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Marxistische Schulzeitung Bremen, 02.02.1984
FÜR SIE GELESEN...
"Elite für den Geheimdienst!
Das fordert Ex-Bundesrichter Hirsch (SPD)
Von ERNST LÜTCKE
Karlsruhe, 29. Januar "Unsere Geheimdienste sind zwar nicht ganz
so schlecht, wie sie immer gemacht werden. Aber sie könnten viel
besser sein."
Das sagte gestern der langjährige Bundesverfasgssungsrichter und
SPD-Politiker Martin Hirsch (71) im Gespräch mit BILD am SONNTAG.
Sein Vorschlag: "Wir müssen eine Elite junger Leute heranziehen,
für die Arbeit im Geheimdienst die Krönung ihrer Lebensaufgabe
ist!"
Nach Ansicht von Martin Hirsch, bis 1971 Fraktions-Vize der SPD
im Bundestag, bis 1981 Verfassungsrichter in Karlsruhe, ist das
Konzept unserer deutschen Geheimdienste von vornherein falsch an-
gelegt. Hirsch: "Das sind alles Beamte. Viele von ihnen, die es
beim Militär, in der Verwaltung, bei der Polizei zu nichts ge-
bracht haben, gegen deshalb zur Bundesnachrichtendienst, zum Ver-
fassungsschutz oder zum Militärischen Abschirmdienst."
Temperamentvoll erläuterte Hirsch seine Vorstellungen: "Wir brau-
chen für diese sensiblen Einrichtungen nach englischem Vorbild
hochbezahlte Angestellte mit täglicher Kündigungsfrist. Wer Mist
macht, wird gefeuert. Nur wenn es die Elite aus unseren Universi-
täten es als erstrebenswert angeht, im Geheimdienst erfolgreich
zu arbeiten, dann können Pannen wie im fall Kießling und anderswo
vermeiden werden.
Hirsch: "Ich verstehe einfach nicht, warum es in Deutschland als
anrüchig gilt, beim Geheimdienst zu arbeiten. Was haben wir da
nur für Vorurteile? Wenn es um den Schutz und die Sicherheit un-
serer demokratischen Gemeinschaft geht, gibt es doch gar nichts
Erstrebenswertes!" (Bild am Sonntag, 29.1.84)
So urteilt der oberste Verfassungsrichter der Friedensbewegung,
der im letzten Semester noch einen Lehrauftrag an der Bremer Uni
hatte. Inkonsequent ist das nicht. Wer Raketen für einen
V e r s t o ß gegen deutsch-nationale Interessen hält, der will
eben umgekehrt nur eins: das B e s t e für die Nation. Also,
akademische Elite ab an die militärische Schnüffelfront.
Kampf zweier Linien mitten in der "Frankfurter Allgemeinen"?
***
Die "FAZ" vom 25. Januar gibt auf Seite 1 groß aufgemacht Präsi-
dent Reagans Anwürfe gegen die Sowjetunion wieder, darunter auch
- als "gesicherte" Vertragsverletzung des Feindes - die angebli-
che Verwendung biologischer und chemischer Kampfstoffe ("gelber
Regen") in Laos, Kambodscha und Afghanistan. Die Wissenschafts-
seite derselben Ausgabe eröffnet mit einem Artikel über den wis-
senschaftlich ziemlich gesicherten Befund, "daß es sich beim
'gelben Regen', den die Sowjetunion nach Angaben des amerikani-
schen Geheimdienstes in Südostasien als biologischen Kampfstoff
verwendet haben soll, um ein natürliches Phänomen handelt - und
zwar um die Pollen enthaltenden Exkremente von Bienen".
Dieses Zusammentreffen gibt zu denken. Ist die "FAZ"-Wissen-
schaftsredaktion anti-amerikanisch unterwandert? Oder wollte die
Chefredaktion Reagans Beschwerde vor dem Publikum der klugen
Köpfe der Lächerlichkeit preisgeben?
Oder macht es den Anschuldigungen eines US-Präsidenten gegen die
Sowjetunion womöglich gar nichts aus, wenn man ihre Unhaltbarkeit
in der Sache durchschaut, weil die "FAZ" und ihr Publikum sich im
Anliegen mit der amerikanischen Kampfansage einig wissen?!
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