Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN PRESSE - Von der westlichen Presse


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       Die bundesdeutsche Presse erklärt
       

NICARAGUA FREI ZUM ABSCHUSS!

Die Sandinisten haben die Kriegserklärung der USA verdient, so hallt es durch den bundesdeutschen Blätterwald. Ob man es wie BILD und FAZ kaum noch erwarten kann, bis Niaragua endgültig fer- tiggemacht wird, oder ob man wie SPIEGEL oder FR bei allen Be- denklichkeiten über die Methode jederzeit damit einverstanden ist - die Presse ist voll von vorweggenommenen Todesurteilen über den Staat der Sandinisten. Und auch die linke TAZ mag da nicht ab- seits stehen. Ihr zufolge haben die Sandinisten durch eigenes Verschulden "Sympathien verspielt". Bild ---- verfährt da streng nach dem Motto: 'Für die gewünschte Botschaft muß man sich einfach die Fakten schaffen!' "Seit dem Sturz des Diktators Somoza 1979 bauten sie (die Sandi- nisten) eine linksextreme Kaderpartei auf, die weder vor Folter noch vor Mord zurückschreckt. Und während 2,9 Millionen Nicara- guaner in ihrem 130.000 qm großen Land hungern, leben die neuen Comandantes in Saus und Braus." (BILD 10.11.84) Nur gut, daß die Bildzeitung dem Leser mit dem Stichwort "linksextreme Kaderpartei" eine Orientierunghilfe bietet. Sonst könnte man glatt auf die Idee kommen, hier solle mit dem Hinweis auf Mord und Folter "unser NATO-Partner" Türkei verunglimpft wer- den oder es solle gar einem Reagan sein letztes Festbankett wegen der Hungernden in Detroit vorgerechnet werden! Aber nein, es geht um ein feindliches Regime, das weggehört. Und das beweist doch wohl, d a ß dort gefoltert und unterdrückt wird, oder? Da muß die Regierung schließlich ein leibhaftiger Volksfeind sein, sonst könnte man das Zuschlagen des Westens ja nicht als Antwort auf die Sehnsucht des Volkes nach westlicher Befreiung verstehen. Die Frankfurter Allgemeine ---------------------- kriegt dieselbe Aufforderung zur Gewalt auch mit der genau entge- gengesetzten Lagebeurteilung hin. Das Schlimme am Sandinisnius ist, daß er glatt das Volk auf seiner Seite hat: "Die Wahl in Nicaragua konnte keine Überraschung bringen, nur be- stätigen, was Einsichtige längst wußten: Es ist gelungen, an ei- nem der heikelsten Punkte der Welt ein revolutionäres Regime zu etablieren, das sich zumindest eine gewisse p o p u l ä r e B a s i s geschaffen hat." (FAZ 6.11.84) Eine 80%ige Wahlbeteiligung mit 67% der abgegebenen Stimmen für die Sandinisten spricht in diesem Fall nicht für die Legitimität der nicaraguanischen Regierung, sondern dagegen. Da sind Demokra- ten sehr konsequent: Eine Mehrheit für eine mißliebige Regierung ist eine Mehrheit, die schief liegt und insofern schon wieder ein Beweis, wie dringend in Nicaragua aufgeräumt werden muß. Es wäre ja auch das erste Mal, daß sich eine westliche "Befreiungsaktion" vom Willen derer abhängig machen würde, die "befreit" werden sol- len! Im Zweifelsfall beweist schließlich jeder tote Nicaraguaner, daß er "lieber tot als rot" sein wollte wäre er denn sonst tot? Damit das Ganze auch ja keiner mißversteht, nochmal im Klartext: "Für die Amerikaner gibt es keine andere Wahl, als mit irgendei- nem Mittel zu verhindern, daß das Nachbarland zum Panamakanal zu einer sowjetischen Dependance wird." (FAZ 15.11.) Man erinnere sich kurz, wie verständnisvoll die FAZ dem russi- schen Einmarsch in Afghanistan gegenüberstand: 'Den Russen blieb einfach keine andere Wahl, als zu verhindern, daß ihr Nachbarland Afghanistan eine US-Dependance wird'!!! Der Spiegel ----------- macht den Sandinismus lieber "aus der Sicht der sandinistischen Revolution" fertig. Vor ihren eigenen Zielen sollen sich die Re- gierenden in Nicaragua hoffnungslos blamiert haben: "Die Revolutionswirtschaft im sechsten Jahr das ist Schlamperei, Desorganisation, Devisenmangel... Uniformierte Sandinisten, die sich mit US-Zigaretten oder Whisky eindecken, gehören zum Bild: Auch die Revolution hat bereitet eine neue Klasse... Das Land be- findet sich fünf Jahre nach der Revolution und dem Sturz Somozas am Rande des Zusammenbruchs. Zumal (!) der Krieg gegen die Contras im Lande und die ständige Angst vor einer Invasion ameri- kanischer Truppen die Wirtschaft und Politik des Landes lähmen." (SPIEGEL 29.10.84) Nichts klappt in ihrem Plan - wie der Spiegel als bekannter Fan einer funktionierenden sozialistischen Planwirtschaft bemängeln muß. Und rastloser Kämpfer für eine "klassenlose Gesellschaft", der der Spiegel nun mal ist, stört ihn an den Sandinisten natür- lich furchtbar, daß nie eine "neue Klasse" haben - eine Klasse von Rauchern! Dann trinken sie auch noch Whisky - welch schreien- der Widerspruch zum Revolutionsziel, den Schlächter Somoza abzu- schaffen! Daß Nicaragua mit Wirtschaftsboykott und Krieg systema- tisch ruiniert wird, spricht dem Spiegel zufolge also nicht gegen imperialistischen Macher. Nein, die schlechte Versorgungslage im Land ist den Betroffenen selbst anzulasten: Bei soviel Schlam- perei und Korruption ist es doch kein Wunder, daß das Land einem Krieg nicht standhält. Kann man so einem maroden Regime etwas an- deres wünschen als sein baldiges Ende? Bleibt nur noch die Sorte Hetze zu erwähnen, die sich gerne "kritische Solidarität" nennt, also die tageszeitung ---------------- und ihre Kritik an den Wahlen in Nicaragua: "Einer der schwerwiegendsten Fehler in diesem Wahlkampf stellt der Mangel an bürgerlichen Freiheiten dar... Ein weiterer Fehler, der dem Image der Wahlen schwer geschadet hat, ist die Fortfüh- rung der Pressezensur." (TAZ, 3.11.84) Wenn die TAZ sich bemüht, die Wahlen so darzustellen, daß ihrem Image auf jeden Fall geschadet wird, dann tut sie das - im Unter- schied zum Rest der Welt - natürlich nur, um Nicaragua zu h e l f e n. Ach, hätten die Sandinisten den Contras doch mehr Freiheiten gewährt, dann hätte die TAZ nicht in die allgemeine Verurteilung einstimmen müssen! Klar, das braucht ein Bauer in Nicaragua: Wenn ihm die Contras gerade sein Feld verwüstet und die Frau ermordet haben, dann muß er unbedingt das Recht genie- ßen, die Mörder hinterher mindestens einmal täglich als respek- table Opposition im Fernsehen bewundern zu dürfen! Anderenfalls fällt es einem TAZ'ler einfach schwer, etwas gegen den imperiali- stischen Krieg einzuwenden. Man sieht: auch das alternative Blatt der Nation versteht sich auf gleichgeschaltete Propaganda. Der national-oppositionelle Denksport geht eben auch sehr einfach. Es gilt den Anstand der Opfer genau zu überprüfen und nachzusehen, ob ein Staat, der sich den imperialistischen Abhängigkeiten ent- zieht, auch und gerade mitten im Krieg den imperialistischen Knigge einhält. zurück