Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN BILD - Nationale Herzensbildung


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       Kurz bevor  es die  DDR endgültig  nicht mehr gibt, hat BILD noch
       einmal eingeladen zum
       

"BILD-VERGLEICH: SOZIALE LEISTUNGEN DRÜBEN UND BEI UNS"

Als Ergebnis wird dem Leser serviert: Mieten drüben: Eine miese 2-Zimmer-Wohnung mit Klo im Treppenhaus kostet 75,- Mark. Hier: mit Klo in der Wohnung bis zu 1000,- DM. Medizinische Versorgung drüben: Der Staat zahlt fast alles, aber es "herrscht keine freie Arztwahl, überall Mangel an Medikamenten und Material". Hier: werden Standardmedizin und Arztbesuch von der Kasse bezahlt, dafür aber 12,8% vom Einkommen als Krankenkas- senbeitrag abgezogen und zusätzlich muß man für alle möglichen "Leistungen" persönlich noch was draufzahlen. Und was soll jetzt der Nährwert dieses Vergleichs sein? - Bei Licht betrachtet ergibt sich bei der Gegenüberstellung von selbst, daß die "Leistungen" drüben wie hüben gleichermaßen nichts taugen. Jedenfalls vom Standpunkt des Bedürfnisses nach gescheiter Wohnung und Krankenbehandlung. Laut BILD aber soll man sich fragen, was besser ist - der Mist von dort oder der von hier. Vernünftigerweise liegt angesichts der präsentierten "Errungenschaften" beider Systeme die Frage auf dem Tisch, was die jeweiligen Herrschaften bezwecken, wenn ihre "Leistungen" nichts als Zumutungen für die Normalmenschen bereithalten. Laut BILD hingegen soll man diese Zumutungen als unverrückbare Tatsa- chen nehmen und deswegen gleich als die einzig in Frage kommenden Angebote, die nun mal vom Leben zu haben sind. Für diese Dummheit wirbt das Zentralorgan des deutschen Arbeiters deshalb, weil sie eine so schön unterwürfige Einstellung beinhal- tet. Man erkundigt sich danach, was die Herrschenden mit ihren Untertanen jeweils vorgesehen haben, weil vollkommen klar ist, daß man sich immer genau das "bieten" läßt, was verlangt ist. Praktisch immer alles "mit-machen" - na logisch, wo kämen wir denn da hin, wenn die arbeitenden Leute selber darüber entschei- den würden, was sie brauchen, genießen und machen wollen. Aber theoretisch, also im Geiste, soll man so tun, als ob man die freie Auswahl hätte - zwischen zwei Sorten Obrigkeit! Wie bei ei- nem Schönheitswettbewerb soll man sich fragen, bei welcher man lieber der Arsch wäre - wenn, ja wenn man die Wahl hätte. Daß man sich dann meistens auch noch zufällig die Obrigkeit aus- sucht, der man tatsächlich gehorcht, ist kein Zufall. Wer will sich schon nachsagen (lassen), daß er bloß gezwungenermaßen tut und läßt, was er tut und läßt! Deshalb kann BILD die "Beurteilung" des "Systemvergleichs" großzügig dem mündigen Leser überlassen zurück