Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN BILD - Nationale Herzensbildung
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Matthias Walden
AUSGEHETZT
"Der Journalist ist seinem Wissen und Gewissen nicht weniger ver-
pflichtet als der Richter. Er ist in gewissem Sinne freier als
der Jurist - aber das gefährdet seine Beurteilungen auch in noch
höherem Grade." Otto Freiherr von Saß als Matthias Walden
Kein Zufall, daß Walden zu seinem Beruf immer wieder die Justiz
als vergleichbare Sphäre einfiel: Seine Urteile als Journalist
waren stets V e r u r t e i l u n g e n, und die "polemische
Schärfe" seiner Einlassungen war das Ventil für die persönliche
Enttäuschung des Mannes "mit dem heißen Herzen", daß sich nicht
immer gleich ein Richter fand, die V o l l s t r e c k u n g zu
verhängen. Natürlich hat es ihn 1968 "persönlich tief getroffen",
daß ein gewisser Josef Bachmann drei Schüsse auf Rudi D. abfeu-
erte. Walden hatte nur als Schreiber in der Frontstadt-Presse und
als Hetzredner im RIAS täglich gefordert, dem SDS und dem Staats-
feind Dutschke endlich das Handwerk zu legen.
Die Methode des Anstreichers Bachmann war selbstverständlich
nicht die seine. "Er w a r Aristokrat, er war ein Herr." Als
solcher legte er Wert auf penibelste Rechtsstaatlichkeit beim Zu-
schlagen der Staatsgewalt. Deshalb wurde er in der BRD einem
breiteren Publikum Anfang der 60er Jahre erstmals bekannt als Au-
tor einer Fernsehserie über Nazis in führenden Stellungen der
neuen deutschen Demokratie. Walden machte damals Skandal, weil er
die schonungslose S ä u b e r u n g des Staatsapparats von kom-
promittierendem Personal einforderte. Mit der gleichen Akribie
widmete er sich dann ab 1967 der publizistischen Treibjagd gegen
die "Fünfte Kolonne Moskaus". Mit dem Radikalenerlaß vollstreckte
der Rechtsstaat praktisch Waldens frühe Warnungen vor den Unter-
wanderern aus dem Reich des Bösen. Der mittlerweile zum Chefkom-
mentator des Senders Freies Berlin aufgerückte und damit öffent-
lichrechtlich gewordene Hetzer mit den gepflegten Umgangsformen
warf sich nun ganz auf die Entlarvung der SPD, weil es links da-
von nichts mehr zu entlarven gab. Vielleicht stieg er 1982 als
Geschäftsführer in die Axel-Springer-Holding ein und reduzierte
die Veröffentlichung seiner "Beurteilungen", weil sein
U r t e i l mittlerweile zum Tenor der öffentlichen Meinung ge-
worden war. Walden wurde nur 57 Jahre alt. Ein Reaktionär, der
seiner Zeit voraus war.
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