Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN PRESSE - Von der westlichen Presse


       zurück

       Wochenschau
       

KEINE SCHLAGZEILEN

machten letzte Woche Meldungen in der demokratischen Presse über Sachen, die mittlerweile in der freien Welt des Imperialismus normal sind und über ein Ereignis, das man als unnormal behandeln will. Die T ü r k e i erhält wieder finanzielle Hilfe - stand lapidar in der FAZ vom 22. November. Dies zu ratifizieren reichte ein Kurzbesuch Genschers, der insofern einen Fortschritt fürs abge- klärte Verhältnis demokratischer (Rechts-) Staatsmänner dar- stellt, als die berühmten Fragen nach den Menschenrechtsverlet- zungen in der Türkei bzw. nach den Eigentümlichkeiten der türki- chen Militärdemokratie gar nicht erst zur Sprache kamen. Statt- dessen handelte sich Genscher bei Evren freie Hand für den west- deutschen Umgang mit türkischen Arbeitsemigranten ein, der beim ideologischen Terminus vom "Gastarbeiter" die Anspielung auf an- heimelnde Gastlichkeit ganz fallen läßt und das A r b e i t e r material nun so exklusiv unters Kriterium der B r a u c h b a r k e i t sortiert, daß ein negatives Urteil in dieser Hinsicht selbst die Gast r e c h t e aufhebt: So will "Ankara nicht mehr auf der 1964 im Assoziierungsvertrag mit der EG festgelegte Freizügigkeitsregelung für türkische Staatsbürger beharren, die vom Jahre 1986 an wirksam werden sollte... Verein- bart wurde ferner, weiterhin darüber zu sprechen, wie die Zahl der türkischen Arbeitnehmer in der Bundesrepublik verringert wer- den könnte." Fazit des "erfolgreichen Kurzbesuchs": Evren erhält freie Hand beim Umgang mit den Türken in der Türkei, Genscher beim Verfahren mit Türken in der BRD zugesichert. "Wie schon im letzten Jahr" beschworen beide Seiten "auch diesmal wieder den Geist der ge- meinsamen Mitgliedschaft in der atlantischen Allianz". Ganz in diesem Geiste haben b e i d e Seiten tatsächlich g e h a n d e l t. C h i l e s F i n a n z m i n i s t e r in Bonn - meldete AP am 23. November und die alten Vorwürfe "erneuerte" diesmal nur noch Amnesty International. Otto Graf Lambsdorff und Gerhard Stolten- berg sprachen mit Rolf Lüders (Faschist, "Chicago-Boy" und deutschstämmig - was will man mehr?) Über "deutsche Investitionen in Chile". Als Demokraten und Freunde des Rechtsstaats entdeckten die deutschen Minister als erste Politiker nach Pinochet, daß die "neue chilenische Verfassung" volle Gewähr für das deutsche In- teresse an der Menschenrechtsfrage und am Demokratisierungspro- zeß" böte. Die "allein von Januar bis Juli dieses Jahres in Chile aus politischen Gründen verhafteten und gefolterten Häftlinge" müssen dem irgendwie im Wege gestanden haben. S c h ü s s e a u f E n t f ü h r e r - in gewaltsam umdiri- gierten Verkehrsmaschinen sind üblicherweise Erfolgsmeldungen im Kampf gegen die Luftpiraterie, wenn sie - wie geschehen - von amerikanischen, israelischen oder italienischen Sicherheitsbeam- ten abgefeuert und so die "Terroristen" unschädlich gemacht wer- den. Anders im Falle der Entführung eines polnischen Flugzeugs nach Berlin-Tempelhof. Wie die FAZ vom 24. November berichtete, besteht für die "Berliner Staatsanwaltschaft wegen der Schüsse auf den Flugzeugentführer der Verdacht auf versuchten Totschlag". Daß der polnische Polizist nicht verhaftet wurde, verdankt er der US-Besatzungsmacht, die den westberliner "Ermittlungsbehörden we- gen des Vorfalls keine Ermächtigung für eine Strafverfolgung... erteilten." Weil den USA anscheinend ihre internationalen Abma- chungen zur Amtshilfe bei Luftpiraterie wichtiger waren, bleibt der westberliner Justiz jetzt nur wieder übrig - wie schon in früheren Fällen - durch ein "mildes Urteil" für den Entführer ih- ren Beitrag zur "Solidarität mit dem polnischen Volke" zu lei- sten. zurück