Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN PRESSE - Von der westlichen Presse
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Die Presse zur Hafenstraße:
ALLZEIT BEREIT
"In diesen Stunden (!) ist es wichtig, daran zu erinnern, daß
keine Gemeinschaft auf Dauer mit der Kriegserklärung durch eine
Minderheit leben kann. Diejenigen unter den Hafenstraßenbewoh-
nern, die für eine klare Rücknahme permanenter Drohungen waren
(und sind?) haben sich leider nicht durchsetzen können."
(Morgenpost)
Die Burschen von der Hafenstraße sind unbelehrbar, also der in-
nere Feind. Das beweist nichts schlagender als u n s e r e Ge-
sinnung, die sich von ihnen beleidigt fühlt. Unterm Strich bleibt
die wehrhafte Einheit der Gemeinsamkeit der Demokraten. Unterm
Strich bleibt die harte Botschaft, daß Friede ohne bürgerkriegs-
mäßig dimensionierten Einsatz der Gewalt gegen die zu Befrieden-
den nicht mehr zu haben ist. So lanciert, die Presse ihren
F r e i b r i e f für den G e b r a u c h staatlicher Gewalt,
der das von ihr selbst hergebetete "Gebot der Verhältnismäßigkeit
der Mittel" ausdrücklich außer Kraft setzen will.
Die Presse macht komplette Rollenaufteilung. Einerseits minutiöse
Auflistung jedes brennenden Reifens, jeder Barrikade und der
zugereisten Anzahl von Vermummten. Leute aus dem Freundeskreis
der Hafenstraße werden zitiert - für nichts anderes als dafür,
ihre Befürchtung der "größten Schlägerei der Nachkriegszeit" zum
Besten zu geben. Andererseits: "Noch immer Ringen um den Frieden.
V. Dohnanyi will die politische Lösung". Das Gemeinwesen Hamburg
- inzwischen hat sich gerechterweise die gesamte Nation
dazugeschaltet - ist zu reger Anteilnahme gefordert. Der letzte
Stammtischidiot entdeckt in sich das ursozialdemokratische Ge-
meinschaftsgefühl, daß Zuschlagen immer, am liebsten aber mit dem
allerallerbesten Gewissen erfolgt. S o l i d a r i t ä t ist
angesagt - als unbedingter Applaus an das Gemeinwesen:
"Aber (!) wenn es soweit kommt, und wenn es dabei Tote und Ver-
letzte gibt, dann soll die Polizei nicht auch noch obendrein zum
Sündenbock gestempelt werden." (SZ)
Hier wird schon im Vorfeld unverfroren der Kritik an der souverä-
nen Gewaltausübung das Maul gestopft. Hier wird eindeutig sor-
tiert, w e m als Opfer nicht mehr, und wem erst recht nach den
Frankfurter Schüssen Betroffenheit gebührt. Die Hafenstraße hat
sie verwirkt. Die demokratische Presse besitzt die Frechheit, das
Schaffen von Toten und Verletzten als leidige Drecksarbeit zu be-
sprechen. Sie beherrscht die totalitäre Ideologie, daß es am
Opfer selbst liegen muß, wenn es die Gewalt gegen sich nicht
überflüssig macht. Sie lanciert das Ideal einer gelungenen
Politik, die so maßlose Zustimmung für sich verbuchen kann, daß
dadurch die Polizei überflüssig wird.
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