Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN PRESSE - Von der westlichen Presse
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Daimlers Pressesprecher Kleinert debattiert
mit der Hohenheimer Studentenschaft:
LEGALE WAFFEN SIND AUCH MORALISCH LEGITIM
"In der Höhle des Löwen" (Stuttgarter Zeitung) wurde der Pres-
sesprecher des größten Lieferanten der Bundeswehr (mit 67% des
deutschen Militäretats macht Daimler Umsatz) in verschiedenen Va-
rianten mit der Frage konfrontiert:
"Können Sie es moralisch und menschlich vertreten, daß mit von
Daimler Benz gelieferten Produkten eventuell Tausende von Men-
schen getötet werden?"
Der Industrievertreter, Rüstungsproduzent und -exporteur sollte
sich vor dieser radikalen Moral entlarven, sollte sich disquali-
fizieren als schlechter Mensch vor guten.
Damit hatte der Daimler-Vertreter kein Problem. Er bestritt kein
einziges der Fakten, an die er erinnert wurde und gab den Maßstab
bekannt, an dem sich - nicht nur für ihn, sondern nach der hier-
zulande g ü l t i g e n Auffassung - die Haltung zu Waffenpro-
duktion und -export auszurichten hat. Beides i s t legitim,
weil es von den richtigen Figuren auf das solideste Fundament ge-
stellt wird, das sich denken läßt, eine gesetzliche Grundlage:
"Wir, der Daimler Benz Konzern, bekennen uns zur BRD und zum Ver-
teidigungsauftrag: Die Regierung ist aus freien Wahlen hervorge-
gangen, hat politisch entschieden, der NATO beizutreten und der
UNO; auch um die eigene Freiheit zu sichern. ... Ich bekenne mich
zum Primat der Politik ... Und wenn ein frei gewähltes Parlament
den Auftrag zum Bau des Jäger 90 gibt, dann ist es nicht richtig,
wenn die Industrie angeklagt wird und die Politik sich zurück-
zieht."
Geht der K u n d e in Ordnung, so Kleinerts Argument, ist auch
die Frage der Moral entschieden. Nicht, daß er jemanden das Recht
bestreiten wolle, über Waffen und ihren Export eine schlechte
Meinung zu haben - als Privatmensch immer. Bei dieser Privatmei-
nung hat es aber zu bleiben - eine Kritik an der Industrie will
er dann nicht mehr haben, wenn das Parlament und der Kanzler der
Deutschen im Namen des Volkes ihre Entscheidung getroffen haben.
So ergänzen sich zwei Interessen aufs vortrefflichste: Die Ge-
schäftswelt verdient vom Katalysator bis zur Kanone an allem, was
einen Abnehmer findet. Das ist Marktwirtschaft. Und die Politik
sorgt mit allen militärischen Mitteln dafür, daß sich kein Staat,
dessen Ambitionen dabei zu kurz kommen, an der Ordnung vergreift,
die die Grundlage des weltweiten Geschäfts abgibt. Das ist Demo-
kratie. Dabei nach der Moral zu fragen, geht an der Sache vorbei.
Schließlich hat beides nichts miteinander zu tun.
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