Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN PRESSE - Von der westlichen Presse
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Bremer Hochschulzeitung Nr. 99, 10.07.1984
Wochenschau
"SCHMIEREREIEN AN GEDENKSTÄTTEN
Vertriebene stellten Strafantrag
dpa. Mit dem sowjetischen Emblem Hammer und Sichel sind am Wo-
chenende auf dem Osterholzer Friedhof zehn Gedenksteine der dort
errichteten Gedenkstätte für die Opfer von Flucht und Vertreibung
beschmiert worden. Die Namen der ostdeutschen Provinzen und der
übrigen Verteidigungsgebiete (!) gebe wurden mit roter Farbe
durchgestrichen und durch 'Polska/UdSSR' ersetzt.
Der Bund der Vertriebenen, Landesverband Bremen, hat daraufhin
Strafantrag gestellt." (Weser-Kurier, 4.7.84)
Die "Versprecher" der Vorkriegspresse gewinnen zunehmend an Sy-
stematik. Während die SZ in der vergangenen Woche die BRD als
größten "NATO-Zahler" (statt: Netto-Zahler) der EG würdigte, ent-
hüllt der Weser-Kurier vom 4.7. unwillkürlich das politische Pro-
gramm, für das die BRD soviel Geld braucht: die "Vertreibungs-
gebiete" firmieren gleich als Teil der deutschen "Vertei-
digungsgebiete" jenseits von Oder und Neiße. Schon vor dem
militärischen Sieg beansprucht der Weser-Kurier-Schreiberling
deutsche Souveränität über den Osten. Mehr als ein Lapsus:
"Vertreibungsgebiete", wie es hätte heißen sollen, meint noch nie
etwas anderes als die bundesdeutsche Unzufriedenheit mit dem Er-
gebnis des 2. Weltkriegs, die in einen Unrechtszustand umdefi-
niert wird, an dessen Beseitigung NATO und Kohl seit über 30 Jah-
ren arbeiten.
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