Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN PRESSE - Von der westlichen Presse


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       Münchner Hochschulzeitung Nr. 8, 23.01.1985
       
       Teach In
       

WORIN DIE PARTEILICHKEIT DER DEMOKRATISCHEN PRESSE BESTEHT

"Gleichschaltung der Presse" ist für einen westlichen Journali- sten d a s Verbrechen an der Menschheit. Dabei könnten "totalitär gesteuerte Propagandisten" nur vor Neid erblassen, wenn sie sähen, wie einheitlich verantwortungsbewußte Meinungs- pflege in der Demokratie geht: 1 Was denn bitte, fällt westdeutschen Journalisten z.B. zum 40. Jahrestag der deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 ein? Eben nicht, daß es der Tag des a l l i i e r t e n Sieges über Deutschland ist, was doch wohl die "unabhängige" Wahrheit wäre. Stattdessen soll als e i n h e l l i g e Meinung gelten: Der 8. Mai - ein Tag der offenen Rechnung gegenüber der als Siegermacht nicht akzeptierten Sowjetunion. Da "drängt sieh (Olaf Ihlau von der 'Süddeutschen Zeitung') der Ein- druck auf, als schiebe Margret Thatcher die Empfindsamkeit des Bonner Kanzlers in dieser Frage nur vor, um nicht unbedingt mit dem sowjetischen Parteichef Tschernenko verflossene Siege feiern zu müssen." Für Rudolf Augstein vom 'Spiegel' ist "aber nur ein Teil von Europa befreit ... Ein nicht kleiner Teil wurde überhaupt nicht befreit, sondern nur einer neuen Schrec- kensherrschaft unterworfen ...". Und ein Korrespondent der 'Kölnischen Rundschau' ist so frei, sich gleich im Namen Gottes gegen Revanchismus als "Vorwurf" zu verwahren - "Gegen ein Land, dessen Repräsentanten sich an einem solchen Tag vor Gott beugen, kann schlecht der Vorwurf einer unbelehrbaren, gar revanchistischen Nation erhoben werden. Auch im atheistischen Osten nicht." - doch wohl, um ihn als gutes deutsches R e c h t zu beanspru- chen! 2 Ohne daß man sich in drei v e r s c h i e d e n e n Zeitungen informiert, ist "Objektivität" nicht zu haben, heißt das zweite Gerücht von Meinungsspezialisten. Ist es denn wirklich so, daß Zeitungsleser erst über einen Vergleich von SZ, Spiegel, Köl- nischer Rundschau etc. verstehen können, auf welche politische Sprachregelung es an diesem Tag/Woche/Monat ankommt? 3 Das dritte Gerücht, die Behauptung, daß das demokratische Presse- wesen "Kontrolle von Herrschaft" sei, kann also überhaupt nicht stimmen. Mit welchen Maßstäben da was welcher Kontrolle unter- liegt, wenn Journalisten und solche, die es werden wollen, sich verantwortlich um freies Meinen kümmern, - das ist eine der Fra- gen, die auf dem Teach-In geklärt werden sollen. zurück