Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN PRESSE - Von der westlichen Presse
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Wochenschau
KEINE SCHLAGZEILEN
machten letzte Woche folgende Meldungen aus dem Reich des Impe-
rialismus und seiner drei Welten:
Bangladesh: Abdus Sattar wird Nachfolger Zia ur-Rahmans - In ei-
nem Land, wo die Leute eh' wie die Fliegen sterben, weil's nichts
zu essen gibt und Seuchen plus Überschwemmungen scheinbar
"unabwendbare Naturkatastrophen sind", gehört es zum guten poli-
tischen Ton, daß bei Wahlen die Killer des vorletzten Präsidenten
die Leichenfledderer des letzten mit 70% besiegen und dabei aus
lauter Siegesfreude die Wahlorte außerhalb der Hauptstadt in
Flammen aufgehen. Einziges, aus der Presse erfahrbares Charakte-
ristikum Sattars: Er kränkelt. Reelle Chancen also, als erster
Präsident Bangladeshs eines "natürlichen" Todes zu sterben.
Israelis reißen wieder Häuser ab - zwecks Bestrafung der Eltern
für Versäumnisse bei der Erziehung: "Die Armee hatte dies damit
begründet, daß Kinder der dort lebenden Familien Molotow-Cock-
tails auf israelische Soldaten geworfen hätten." Bei den Nazis
verurteilte man sowas als Sippenhaftung. Aber die Juden in Israel
sind ja Überlebende des faschistischen VÖlkermordes und haben
daraus etwas gelernt.
Razzia nach Sprengstofflagern der IRA - Um "rund 250 Kilo Spreng-
stoff aufzuspüren" hat die britische Polizei eine "Suchaktion"
gestartet. Dabei sollen "allein in London 300 000 mögliche Ver-
stecke" heimgesucht werden, woran man die Überlegenheit der öf-
fentlichen über die terroristische Gewalt bemerken kann: Um 0,8gr
Sprengstoff zu finden überfallen die Bobbies 300 000 Wohnungen.
Schiffbruch an den Klippen der Politik - macht der "Boat-People"-
Transporter Cap Anamur, weil sich die Landesregierungen weigern,
weitere Vietnamesen im BRD-Paradies aufzunehmen. Man hat nämlich
zu unterscheiden gelernt, daß zwischen "Wirtschafts"flüchtlingen
und Trümmern aus "Liebe zur Freiheit" schwer zu unterscheiden
ist. Als "Beweis" für die "Unmenschlichkeit des Kommunismus" ha-
ben die Vietnamesen ihr Pflichtsoll längst übererfüllt. Was man
jetzt brauchte, wären z.B. Flüchtlinge aus Nicaragua, Libyen aber
in vernünftigen Quanten: Genug zum Herzeigen und echte Freiheits-
sucher, die man nach der "Befreiung" ihrer Heimat auch wieder zu-
rückschicken kann.
Streiks in Polen - werden mittlerweile an der Nachrichtenbörse
gehandelt wie die zu dieser Jahreszeit üblichen Meldungen von
Mißernten in der Sowjetunion: Belege für die "Instabilität" der
Verhältnisse im Lager des Hauptfeindes, die die sichersten Optio-
nen auf die Stabilität westlicher Einflußnahme garantieren. Die
Sowjetunion schärft mit den Unzulänglichkeiten ihrer Landwirt-
schaft die US-Weizenwaffe und die polnische Regierung ist mehr
denn je auf die Zusammenarbeit mit "Solidarität" und dem katholi-
schen Primas angewiesen. Die einen müssen Geschäfte mit dem Impe-
rialismus machen, und die anderen teilen ihre Macht mit denen,
die das Geschäft des Imperialismus besorgen, als wurden sie dafür
bezahlt.
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