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Der Bonner "General-Anzeiger"
KANZLER HAU AB - NACH DRÜBEN!
Die aufschlußreichste Arschkriecherei im Anschluß an die Maifeier
in Duisburg entnehmen wir der unabhängigen Tageszeitung "General-
Anzeiger": Kaum "ärgert sich Bundeskanzler Schmidt über Krawall-
macher, die seine Rede mit Pfiffen und kleinen Sirenen störten",
schon kocht auch dem Journalisten die Galle über (ganz so, als
wäre e r ausgepfiffen worden); kaum bemüht der oberste Herr
dieses Staates das Bild von den "nicht geduldeten Störern in Ost-
europa", schon fühlt sein Hofberichterstatter sich berufen, es
geifernd weiterzudenken. Doch was hier zum L o b unseres demo-
kratischen Staates aufmarschiert, spricht eher für realsoziali-
stische und faschistische Herrschaftstechniken:
1. Wenn der Vorteil dieses freien Landes tatsächlich darin liegen
soll, daß man hier nach Herzenslust seinen Unmut äußern darf -
dann ist es doch völlig unverständlich, warum Schmidt verärgert
ist und der "General-Anzeiger" "nachdenklich in die DDR" blickt.
F r e u e n müßten sie sich, es den Volksunterdrückern drüben
mal wieder gezeigt haben, daß Maifeiern in Freiheit zum Stören da
sind. Stattdessen nicht als neidisches Schielen auf die
"Aufmärsche, wie Ost-Berlin sie bietet" und leises Bedauern, "den
Stolz der Bürger auf die Errungenschaften Staates nicht komman-
dieren zu können". Dabei war der gewerkschaftlich organisierte
Stolz auf die Arbeit für die Nation so schön geplant gewesen, daß
Duisburg Ost-Berlin glatt in den Schatten gestellt hätte.
2. Doch nicht nur das Feinbild unserer Nation, das
"Unrechtsregime" jenseits des "Eisernen Vorhangs", scheint in
"gewisser" Hinsicht (der Gehorsam!) gar nicht so schlecht zu
sein, auch dem Faschismus werden seine guten Seiten bescheinigt.
"In bewußtem Kontrast zu Hitlers strapaziösen 'Tagen der Arbeit'
wurde der 1. Mai immer mehr zu einem Tag der Ansprüche und Forde-
rungen". Und so etwas ist bekanntlich sehr schädlich für Deutsch-
land, wie der alte Adolf schon vor unserem Schreiberling wußte.
Doch sollte der die Einheitsgewerkschaft DGB nicht unnötig damit
verärgern, sie wüßte nicht, welcher Dienst für die Nation von den
Arbeitern auch in der freien Gesellschaft verlangt ist. Wenn am
Ende des Artikels also sehr treffend festgestellt wird: "Seine
(Schmidts) Aufforderung an kommunistische Störer, nach Osteuropa
zu gehen, wird natürlich nicht befolgt werden", weil es hier na-
türlich genauso schön ist - dann liegt doch der Logik des Argu-
ments nach eine andere Konsequenz auf der Hand: Schmidt macht
rüber nach Ost-Berlin, wird Generalsekretär und die kommunisti-
schen Störer pfeiffen auf der Maifeier den neuen Bundeskanzler
Breschnew aus.
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