Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN PRESSE - Von der westlichen Presse
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Bremer Hochschulzeitung Nr. 53, 04.05.1982
Wochenschau
KULTURNOTIZEN
Axel Springer, Verleger, wurde 70. Sein Lebenswerk, die Springer-
Presse, ist immer wieder einmal unter den Beschuß rebellischer
Studenten (die SDS-Kampagne "Enteignet Springer" mit ihrem Höhe-
punkt nach den Schüssen auf Rudi Dutschke) geraten, war Ziel-
scheibe von Angriffen durch die neidische Konkurrenz ("Der Spie-
gel") und Opfer von Enthüllungen radikaler Demokraten (Wallraf
alias Hein Esser). Rein i d e o l o g i s c h betrachtet, lau-
ter Kontroversen ohne Substanz in der Sache. Die 4 "essentials",
die Springer in seinen Redaktionen aufhängen ließ (1. Wiederver-
einigung in Frieden und Freiheit. 2. Aussöhnung zwischen Deut-
schen und Juden. 3. Ablehnung jeglicher Art von Totalitarismus
und 4. Bejahung der freien Marktwirtschaft), sind schließlich
k e i n Streitgegenstand in der demokratischen Presse dieses
Landes. Die Besonderheit des Springer-Journalismus liegt ledig-
lich in einer schnörkellosen Umstandslosigkeit, mit der die An-
nektion der DDR, die Verteidigung Israels bis Bagdad, der totale
Demokratismus und die Freiheit des Kapitals propagiert wird.
Selbst bezüglich der "niederen" Abteilung der Springerschen Pres-
sewelt, bei der "Bildzeitung", liegt eine maßlose Überschätzung
gedruckten Papiers vor, wenn man bestimmte Standpunkte ihrer Le-
ser auf die Verführungskunst (= Manipulation) des Blattes zurück-
führt. Springer behält hier gegen seine Kritiker allemal recht,
wenn er auf das täglich stattfindende Plebiszit am Zeitungsstand
verweist. Daß die "Bildzeitung" Erfolg hat, ist halt ein Fehler
ihrer Käufer, was keinesfalls heißt, daß die Leser der Süddeut-
schen Rundschau bzw. der Frankfurter Zeitung um einen Deut rich-
tiger lägen. Der ins "Bild" gesetzte Faschismus korrespondiert
mit parallelen Neigungen und Lösungsvorschlägen des deutschen
Stammtischs. Nur insofern diese noch in Millionenauflage bestä-
tigt werden, durfte sich Josef Bachmann einbilden, er exekutiere
an Dutschke ein Volksurteil. Der Aufruhr vor den Auslieferungs-
häusern der "Bildzeitung" lag nicht daneben, wenngleich er nicht,
wie die Beteiligten wähnten, den Grund der Gewalt benannte, son-
dern eben nur ihren respektablen Komplizen. Heute ist die Sprin-
ger-Presse, ohne daß sie sich geändert hätte, ziemlich "normal"
geworden, weil die aktuelle Frontlinie in Sachen Verteidigung der
Freiheit die demokratische Presse ganz freiwillig zur Frontbe-
richterstattung gleichgeschaltet hat."
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