Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN BILD - Nationale Herzensbildung


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"CHINA WEINT" - DIE "BILD"-ZEITUNG HAT GUT LACHEN!

Denn das paßt ja nur gar zu gut ins westdeutsch-demokratische Propagandabild: Werktätige und studierende Volksmassen empören sich gegen kommunistische Führung - kommunistische Panzer walzen den demokratischen Freiheitsdurst nieder... Eine erbauliche Story fürs westlich-demokratische Gemüt. Bloß - nicht so ganz wahr. - Die Studenten empören sich gegen den "großen alten Mann" Deng. Ist das nicht genau der, den unsere ganze freiheitliche Öffent- lichkeit seit Jahren über den grünen Klee lobt und preist, weil er die "unmenschliche Planwirtschaft" durch die gut kapitalisti- sche Losung "Bereichert Euch!", durch einen freien Markt mit freien Preisen und durch Geschäftsangebote an den Westen hat er- setzen lassen?! - Mit Massenaufmärschen und Hungerstreiks tragen Studenten und Bevölkerung in Peking ihre Forderung nach "Demokratie" vor. Weiß der Teufel, was die damit meinen. Klar ist nur eins: Mit der wirklichen Demokratie, wie es die bei uns gibt, hat ihre Forde- rung ganz bestimmt nichts zu tun. Die würden sich wundern, wie eine gute Demokratie mit dem "Druck der Straße" aufräumt. Hier- zulande hätten sich nicht wochenlang immer größere Massen direkt vor den Regierungsgebäuden tummeln dürfen. Hierzulande wäre längst die Bundeswehr marschiert, um einem ausländischen Staats- gast, Gorbatschow in dem Fall, ruhige, ordentliche Verhältnisse bieten zu können. Hierzulande hätten Hungerstreiker sich sehr schnell im Gefängnislazarett wiedergefunden. S o funktioniert Demokratie - sie hat doch nichts mit Nachgiebigkeit gegenüber dem Volk zu tun! - Die Chinesen fordern ein Ende der Korruption in der Gesell- schaft, der Bürokratie und der Regierungsspitze. Darf man mal daran erinnern, seit wann das allgemeine Bestechungswesen in China wieder so richtig in Schwung gekommen ist? Vor kurzem war es noch in unseren Zeitungen und in Fernseh-"Hintergrunds- berichten" zu erfahren: Seit die kommunistische Partei ihre marktwirtschaftlichen Reformen durchgedrückt hat; seit sie ausländische Ware und ausländisches Geld ins Land gelassen hat; seit sie immer größere Teile der Wirtschaft, vor allem Handel und Außenhandel, der "Privatinitiative" kleiner und größerer Geschäftemacher überantwortet hat; seit sie es zu solchen erzka- pitalistischen Errungenschaften wie einer Inflation und einer "Schattenwirtschaft" auf Dollarbasis gebracht hat; kurzum: seit sie die ewige Reform-Quengelei des goldenen Westens beherzigt und ihr "stures" Planungswesen aufgegeben hat. D a s ist die neue Freiheit, unter der die Massen im Land endgültig nichts mehr zu lachen haben; noch nicht einmal die Existenzsicherheit ist übriggeblieben, die die alten Maoisten noch garantiert hatten! Es mag schon sein, daß die protestierenden Studenten in China aus der Lage in ihrem Land nicht die gescheitesten Schlußfolgerungen gezogen haben. Aber daß ihnen ausgerechnet ein frei gewählter Kohl, ein demokratischer Wahlzirkus, ehrlich finanzierte Par- teien, ein nationaler Haus- und Grundbesitzerverband, ausländi- sche Kreditgeier und die "Bild"-Zeitung fehlen würden, zu dem Wahnsinn haben sie sich nun doch nicht verstiegen. zurück