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Bremer Hochschulzeitung Nr. 74, 09.05.1983
Wochenschau
KEINE SCHLAGZEILEN
machten letzte Woche ein paar Fortschritte bei der Einführung von
Frieden und Freiheit auf der ganzen Welt:
Terrorüberfall bei Phnom Penh. - Guerillas der "Roten Khmer" tö-
teten "nach Augenzeugenberichten 15 Menschen und verletzten mehr
als 30 schwer bei einem Überfall auf einen Markt am Rande der
kambodschanischen Hauptstadt" (Reuter vom 4. Mai). Gleichen Tages
forderte Bundeskanzler Helmut Kohl in seiner Regierungserklärung
den "Abzug aller vietnamesischen Truppen in Kambodscha" und be-
kräftigte die westliche Linie einer Wiederherstellung der
"Souveränität" Kampucheas durch die Unterstützung der Exilregie-
rung des ehemals als Völkermörder geführten Pol-Pot.
Angeblich Kompromiß über Truppenabzug. - will AP am 4. Mai aus
Beirut erfahren haben. Dieser "Kompromiß", den US-Außenminister
Schultz "bei seiner Pendelmission zwischen Libanon und Israel"
ausgehandelt haben soll, ist so dreist, daß er durchaus wahr-
scheinlich scheint. Israelische Truppen bleiben im Südlibanon -
aber nur in einer "Beraterfunktion"; der israelische Söldner Had-
dad macht seinen "Freien Libanon" zu -, soll aber "eine
z e n t r a l e R o l l e im Sündlibanon spielen. Fazit: die
völkerrechtliche Umdefinition der faktisch bereits vollzogenen
Annexion des Südlibanon durch Israel. "In den Verhandlungen zwi-
schen beiden Seiten wurde ein Punkt erreicht, an dem keine Seite
ein vorgeschlagenes Abkommen mehr ablehnen kann." Jetzt ist
Schultz nach Damaskus gejettet. Wahrscheinlich hat er auch den
Syrern als US-Pate im Nahen Osten ein Angebot gemacht, das sie
nicht ablehnen können...
USA verstärken Militärhilfe, so überschreibt der WESER-KURIER vom
5. Mai eine Meldung, wonach die Weltmacht Nr. 1 "ihre verdeckte
Militärhilfe für die regierungsfeindlichen Rebellen in Afghani-
stan verstärkt, damit die SU für ihre andauernde Besetzung des
Landes einen höheren Preis bezahlen muß."
Während die "verdeckte Militärhilfe" der SU in Mittelamerika da-
mit als Schlagzeilen-Skandal bewiesen ist, daß sich die USA
"genötigt" sehen, offen zuzuschlagen, gilt das wohlkalkulierte
Verheizen von afghanischen Bergbauern durch die USA als Selbst-
verständlichkeit. Die Dokumentation der Freiheitssehnsucht der
Rebellen, die keine äußere Bevormundung hinnehmen, durch Photos
von selbstgefeilten Gewehren hat ausgedient. Wer die Ehre be-
sitzt, von Reagan zum Freiheitskämpfer definiert zu werden und
sich als den Russen in den Weg gelegter Stein bewähren darf, hat
schließlich ein Recht darauf, beim Sterben durch westliche Einmi-
schung unterstützt zu werden, weil das das "unmenschliche" Ver-
halten der SU, sich den USA zu widersetzen, belegt.
Bonn und Madrid vereinbaren Konsultationen. - und zwar jährlich
drei, wie AP am 4. Mai aus Bonn berichtet. Dabei geht es u.a. um
folgendes: "Wie Gonzales sagte, erwägt seine Regierung eine enge
Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik bei der Bekämpfung des Ter-
rorismus in Spanien. "Demnächst also GSG 9 und Rasterfahnder des
BKA zur Unterstützung der Besatzungstruppen des spanischen Staa-
tes im Baskenland oder "Verhör"spezialisten der Guardia Civil als
Gäste in Stammheim?
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