Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN BILD - Nationale Herzensbildung
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Bild am Sonntag:
Hallo, Leute! Seid ihr stolz, Deutsche zu sein?
EG-Umfrage: 90 Prozent aller Spanier, Griechen, Iren sind stolz
auf ihr Land - und bei uns? Na ja...
DEUTSCH, DEUTSCHER, AM DOOFSTEN
Auf sein Vaterland stolz zu sein, ist nicht gerade ein leichter
Gedanke. Schließlich ist es das Vaterland, das all die Nettigkei-
ten, die einem im Alltag in Schule, Elternhaus, Betrieb und
sonstwo zustoßen, gesetzlich geregelt hat und mit politischer und
rechtlicher Gewalt dafür sorgt, daß alles so bleibt. Da heißt es,
sich dumm stellen.
Eine merkwürdige Liebe...
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Hilfestellung dabei wird reichlich geboten. Die BamS, die auf
sämtlichen hundert Seiten sowieso kein anderes Thema hat, hat
kürzlich eine Nachhilfestunde in Nationalismus abgedruckt und al-
len, die es nicht zu einem uneingeschränkten "Hurra" bringen,
eine Standpauke gehalten:
""Es ist doch egal, ob man nun Deutscher, Italiener, Franzose,
Grieche oder Türke ist", meint Schülerin-Daniela Rauch (20) aus
München. Wirklich? Freunde, das sagt mal einem Griechen. Da sind
nämlich 91% stolz darauf, Grieche zu sein, oder einem Iren (90%),
einem Luxemburger (90%)" (BamS, 26.1.86)
Aha, 91% der Griechen sind stolz auf Griechenland. Millionen
Griechen können nicht irren. Also Freunde, seid gefälligst stolz
Griechenland! Und Irland und Luxemburg!
Halt! So ist es gar nicht gemeint:
"Was ist mit uns los, daß es uns egal oder unangenehm ist, Deut-
scher zu sein?... Wir schneiden da ganz schlecht ab."
Schwieriger, Gedanke. Weil die Griechen auf Griechenland stolz
sind, sollen die Deutschen auf Deutschland stolz sein? Und falsch
noch dazu: Wenn es gute Gründe gibt, auf Griechenland stolz zu
sein. Wieso sollten die denn nur für die Griechen gelten? Am
griechischen Wein kann sich ja auch ein Engländer besaufen und
woher das Zeug kommt, ist egal, wenn es schmeckt. In hundert Jah-
ren käme also kein Nationalstolz zustande, wenn es dabei auf
Wohltaten des jeweiligen Landstrichs ankäme.
Man muß einfach das Gelände lieben, auf man zufällig geboren ist,
ob das nun Griechenland, Irland oder eben die BRD ist, basta! Das
ist zwar eine reichlich merkwürdige Liebschaft, bei der man sich
die Geliebte nicht aussuchen darf, sondern nehmen muß was kommt,
aber, wenns alle so machen...?
...bei der man die Augen zumachen muß!
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Das muß man erst einmal hinkriegen, grundlos auf Deutschland
stolz zu sein. Da hilft nur Einbildung, die sich
n a c h t r ä g l i c h allerlei Begründungen zusammenbastelt.
Vorbildlich findet die BamS die französischen National-Phanta-
sien. Wenn sie recht hat, leidet darunter allerdings nicht nur
der Verstand der Franzosen:
"Keine Werte? Franzosen haben vom Alltäglichen, von ihrer Spra-
che, eine ganz hohe Meinung. Sie finden ihren eigenen Lebensstil
gut, sie halten ihre Küche für die beste der Welt und sich selbst
für die besten Liebhaber. Es spielt keine Rolle, ob sie das sind.
Aber sie glauben eben daran."
Raffiniert, die Franzosen. Egal, ob sich bei ihnen daheim oder
auswärts was Rechtes in Sachen Matratzenabenteuer schiebt, sie
erfreuen sich an dem Gedanken, daß Frankreich die größte Lover-
Nation seit der mittleren Steinzeit ist. Und dann bilden sie sich
ein, daran auch irgendwie teilzuhaben, weil sie einen französi-
schen Paß haben. Das entspannt zwar nicht besonders, aber der Na-
tionalstolz sieht sich bestätigt.
Genauso das Essen: Egal was für ein Papp auf dem Tisch steht,
sie sind stolz, daß die besten Kochbücher der Welt auf franzö-
sisch geschrieben sind. Guten Appetit!
Mit abgeschalteten Hirn: Deutschland Hurra!
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Derlei Schwachheit findet BamS an den Franzosen toll (dafür hat
sie sie ja erfunden). Den Deutschen dagegen hält die BamS vor,
daß sie Versager im Nationalismus sind. Völlig verrückt wird's,
wenn zwei Nationalisten sich streiten:
"Läuft ein Länderspiel gut, werden Tore bejubelt, klar. Läuft's
schlecht, werden Spieler kritisiert, auch klar. Dann kommt gleich
die Frage nach dem hohen Verdienst der Spieler - und ob sie den
auch verdienen. Anstatt zu sagen: Ihr habt in der Nationalmann-
schaft für Deutschland gespielt. Warum habt ihr nicht ange-
strengt, warum habt ihr uns blamiert?"
Da hat der junge Mann ganz brav einen Fehler gemacht, den die
BamS ihm immer vormacht: Er führt sich als Gerechtigkeitsfanati-
ker, auf und mißgönnt deshalb den Staatskickern ihr Geld, wenn
sie verloren haben. Dann kriegt er zu hören, diesmal wäre das ge-
nau die falsche Meßlatte. Wenn die 22 Dackelbeine schlecht ge-
spielt haben, ist die Ehre der Nation besudelt. Darüber - und
über nichts sonst darf und muß man sich aufregen.
Überhaupt im "Alltäglichen" kann sich das Hetzblatt gar nicht ge-
nug beklagen:
"Und wir im Alltäglichen? Wir machen unser Land runter. Ja,
Deutschland wäre schön, wenn nur das Wetter besser wäre. Ja was
es bei uns zu essen gibt, ist biedere Hausmannskost. Es sei denn,
es kommen ein paar ausländische, exotische Zutaten dazu. Ja, wir
haben keine Lebensart.
Franzose müßte man sein! Und: Kennen sie jemand, der von der
deutschen Sprache schwärmt? Es scheint immer nur zweierlei zu ge-
ben: Hurra oder Asche."
Die BamS ist immer für Hurra. Was ihr an diesen blöden Sprüchen
mißfällt, ist, daß da überhaupt irgendwelche Einwände gegen
Deutschland gemacht werden. Alles was "deutsch" heißt, darf man
nicht überprüfen, beurteilen, überlegen, ob es einem nützt. Die
BamS will, daß man da sein Gehirn nur noch für eines benutzt, be-
sinnungslose Zustimmung und Hurra-Taumel: "Deutsch ist Spitze!"
Was auch geschieht: "Glauben müßt ihr daran!" Kapiert?
***
Einwände wie dieser kommen in der BamS nicht vor: Die Nation,
legt mit politischer und rechtlicher Gewalt lauter Gegensätze
zwischen ihren Bürgern fest. Für die große Mehrheit der Unterta-
nen heißt das, daß sie nur durch Dienst am Reichtum zu einem Le-
bensunterhalt kommen. Und die paar Kröten und Annehmlichkeiten,
die dabei herausspringen, werden als Abzug von der Größe der Na-
tion behandelt. Wir halten das für, Grund genug, sich Deutschland
alles, andere als groß und stark zu wünschen.
Wie gesagt, solche, Einwände kommen in der BamS nicht vor - was
sollte sie auch dagegen sagen?
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