnis zwischen militärisch-po-
litischer Macht und ökonomischer Grundlage auszusehen habe, wüßte
der "Spiegel" selber nicht zu sagen. Braucht er aber auch gar
nicht. Mit der Vorstellung eines unmöglichen Mißverhältnisses
läßt sich eine dreiteilige Story wunderbar durchstylen. Man kann
das einmal nach der Seite der Macht auflösen: Dann haben sich die
Amerikaner zuviel für ihre Verhältnisse vorgenommen - das heißt
dann "imperiale Überdehnung". In den USA mag es diese Auffassung
als pessimistische Minderheitsposition geben, den politischen Ge-
schmack von optimistischen Liebhabern des neuen, großen Deutsch-
land trifft sie total.
Man kann das Mißverhältnis aber auch nach der Seite der Mittel
deuten: Die Mittel, die für die Aufrechthaltung der Weltmacht USA
erforderlich wären, fehlen. Damit ist die Suche nach Gründen er-
öffnet, weshalb die Vereinigten Staaten nicht über die ökonomi-
schen Mittel verfügen, die sie eigentlich bräuchten. Während
diese Suche in den USA vornehmlich als Suche nach Schädigern des
amerikanischen Erfolgswegs im Ausland verläuft, sucht und findet
der deutsche Michel den Schuldigen bei den Amerikanern selbst und
rechnet ihnen das unmöglichste Zeug als Versäumnisse auf dem Feld
der eigenen Ökonomie und Gesellschaft vor.
"Die Militarisierung"
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"Vor allem 40 Jahre Militarisierung im Kalten Krieg haben Wirt-
schaft und Gesellschaft des Landes schwer verwundet." (43/1990)
Beweis:
"Für zivile Forschung und Entwicklung geben die USA, bezogen auf
die Bevölkerung, seit Jahren weit weniger aus als Japan und West-
europa."
Ein zuviel an Rüstung, an Militär habe die amerikanische Wirt-
schaft ökonomisch ins Hintertreffen geraten lassen. Hat man das
im "Spiegel" nicht einmal anders gelesen, nämlich so, daß die Rü-
stungsausgaben der amerikanischen Regierung ein einziges riesiges
Konjunkturprogramm wären? Reagan - ein Keynesianer wider Willen?
Genauso verkehrt, aber damals konjunkturgemäß.
Ob eine Nation die Kosten ihrer Rüstung verträgt, ob diese Kosten
das Geschäft beleben oder beeinträchtigen, hängt nämlich schon
ein bißchen davon ab, was die Wirtschaft ohne die Rüstung her-
gibt, was sie durch die Beziehungen zum Weltmarkt an Wachstum zu-
sammenverdient und wieviel die Rüstungswirtschaft dazu beisteu-
ert. Aber der "Spiegel" will weder über die ökonomische Eigenart
der Rüstung (faux frais) etwas mitteilen, noch darauf eingehen
wie aus diesen faux frais ein Problem oder ein Zusatzgeschäft
wird. Daß gesellschaftlicher Reichtum, der fürs Militär verwendet
wird Abzug von dem kapitalistisch verwendbaren akkumulationsfähi-
gen Reichtum darstellt daß deshalb das relative Ausmaß der Rü-
stung das Konkurrenzergebnis imperialistischer Staaten mitbe-
stimmt, ist in den Redaktionsräumen unbekannt. Die Verfasser des
Reports über den Niedergang der USA nehmen das passende Wort
"unproduktive Kosten" in den Mund, meinen damit aber einen
"mangelnden Nutzen von Militärinvestitionen für zivile Zwecke."
Sie fantasieren sich Wirkungen von zuviel Rüstung zusammen, die
jenseits der ökonomischen Wirkung der Rüstungsausgaben liegen, in
den Forscherhirnen. Die USA hätten, wenn sie z.B. nicht soviel
militärische F o r s c h u n g betrieben hätten, mehr für zi-
vile F o r s c h u n g ausgeben können. Dann hätten sie viel-
leicht soviel wie die Konkurrenten Westeuropa und Japan dafür
ausgeben können. Da sie aber (pro Kopf der Bevölkerung) weniger
dafür ausgegeben haben, ist die militärische Forschung der USA
daran schuld, daß die zivilen Forschungsausgaben der USA geringer
sind als die der Konkurrenten. Vor lauter Eifer, den USA ihre Re-
zession als gerechte Strafe für einen enorm unwirtschaftlichen
Umgang mit ihren Potenzen hinzurotzen, versteigt sich das Blatt
der deutschen Intelligenz zur Propagierung absurder Wachtumstheo-
rien. "Innovationen", die Leistungen der besten Köpfe der Nation,
gehören in die zivile Wirtschaft, Erfindungen auf diesem Gebiet
treiben das Wachstum an, auf das Militärische verschwendet bewir-
ken sie Rück- stand. Das sieht man dann:
"Die Folge: Techniker und Wissenschaftler in Japan und Europa
sind klarer auf ökonomische Aufgaben gedrillt und arbeiten pro-
duktiver." (ibd.)
Woraus zum Teufel soll sich diese Folge ergeben? Wenn man kurzer-
hand die Techniker und Ingenieure zu den Urhebern der Konkurren-
zerfolge und Konkurrenzniederlagen der USA erklärt, dann beweisen
die Konkurrenzniederlagen, daß die Kollegen in Japan und Deutsch-
land "klarer auf ökonomische Aufgaben gedrillt" sind und
"produktiver arbeiten". Und dies liegt wieder an der Fehlleitung
von Begabungen in militärische statt in zivile Forschung. Diesel-
ben Schreiber haben in Dutzenden ihrer Beiträge das Lied vom
Krieg als Vater aller Dinge gesungen, und den zivilen Segen mili-
tärischer Erfindungen beschworen und dafür sogar das
(amerikanische!) Wort "spin-off" ins "Spiegel"-Deutsch einge-
bracht. Weshalb sie es jetzt für notwendig erachten, an brauchba-
ren Nebeneffekten militärischer Forschungen und Investitionen
ausdrücklich Zweifel anzumelden und es als "Minderheitsmeinung
einiger weniger Experten" hinzustellen.
"Unvermögen", die eigenen Patente zu nutzen
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Die Schilderung verlorener Marktanteile der US-Industrie auf den
Feldern Automobile, Flugzeuge, Computer und Fernseher stimmt den
"Spiegel"-Leser darauf ein, den Amerikanern anhand der interna-
tionalen Patent- und Lizenzbilanz einen weiteren Fehler vorzu-
rechnen. Sie hatten alles an know-how, bloß nicht das, es auszu-
nutzen:
"Japaner und Europäer wiederholen, was zu Beginn der Industrie-
zeit die Briten und bis nach dem Zweiten Weltkrieg die Amerikaner
selbst meisterhaft verstanden haben: Erfindungen ausländischer
Wissenschaftler als Grundlage neuer Massenmärkte zu nutzen".
"Das Unvermögen, eigene Produkte erfolgreich weiterzuentwickeln,
hatte Amerika schon vorher die Foto, Audio- und Videoelektronik-
produktion gekostet." (43/1990)
Hatte nicht der "Spiegel" erst im letzten Jahr vorgerechnet, wie
wenige Patente in Europa, in Deutschland, angemeldet würden, und
die Tatsache des umfangreichen Erwerbs von Patenten aus den USA
als untrügerisches Indiz der "Eurosklerose" gewertet? So würde es
mit Europa bergab gehen. Jetzt, wo es den Niedergang der USA aus-
zupinseln gilt, wird der Verkauf von Patenten aus den Vereinigten
Staaten zum Indiz des Gegenteils, zum Zeichen des Niedergangs
Amerikas.
Wenn der Erwerb von Patenten das eine Mal für den Erwerber, das
andere Mal gegen ihn, der Verkauf von Patenten ebenso das eine
Mal für den Veräußerer, das andere Mal gegen denselben spricht,
dann sprechen Erwerb und Veräußerung von Patenten für nichts. Al-
lemal entlockt die Absicht die Botschaft.
Und die Absicht des "Spiegel" geht nun einmal dahin, die USA als
Versager hinzustellen. Und zwar schon wieder auf dem Gebiet der
geistigen Konkurrenz, in die sich der Kampf mit Produktionsprei-
sen und Marktpreisen allemal auflöst, für den "Spiegel". Wenn er
bei Gelegenheit wieder einmal japanische Geschäftserfolge be-
klagt, fällt ihm sicher wieder Dumping, die Ausbeutung zarter
Philippinen und die unanständige Arbeitswut gewisser Schlitzaugen
ein. Übrigbleibt bei dieser Betrachtung über die Konkurrenznation
die abschätzige Bemerkung, daß sie eben ein Verlierer sei. Ihren
mangelnden Erfolg hätten die amerikanischen Kapitalisten ihrem
Land letztlich durch eine falsche Erfolgsmoral eingebrockt:
Raffendes statt schaffendes Kapital
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"Spiegel"-Schreiber sind Künstler darin, quantitative Beziehungen
zwischen inkommensurablen Dingen aufzumachen.
"Der Aktienkurs wird mehr gepflegt als die Basisinvestitionen
oder gar der Marktanteil." (43/1990)
Endlich einmal jemand, der das passende Verhältnis zwischen den
Geschäften an der Börse und soliden Investitionen in ebenso so-
lide Marktanteile kennt! Der weiß, wann ein Aktienkurs kein
Schwindel ist, sondern eine gerechte Gewinnerwartung ausdrückt,
wann Geld in die Industrie zu fließen hat, statt an die Börse!
Leider wird das gesunde Verhältnis nicht verraten, so daß man nur
erfährt, daß es nicht mehr vorhanden ist, weil die Amerikaner es
kaputt gemacht haben. Und zwar mit ihrem schlechten Charakter:
"Produktivität ist weniger gefragt als Profit, Lohndrückerei mehr
als Massenkaufkraft".
In der Vorstellungswelt des "Spiegel"-Journalisten ist alles noch
in Ordnung: Die Produktivität der Arbeit ist kein Mittel des Pro-
fits, sondern sein lohnendes Gegenteil; Lohndrückerei ist kein
Mittel für den profitablen Verkauf von Waren, sondern eine
falsche Verkaufsstrategie. Oder anders ausgedrückt: Amerikas Ge-
schäftswelt hat es nicht verstanden, genügend Geld zu verteilen,
um es klotzig zu verdienen. Bei Gelegenheit der nächsten Ta-
rifrunde wird dem "Spiegel" schon wieder einfallen, daß die Sache
mit der Massenkaufkraft eine gewerkschaftliche Lüge ist und die
deutschen Löhne im Vergleich zu den amerikanischen viel zu hoch
sind. Das haltlose Geschwätz des "Spiegel" handelt aber gar nicht
von dem Verhältnis zwischen Produktivität, Profit, Lohndrückerei
und Massenkaufkraft, sondern nur von Amerika. Und davon, daß die
amerikanische Ökonomie ihren Mißerfolg verdient hat:
"Finanzabenteuer, Schuldenmentalität und der Run auf das schnelle
Geld brachten Amerikas Industrie auf die Bremsspur." (43/1990)
Während die Deutschen mit soliden, schuldenfreien Laubsägearbei-
ten die Überholspur besetzt halten, oder wie?!
"Die Großverdiener der achtziger Jahre waren Finanzhaie vom
Schlage eines Michael Milken - sie bewegten viel und schufen
nichts." (44/1990)
Wohingegen Flick und Edzard Reuter eigenhändig Autos und Panzer-
fabriken schaffen, oder was?!
Daß der "Run auf das schnelle Geld" eine Spezialität der USA des
ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert ist, zählt zu den Märchen.
Mit Eigentumstiteln wie Aktien läßt sich eben per Kauf und Ver-
kauf (= schnell) überall ein Geschäft machen, wenn der Aktien-
markt von der Spekulation dafür präpariert ist. Wenn nicht, dann
nicht. Daß das produktive Kapital auch für den Gewinn des Geldka-
pitals geradezustehen hat, ist auch keine Besonderheit der USA.
Daß die Agenten des Geld- und Aktienkapitals in den Blick gera-
ten, wenn es einen ökonomischen Mißerfolg einer kapitalistischen
Nation zu deuten gilt, hat Tradition. Bei dieser Spezies Mensch
will man entdeckt haben, daß es ihr b l o ß ums Geld geht, als
wäre das nicht der Zweck der ganzen Produktionsweise und als hät-
ten sich nicht auch die produktiven Kapitalisten mit Haut und
Haaren diesem Zweck verschrieben. Es ist so, als hätten die re-
spektvoll staunend beschriebenen buyout-Geschichten, die genüßli-
che Schilderung von Finanzkunststückchen die Schreiber eingeholt,
so daß sie die USA zu einem Land des raffenden statt des schaf-
fenden Kapitals stilisieren. Ein Sittenbild einer verkommenen,
dekadenten amerikanischen Kapitalistenklasse des ausgehenden
Jahrtausends wird gezeichnet, die die amerikanische Welt-
machtrolle verspielt, während wir, vor allem unsere "schaffenden"
Kapitalisten, alles richtig machen.
Neues imperialistisches Selbstbewußtsein Deutschlands
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Diese Selbstzufriedenheit mit dem Erfolg der eigenen Nation ist
an die Stelle des Ärgers getreten, der die "Spiegel"-Kommentare
noch vor ein paar Jahren beherrschte:
"Europa verliert durch die grapschigen Amerikaner Kapital, das
auf dem alten Kontinent besser dazu verwendet würde, den Rück-
stand in Zukunftsbranchen wie der Mikroelektronik gerade auch ge-
genüber den Amerikanern aufzuholen." (9/1985)
Da sind die Amis zum einen vorgekommen als welche, die Fehler zu
unseren Lasten machen, zum anderen als eine Nation, an der nie-
mand vorbeikommt - nach dem Motto: Wenn Amerika hustet, holt sich
die ganze Welt den Schnupfen. Vor 3 Jahren noch kommentierte der
"Spiegel" die Dollarbewegung folgendermaßen:
"Wenn Amerika Fremdgeld ins Land holen will, um sein Haushaltsde-
fizit zu finanzieren, läßt es den Dollar steigen. Wenn Amerika
seine Außenhandelsbilanz in Ordnung bringen will, läßt es den
Dollar gegenüber den Hauptexportwährungen Yen und Mark runtersau-
sen. Lust und Laune Amerikas spielen Schicksal in allen Teilen
der Welt, en gros und en detail. Denn Potenz, Beweglichkeit und
politische Stärke der Vereinigten Staaten haben die Dollarwährung
zu einer Vielzweckwaffe verwandelt, mit der keine andere Währung
der Welt mehr zu vergleichen ist."
Und:
"Der Dollar könnte... ein weiteres Mal die Achterbahn besteigen.
Und wieder wird der Rest der Welt folgen müssen. Denn nichts
führt daran vorbei, daß hinter der US-Valuta
- das bevölkerungsreichste Land des industrialisierten Westens,
- der größte Binnenmarkt der Welt,
- die größte Militärmaschine aller Zeiten, auf die sich Europa
wie Japan angewiesen sehen, und
- ein Volk mit einem fast erotischen Verhältnis zum Geld steht."
(4/87)
Alles, was der "Spiegel" damals für die USA sprechen ließ, ist
mit einem Schlag für bedeutungslos erklärt. Sind die USA nicht
mehr das bevölkerungsreichste Land des industrialisierten We-
stens, zählen sie vielleicht schon nicht mehr zum industriali-
sierten Westen: Ist der amerikanische Markt nicht mehr der größte
Binnenmarkt: Haben sie vielleicht nicht mehr die größte Militär-
maschine aller Zeiten: Und das erotische Verhältnis zum Geld: Ge-
stern noch als Garant für den Erfolg unter den kapitalistischen
Nationen gehandelt ist heute Beleg für den Niedergang der USA!
Der "Spiegel" hat entdeckt, daß Deutschland 1990 Konkurrent der
USA sein will, und zwar ein überlegener. Im Zeichen dieses
Selbstbewußtseins erstellt er ein Gutachten über den Versager auf
der anderen Seite des Atlantik, der ganz zu Unrecht noch immer
die Führungsmacht markiert. Zum Beleg stöbert er voller Verach-
tung immer wieder die Tatsache auf, daß es sich bei den USA um
ein kapitalistisches Land handelt, bei seinen Geschäftsleuten um
Kapitalisten, bei seinen Lohnarbeitern um ein Proletariat. Die
deutschnationalen Vorzeichen machen aus diesem Befund einen Skan-
dal: Amerika erlaubt sich zuviel. Ein ziemlich birnenmäßiger Op-
timismus des "Spiegel".
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