Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN PRESSE - Von der westlichen Presse


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       Wochenschau
       

KEINE SCHLAGZEILEN

waren der Presse letzte Woche ein paar Randereignisse im Einzugs- bereich der Freien Welt wert, weil sie lediglich das Kleingeld darstellen beim Preis der Freiheit, über das nur notorische Knic- ker ein Wort verlieren: "Eta (militar) verstärkt Aktivitäten" - meldete die "FAZ" am 5. Juli in einem Artikel, in dem es dann um A k t i v i t ä t e n der spanischen Terrorpolizei Guardia Civil gegen mutmaßliche und vermeintliche Etarra geht. So schoß ein Gardist mit dem MP auf gefesselte Gefangene, weil ein "Reifen des Transporters" geplatzt war und er sich deshalb bedroht fühlte. Und in Almeria berufen sich die angeklagten Guardia Civiles auf Befehle ihrer Vorgesetz- ten, in deren strikter Befolgung sie drei junge Männer zu Tode gefoltert haben, die das Pech hatten, in Südspanien mit einem baskischen Kennzeichen am Auto herumzufahren. Warum aber auch sollte dies das "wachsende Vertrauen" in diese s p a n i s c h e Demokratie stören, nur weil sie vom Faschismus die Killertruppe übernommen hat und sie jetzt gegen ein aus unerfindlichen Gründen bockiges Völkchen an der Nordgrenze einsetzt? Immerhin ist Spa- nien jetzt NATO-Mitglied, der neue Pachtvertrag für die US-Stütz- punkte wurde am 4 Juli unter Dach und Fach gebracht und bei der Fußball-WM hat die Auswahl des spanischen Staates "unsere Jungs" ins Halbfinale bugsiert... "Fünf Bergarbeiter in Südafrika erschossen" - berichtete dpa am 6. Juli. Im folgenden erfährt man, daß es sich hierbei um Eigen- tümlichkeiten - südafrikanischer Tarifverhandlungen gehandelt ha- ben muß. O b w o h l die schwarzen Kumpels eine 11-12prozentige "Lohnerhöhung" erhalten, "demolierten Tausende von Schwarzen die Unterkünfte der Verwaltungsgebäude und Kneipen und setzten sie in Brand." Ohne das K r i e g s r e c h t einführen zu müssen, schoß die Polizei "zur Verteidigung in die Menge", und das Werk entließ "5.000 Schwarze". Am gleichen Tag meldete die Presse üb- rigens den Beschluß der US-Regierung, aus allen UNO-Projekten auszusteigen, an denen Ostblockstaaten beteiligt sind: Begrün- dung: Das Kriegsrecht in P o l e n. Der Vergleich ist jedoch abwegig. Selbst wenn die Schwarzen in der RSA polnisch lernen und sich eine "weiße Madonna" zulegen würden, brächte ihnen das nicht die gleiche S o l i d a r i t ä t ein, wie sie Solidarnosc ge- bührt. Da müßten schon die Faschisten in der RSA-Regierung die Aufnahme in den Warschauer Pakt beantragen... "Sihanouk in Kambodscha" - meldete Reuter am 7. Juli. Seine kö- nigliche Hoheit, Prinz Norodom Sihanouk, will persönlich die Gue- rillatruppen der Nationalen Befreiungsfront des Khmer-Volks in- spizieren". So heißen sie jetzt also, die ehemaligen Völkermörder der Khmer Rouge, seit sie die Richtigen massakrieren, und die Tränen des gechassten Prinzen über die "Leiden meines Volkes" sind seinen Plänen zum Wiedereinzug in Pnom Penh gewichen. Um- stritten ist nur noch die "Verteilung der Ministerposten" zwi- schen Sihanouk, Pol Pot und den Khmer-Serei-Banditen. Der in der gleichen Meldung berichtete "Teilabzug der vietnamesischen Trup- pen" ist angesichts des prinzlichen Einmarschs bereits ein erster Teilsieg: Ab sofort wird Völkermord in Kampuchea als Durchsetzung des Völkerrechts gehandelt. "Papst-Reise nach Polen ungewiß. Besuch in Österreich bestätigt." - Abschließend also wieder das Neueste von Wojtyla, der sich laut "FAZ" vom 8. Juli keineswegs "auf die Reise in sein Vaterland ka- prizieren" will. Gemeinsam mit dem in Rom weilenden polnischen Oberschamanen Glemp hat er nur ausgeheckt, daß die bloße Andro- hung des päpstlichen Besuchs zur "600-Jahr-Feier" des Götzenbil- des in Tschenstochau sich als "Prüfstein" gegen die polnische Re- gierung aufheben läßt, ob diese bereit ist, "dem Volk wieder er- trägliche Lebensbedingungen zu verschaffen." Die weltlichen Spe- zis des Pontifex in Washington sorgen inzwischen durch ihre Boy- kottmaßnahmen dafür, daß dieser Stein zu einer Prüfung wird, die Jaruzelski selbst dann nicht bestehen kann, wenn er es wollte. Sicher ist hingegen der Trip nach Wien, wo Johannes Paul II. des Tages gedenken will, an dem sich zum 300. Mal "die Befreiung der Stadt Wien von der Belagerung durch die Türken jährt". Warum kommt eigentlich im Vatikan niemand auf die Idee, einen Libanon- Besuch des Chefs nach der Ausrottung der Palästinenser als 1000- Jahr-Feier des ersten Kreuzzugs zu deklarieren? zurück