Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN PRESSE - Von der westlichen Presse


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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 75, 16.05.1983
       
       Wochenschau
       

BERUFLICHES

Dem Regierungssprecher Diether Stolze, der als Ex-"Zeit"-Redak- teur der ersten Kohl-Regierung einen Hauch großbürgerlichen Selbstbewußtseins verleihen durfte, folgt nach gewonnener Wahl ein Mann ganz nach Kohls Herzen und Verstand: Der Springer-Mann Peter Boenisch ("Hans im Bild"), ein seit frühesten Volontärsta- gen graumelierter Auflagenspezialist, der den Stammtisch-Faschis- mus bis in die Chefredakteurskolumne der "Welt" hinein druckfähig machte. Dieser weltmännische Schreibtisch-Totschläger, auf dessen Konto das "Bild"-Motto "Seid nett zu einander" geht, wird künftig den Kohl in Bonn der Bundespressekonferenz servieren. Ein herber Verlust für den bürgerlichen Journalismus, aber die Politik konnte auf einen Mann mit soviel "Augenmaß und Tatkraft" (Kohl über Boenisch) unmöglich verzichten. Zum Ausgleich erhält die "Vierte Gewalt" eine Topcharge der ersten: Helmut Schmidt ist seit letzter Woche Mitherausgeber der "Zeit". Neben der mittler- weile schon ziemlich senilen Dönhoff Marion Gräfin wird er "Verlag und Redaktion beraten". Er will in "unregelmäßiger Regel- mäßigkeit" in dieser Wochenzeitung schreiben und die Beiträge "wie immer" selber redigieren. Immerhin eine menschliche Auffang- stellung für einen Mann, der seit seinem Amtsverlust ein lebendes Beispiel dafür liefert, was Marx "Charaktermaske" genannt hat. zurück