Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN SPIEGEL - Nationaler Geist feiert Macht
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Wochenschau
VOM "SPIEGEL" AUFGEDECKTE SKANDALE
verdankten sich auch früher schon, als dieses "Deutsche Nachrich-
tenmagazin" noch Sprachrohr der Opposition gegen die Bonner Re-
gierung war und nicht das interne Zirkular distanzierter Freunde
des Sozialliberalismus, der gleichen Machart wie die
"Enthüllungen" über die "Neue Heimat": Einer Persönlichkeit des
öffentlichen Lebens wird der Mißbrauch von Macht und Einfluß vor-
gehalten. Insofern war die Kampagne gegen Franz Josef Strauß mit-
tels Fibag und Onkel Aloys nichts anderes als der Angriff auf Al-
bert Vietor, brisanter lediglich durch die Position des Inkrimi-
nierten. Bediente sich früher allerdings ein p o l i t i-
s c h e r Dissens des Mittels einer E n t l a r v u n g der
P e r s o n, wobei es damals schon für die Mattheit einer
Opposition sprach, die den Architekten der Bundeswehr
ausgerechnet über ein paar nebenher verdiente Mark stolpern
lassen wollte, so ist weder an den "Spiegel"-Stories über die
Parteienfinanzerung, noch an den akribischen Recherchen der die
Geschäfte des Herrn Vietor auch nur die Spur einer kritischen
Absicht an Parteien bzw. dem DGB zu entdecken. Den
Parteischatzmeistern wird eine gewisse Tolpatschigkeit beim Geld-
eintreiben genüßlich vorgehalten, weil sie es versäumt haben,
sich die passenden gesetzlichen Grundlagen rechtzeitig zu schaf-
fen und jetzt die nachträgliche juristische Heilung notgedrungen
plump ausfallen wird. Die Vietor-"Titelgeschichte" lebt aus-
schließlich von der Konfrontation eines persönlichen Erfolgs, der
im übrigen legal zustandekam, mit einer Ideologie, an die niemand
geglaubt hat:
"Denn wer Tag für Tag mit Immobilien zu tun hat, der weiß, wo es
Grundstücke günstig gibt und wo das Bauen lohnt... mit dem hohen
Anspruch, den Vietor und seine Kollegen als Lenker eines gemein-
nützigen Unternehmens zu vertreten haben, sind sie (die Privatge-
schäfte) nicht vereinbar." (Spiegel Nr. 6/1982)
Daß die Gewerkschaft als Unternehmer Geschäfte macht, dies zählt
ebenso zu den bundesrepublikanischen Selbstverständlichkeiten,
wie der in allen Städten der Republik zu besichtigende Sachver-
halt, daß die Bauten der "Neuen Heimat" den romantischen Heimat-
begriff sachgerecht entmystifizieren: ein Dach überm Kopf für
teures Geld. Davon jedoch nichts in der "Spiegel"-Story, statt-
dessen die hämische Genugtuung darüber, daß auch und gerade Ge-
werkschafter gerne ein "standesgemäßes Vermögen" anhäufen, wenn
sie nur können. Daß der Reichtum der Gewerkschaft zur Armut ihrer
Mitglieder ebenso paßt, wie die Machenschaften des Herrn Vietor
zu den Sprüchen seines Aufsichtsratsvorsitzenden Heinz-Oskar
Vetter, daß sich eine Gewerkschaft, die in ihrer Politik das Wohl
der Wirtschaft dem der Arbeiter als Maßgabe vorsetzt, in ihren
eigenen Unternehmen natürlich ebenso verfährt - dieser wirkliche
Skandal, der als DGB eine Hauptstütze von Demokratie und Markt-
wirtschaft, also von erfolgreicher Ausbeutung und Herrschaft
i s t, alles das wird im "Spiegel"-Skandal gerade zugedeckt.
P.S. An der öffentlichen Kommentierung fällt auf, daß die Gewerk-
schaft ihr wieder einmal einen Gefallen getan hat, das Bild, das
sie sich vom Arbeiterfunktionär macht, zu bestätigen. Während
Geld im allgemeinen nicht stinkt und der private Wohlstand bei
denen, denen er zusteht, Managern und Besitzern des großen Kapi-
tals, als zur Schau gestelltes Attribut des E r f o l g s Aner-
kennung genießt, ist das Bankkonto des gewerkschaftlichen Unter-
nehmers Vietor anrüchige Reichtumsanhäufung, die Beleg dafür sein
soll, daß Macht und Geld korrumpieren. So läßt sich der DGB aus-
gerechnet da packen, wo er selbst am meisten Imagepflege be-
treibt: bei seiner moralischen Integrität als Sprecher der arbei-
tenden Menschen. Entsprechend seine saubermännische Reaktion: so-
fortige Beurlaubung Vietors und seiner Kollegen bis zur
"endgültigen Klärung aller Vorwürfe". Am Ende wird dann mit
neuen, "integren" Figuren das G e s c h ä f t "Neue Heimat"
weitergehen: Grundstücksspekulation, Altbausanierung und steuer-
begünstigter Sozialwohnungsbau gemeinnützig und gewerkschaftlich.
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