Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN BILD - Nationale Herzensbildung
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BAMS LÄRMREPORT:
Eines kann man der BamS nun wirklich nicht nachsagen: daß sie um
der Wochenendunterhaltung ihrer Leser willen die Schönheiten der
Arbeitsplätze, an denen die unter der Woche stehen, irgendwie in
ein rosarotes Licht tauchen würde. Im Gegenteil - BamS scheut we-
der Mühe noch Kosten und hat quer durch die ganze Republik die
rekordverdächtigsten Spitzenleistungen in Sachen Gesundheitsge-
fährdung durch Lärm am Arbeitsplatz aufgespürt und abgelichtet.
108 Kracheinheiten in Solingen, 112 in Aurich, 115 gar in Münster
- wer bietet mehr?
Verschwiegen wird auch keineswegs, daß dieser in der technischen
Einheit Dezibel gemessene Lärm, Hammer, Amboß und Trommelfell der
"Inhaber" dieser Arbeitsplätze überhaupt nicht gut bekommt. BamS
kennt in England eine ganze Belegschaft, die Ford mit Pressen und
Stanzen taub gemacht hat und weiß, daß sich "bei uns" jährlich
10.000 Leute mehr ihre Rente mit tauben Ohren aufbessern.
Verschont werden die Leser auch keineswegs damit, daß Wissen-
schaft und Arbeitsmedizin all 'dies' nicht unbekannt, sondern mit
ihrem weisen Rat pingelichst geregelt ist. Bis zu 85 dB - "so
laut wie ein vorbeidonnernder LKW" - ist Lärm ganz normal, d.h.
bringt dem, der dem Lärm auf Dauer ausgesetzt ist, taube Ohren.
Oberhalb von diesem "Grenzwert" drohen nicht nur die Löffel, son-
dern wegen "Herz-Kreislaufbeschwerden, Schlafstörungen und Impo-
tenz" auch gleich noch die Ohrenträger ihren Dienst total zu ver-
sagen.
Was ist bloß in die BamS gefahren? Taubheit, Tod durch Dezibel -
lauter Hetze gegen deutsche Arbeitsplätze und schonungslose Wahr-
heiten, was sie einem Arbeiter einbringen? Wo bitte bleibt da der
Unterhaltungswert?!
Den liefern natürlich ausgerechnet die Leute, die sich ihre Ohren
und alles andere ruinieren. Zum Beispiel Esat Tanruvudi, türki-
scher Straßenarbeiter in Hamburg, der abends "manchmal so ein
taubes Gefühl (?!) im Ohr" hat, "aber das gibt sich dann bis zum
nächsten Arbeitstag wieder." Oder Gerti Kallweit, die seit 25
Jahren an der Bierabfüllanlage arbeitet, "auf dem rechten
Ohr"(?!) seit einiger Zeit nicht mehr richtig hören" kann und
seitdem Ohrenstöpsel trägt. Schließlich Gerhard Adams, Maschi-
nist, der stellvertretend für viele sagen darf: "Wir sind sowieso
schon alle schwerhörig", aber eben noch nicht taub, weshalb man
bloß abends "den Lautstärkerregler am Fernseher mehr aufdreht."
Sowas gefällt der BamS: erst die Zumutungen in allen Details aus-
pinseln und hinterher Leute ausfindig machen, die ihre Taubheit
voll im Griff haben. Es geht doch Leute - so leicht lassen wir
uns doch von ein bißchen Krach nicht den Arbeitsplatz vermiesen!
Auf diese blöde Moral von Arbeitern ist BamS scharf:
Erst 25 Jahre lang die Arbeit am Krachplatz machen, und dann der
BamS zu Protokoll geben, daß man es prima hingekriegt hätte, sich
auf den Lärm einzustellen. Beweis? Man "hat" ihn schließlich,
seinen Arbeitsplatz - und das seit 25 Jahren.
Die Schäden, die man sich zwangsläufig einhandelt, werden zwar
nicht mit einem Orden für "Tapferkeit am Arbeitsplatz" belohnt,
aber man darf sie am Sonntag in der BamS vorzeigen und dann rich-
tig ein bißchen stolz darauf sein, daß man nicht nur dem Betrieb,
sondern auch dem lesenden Publikum den Dödel gemacht hat.
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