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Dortmunder Hochschulzeitung Nr. 36, 31.01.1984
WAZ-Kommentar vom 28.1.84
Ihr Polizeidenker informiert:
GEPLANTE GEWALT
"Gegen 'Militarismus und Kriegsgefahr' soll sich dieser 'gewalt-
freie zivile Ungehorsam' richten, die Rede ist von der für Montag
geplanten Blockade des Kreiswehrersatzamtes. Verantwortlich für
die Aktion zeichnet das Dortmunder Friedensplenum.
Angesichts der Tatsache, daß die Konfrontation mit der Polizei
dabei bewußt in Kauf genommen wird, entlarvt sich der Anspruch,
gewaltfrei zivilen Ungehorsam demonstrieren zu wollen, als reine
Worthülse, als Indiz dafür, daß die Friedensbewegung in Dortmund
seit dem vergangenen Herbst den Kurs geändert hat.
Das belegen auch die Flugblätter im Vorfeld der für Montag ge-
planten Blockade. Kritisiert wird hier ausschließlich die Posi-
tion der NATO, Forderungen an die Adresse des Warschauer Paktes
sucht man vergeblich.
Die Frustration der zunächst erfolglosen Friedens-Initiativen mag
verständlich sein, aber sie rechtfertigt es nicht, nun selbst zu
Mitteln der Gewalt zu greifen. Ebenso bedenklich ist der Versuch,
die Erinnerung an den 30. Januar 1933 für eine Blockade des
Kreiswehrersatzamtes am 30. Januar 1984 zu mißbrauchen.
Wer behauptet, die Bundesrepublik sei auf dem Weg in den Faschis-
mus, muß sich im besten Fall geistige Verwirrung, im Wiederho-
lungsfall verbalen Terrorismus vorwerfen lassen. G. Schute"
Geplante Gewalt, liebe Mitbürger, erkennen Sie daran, daß sie
keine Uniformen trägt und sich gegen heilige demokratische Insti-
tutionen wie z.B. unser Kreiswehrersatzamt richtet. Manchmal ver-
kleidet sie sich mit einer Worthülse namens "gewaltfreier Unge-
horsam". Das nützt ihr aber nichts, da wir dieses Land so einge-
richtet haben, daß Ungehorsam nicht in die Tüte kommt und deshalb
Gewalt ist.
K e i n e Gewalt ist es also, wie Sie nun sicherlich kapiert ha-
ben, wenn staatlich bestellte Ordnungshüter streng nach Einsatz-
plan immer dort auf der Matte stehen, wo sich diese Elemente ri-
ihren, und am Montag mit 45 Verhaftungen dafür sorgen, daß das
Kreiswehrersatzamt ungestört prüfen kann, wer als deutscher Sol-
dat dafür tauglich ist, für den Staat in die Schlacht zu ziehen.
Überhaupt unverwechselbar mit der Kriegspolitik des Faschismus
ist es also - falls Sie noch richtig ticken, Untertan! -, wenn
unsere demokratische Regierung nun die besten Raketen gegen den
Osten anhäuft. Merke: Mustern, Drillen, Exerzieren, Schießen
üben, Schießen, Sterben fürs Vaterland ist gut für die Demokra-
tie!
Wer diesen einzig erlaubten Standpunkt im Wiederholungsfalle
stolz verkündet, bekommt im besten Falle einen Schreibtisch bei
der WAZ. Verbalen Terrorismus müssen sich unsere professionellen
Freiheitsschnuten selbstverständlich nicht vorwerfen lassen: sie
hetzen ja bloß für den totalen inneren Frieden mit den Raketen-
aufstellern!
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