Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN ALLGEMEIN - In Freiheit gleichgeschaltet


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VOLKSTUM ALS BERUF UND BERUFUNG

Es gibt Privatmenschen, die von Berufs wegen Staatsbürger sind. Die diesen Beruf gar nicht als Beamtendienst, sondern als ihre Berufung ausüben, zu der sie sich frei erklären. Die ihr privates Vergnügen darin finden, die Sache ihres Staates ganz zur ihren zu machen und ihren Lebensunterhalt damit bestreiten, als Publizi- sten mit ihrem Hobby öffentlichrechtliche Meinungskulturen zu be- reichern. In anderen Staaten wohlgemerkt, was sie offenbar bloß deshalb können, weil in denen die Sache ihres Staates einiges zählt, als dessen Stimme sie sich zu Wort melden. Die Rede ist von jenen Staatsbürgern, die mit dem Staat Israel politisch oder auch nur glaubensmäßig verwachsen sind und denen der Golfkrieg den jüngsten Anlaß zur Wahrnehmung der Rolle bot, die sie hierzulande schon seit längerem spielen. Die sind zwar erst einmal auch nichts anderes als Bürger, also stinknormale Un- tertanen ihres Staates, doch hat das in ihrem Fall noch zusätz- lich eine verheerende Wirkung. Sie haben nämlich das abstrakte Dienstverhältnis, in dem sie als Bürger zu ihrer Obrigkeit ste- hen, als ganz persönliche Herausforderung entdeckt und es sich in den Auftrag übersetzt, die Rechte ihres Staates als Anliegen ih- rer Person vorzutragen. Diese Leute nehmen die Lüge von der "nationalen Identität" bitter ernst, nämlich so, daß sie die Staatsbürgerschaft als prägende natürliche Eigenschaft eines gan- zen Menschenschlags auffassen: als Rassemerkmal. Dieses Selbst- verständnis kann durchaus ein solches Ausmaß an Verblendung er- reichen, daß ein Mensch sich als seiner Natur nach einem Staat und seinem Volk zugehörig begreift, obwohl er den entsprechenden Paß (noch) nicht besitzt und bei der deutschen Bundeswehr Dienst tut. Von solchem Schlag sind die Leute, die auf freiberuflicher Basis das diplomatische Corps ihres israelischen Staates verstärken, indem Sie sich erst einmal und ausschließlich als Juden zu Wort melden, als Repräsentanten derselben Sache also, auf die ihr Staat sich beruft, wenn er Politik macht - "das Volk der Juden." Dessen Wohlergehen haben sie aber eher weniger im Sinn. Besagtes Volk kümmert sie genau genommen hauptsächlich wegen der Opfer und der Leiden, die ihm - hauptsächlich im deutschen Faschismus - be- schert wurden. Von ähnlichem können zwar auch etliche andere Völ- ker Lieder singen; von Auschwitz, Holocaust und dem Versuch einer eigenen "Endlösung" allerdings nicht, was die Opfer des jüdischen Volkes eben zu ganz besonderen macht und das "schreiende morali- sche Unrecht" belegt, welches Juden, seitdem es sie gibt, nach Auskunft ihrer Stellvertreter immer verfolgt habe: "In jedem Zeitalter erhebt man sich gegen uns, um uns zu vertilgen", heißt das historische Gesetz, mit dem sie das weltgeschichtlich Gute und Böse streng nach dem rassistischen Kriterium: 'Jude - Rest der Welt' scheiden. Der Wahn ihrer Gegner, an ihnen Volksfremd- heit zu diagnostizieren, die Fremdheit als Feindseligkeit aufzu- fassen und die Feindseligkeit als unveräußerliche Eigenschaft der Individuen, dieser tatsächlich altehrwürdige Wahn hat sie nicht klüger gemacht als ihre Feinde: Sie bekennen sich als Anhänger des Juden-Rassismus - mit umgekehrtem Vorzeichen. Und nehmen den Antisemitismus als guten Grund, den Juden pauschal die moralische Güte zu reservieren, die ewig schuldlosen Opfern zuzukommen pflegt. Steht die dann fest, machen sich Repräsentanten dieses unverwüst- lich guten Volkes daran, die weitergehenden Rechte zu begründen, die sich daraus ergeben. Diese betreffen dann schon wieder nicht das Volk in dem Sinne, weil nämlich bloß das moralisch unanfecht- bare Recht gilt, das der h e u t i g e S t a a t der Juden f ü r s i c h beansprucht und das die Erledigung der Gegner be- trifft, die sich ihm in den Weg stellen: Was der Staat Israel im Namen seiner Raison an Opfern für unvermeidlich hält, wollen sie mit der Moral weihen, für die eine jüdische Leidensgeschichte den Bürgen in Sachen Unschuld stellt - und entdecken prompt in jedem, der es nach ihrem Geschmack an proisraelischer Militanz missen läßt, "Antisemitismus". So war im deutschen Volk von einer Sympa- thiewelle für Saddam Hussein zwar wenig zu bemerken; und noch jede Bedenklichkeit, die unter dem Wunschprogramm "Frieden" gegen einen Krieg laut geworden ist, ging ganz von selbst davon aus, daß der im Prinzip schon gerechtfertigt wäre. Aber das hat den Publizisten israelischer Rechte schon gereicht. Einem war sowieso klar, daß es sich bei Saddams arabischem Nationalismus um einen "mit islamischen Floskeln versehenen Nationalsozialismus der grausamsten Prägung" handelt, woraufhin er schon 10 Tage vor dem offiziellen Kriegsbeginn seiner "Hoffnung" Ausdruck verlieh, daß dem "Irak... das gleiche Ende wie Nazideutschland blüht". Zwi- schenzeitlich hat sein Kollege vom Standpunkt derselben Hoffnung aus die geistige Lage des Rechtsnachfolgers jenes Nazideutschland durchgemustert und die alten Judenvergaser seinem Test auf "Wiedergutmachung" unterzogen. Legen sie jetzt endlich los gegen den, der sich schon wieder "gegen uns erhebt, um uns zu vertil- gen" oder doch zumindest für einen präventiven Befreiungsschlag Israels ein gutes Wort ein? Von wegen. "Alle schweigen, laut und vernehmlich. Auch die deutsche Linke schweigt... Alle großen Mo- ralisten der Nation schweigen. " Da war für ihn alles klar. "Hussein und die stille deutsche Begeisterung für tote Juden" ha- ben sich die Hand gereicht und warten gemeinsam auf die "zweite Endlösung der Judenfrage". Wo der rassistische Stolz den Leitfa- den für die Beurteilung sämtlicher weltpolitischer Händel abgibt, lassen sich gewisse Irrtümer nicht vermeiden. Da mag der Krieg zwischen dem Irak und einer Völkergemeinschaft noch so eindeutig um die Schaffung einer Weltordnung, um die Verteilung von Kräften und Rechten in der Staatenwelt, um die Benützung einer Region, um die Behauptung einer Weltmacht gehen berufene Juden entdecken al- lemal nur sich als Mittelpunkt, Zweck und Grund des Geschehens. Ihr Solipsismus kennt keine Schranken: Nie würden sie sich dazu bequemen, die relative Rolle, die ihrem Staat in diesem Krieg von beiden Parteien beschieden wurde, zur Kenntnis zu nehmen. Umge- kehrt haben sie die Relativierung ihrer Bedeutung zum Anlaß ge- nommen, darauf zu bestehen, daß es ausschließlich um sie geht und gehen müßte. Jede Scud-Rakete, jeder Propagandaversuch Saddams, über Israel den eigenen Krieg um die Vormacht am Golf zur gesamt- arabischen Sache zu machen, war ein Beweis dafür, daß schon wie- der die Judenfrage auf der Tagesordnung steht. Und das amerikani- sche Bündniswesen, die berechnende Kriegsführung der Alliierten, waren ein Anschlag auf das Recht, die Sache der Juden zu verfol- gen. Daß sie sich darüber bei den Rassisten anderer Nationalität nicht unbeliebt gemacht haben, ist nicht ihr Verdienst, sondern eine Frage der Umstände. Mit den freien Publizisten dieses Standpunkts kommt man einer- seits leicht ins Gespräch; denn sie werden von den Talk-shows im deutschen Fernsehen ausgesprochen hofiert in ihren Bemühungen, allerorten deutschen "Salon-Antisemitismus" ausfindig zu machen; und sie fühlen sich sauwohl dabei. Etwas unergiebig sind diese Gespräche allerdings auch. Das liegt daran, daß man sich entweder mit ihnen und darin einig ist, daß man wg. Saddam gegen Israel nichts an Vorbehalten zu vermelden hat - und dann hat man mit ih- nen nichts weiter zu reden. Oder man steht trotz Saddam nicht rückhaltlos hinter der Politik des Judenstaates - dann steht fest, daß man ungefähr so wie der Iraker die Juden vernichten will. So macht sich einer der die Frage: "Sie sehen keine Paralellen zwischen Hitler und Saddam Hussein:" verneint verdäch- tig. Der w i l l dann wohl nicht sehen was offenkundig der Fall ist, was wohl nur einer kann der gegen Israel ist. Und siehe da stimmt total - "Bei anderen Vergleichen haben Sie keine Bedenken. Die Besetzung Kuwaits und Israels Präsenz (so heißt eine Anne- xion, die in Ordnung geht) in der Westbank sind für sie ein und dasselbe. Hier wird doch Unvergleichbares gleichgesetzt" - wohin- gegen der berufene Gesprächspartner ganz ohne Bedenken gleich- setzt, was für ihn gleich ist, Saddam und Hussein nämlich. Fällt dann noch die Nahostkonflikt-theoretische Bemerkung, daß iraki- sche Raketen doch wohl nicht aus Zufall auf Israel fallen - "Die irakischen Raketenangriffe sind die logische, fast zwingende Kon- sequenz der Politik Israels" - legt der Publizist erst morali- schen Leim aus: "Also ist Israel selber schuld, wenn es jetzt mit Raketen beschossen wird?", fragt er scheinheilig nach, und als das Dementi ausbleibt, ist der Antisemit reif für die große Pat- sche: "Sie finden es also richtig, daß Israel jetzt beschossen wird?" Das anschließende "Nein" hat dem Gesprächspartner des Pu- blizisten nichts mehr genutzt. Sein grünes Vorstandsamt war zur Verbesserung der deutsch-israelischen Beziehungen einfach fällig. Wie gesagt, der Meinungsaustausch mit diesen Staatsamateuren ist nicht einfach. zurück