Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN FAZ - Das Blatt mit den klugen Köpfen
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Ein Leitartikel in der
FRANKFURTER ALLGEMEINE
vom 23. Januar ("Jaruzelski und andere" von Ernst-Otto Maetzke)
zeigt, daß das Argument gegen die westliche Polenhetze, hier
würde mit zweierlei Maß gemessen beim Urteil über Militärdiktatu-
ren, allein schon deshalb nicht zieht, weil die Bourgeoisie dies
ganz offen und offensiv zugibt. Herr Maetzke hält die Menschen-
schlächterei vom Standpunkt seiner "Wertordnungen und Grundwerte"
in gewissen Fällen für so in Ordnung, daß er Aufregungen darüber
nur noch kindisch nennen kann: "Und Erwachsene wissen, daß ein
Genozid, begangen von einem Turkvolk im Ersten Weltkrieg, ein we-
nig verzeihlicher ist als ein Holocaust, organisiert von einem
europäischen Volk im Zweiten. Das hat eine Art von Richtigkeit;
man darf sich über Evren eher beruhigen als über Jaruzelski."
Diese "Richtigkeit" wird noch deutlicher: "Anderswo" (außerhalb
des "sozialistischen Machtbereichs") "wird Allende kaum eine
Träne nachgeweint. Umgekehrt hat Jaruzelski in Polen einen Walesa
aus dem Spiel genommen, dessen Wirken in den Augen Westeuropas zu
den schönsten Erwartungen berechtigt." Es gehört zur geistigen
Mobilmachung demokratischer Öffentlichkeit, daß die Parteilich-
keit sich nicht mehr die Mühe macht, als "objektive Berichter-
stattung" aufzutreten, sondern offenheraus erklärt, wofür sie da
ist. "Wer dem einen Putschgeneral mildernde Umstände zubilligt,
ihm sogar vielleicht wirtschaftlich hilft, aber den anderen hart
verurteilt, ihn möglicherweise mit Sanktionen belegt, ist partei-
isch... Doch ihr Wertesystem zu verteidigen, das niemand ohne Ge-
fahr für seine Existenz und seine Identität verleugnet, erfordert
das Aushalten solchen scheinbaren Widerspruchs." Sie werden's
aushalten, die Schreibtischtäter aus Frankfurt, allgemein und für
Deutschland.
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