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Phillipinen-Presseschau
ASPEKTE EINER TROPENWELT
Die Verheißung, daß der Papst im Februar auf den Philippinen pre-
digen will, bescherte diesen fernen Inseln gegenwärtig mehr jour-
nalistisches Interesse, als ihnen normalerweise in 5 Jahren zu-
teil wird. Die "Süddeutsche Zeitung" illustrierte durch einen ei-
gens nach Manila abkommandierten Hintergrundberichterstatter,
eine ASEAN-Wirtschaftsbeilage und ein Fernreiseangebot die Hand-
voll Urteile, die einem gebildeten Bürger zu so einer Weltgegend
anstehen.
Zügellose Herrschaft
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Auf den Philippinen herrscht Ferdinand Marcos, und wie:
"Selbst das raffgierige indonesische Präsidentenpaar Suharto muß
vor Neid erblassen, angesichts der militärischen Präzision, mit
welcher der Marcos-Krake sein Wirtschaftsimperium über ein Netz
von Verwandten, Freunden und Günstlingen organisiert hat."
Brutal, wie dieser "Kriegsrechtsherrscher" sein Land aussaugt,
statt "wie andere autoritäre Führer" in Asien "das Krebsgeschwür
der Korruption wenigstens in Grenzen zu halten"! Die Diktatur
wäre eine feinere Sache, wenn dieser tüchtige Krake seine Macht
nur dazu benutzen würde, die dort unten offenbar universell ver-
breitete "Korruption" in Maßen zu betreiben und so eine für Fili-
pinos gute Herrschaft auszuüben:
"Das Kriegsrecht hätte ein Schwert sein können, um das Böse vom
Guten zu trennen."
Statt das Schwert richtig zu führen, läßt sich Marcos aber nun
von "Gigantomanie" beherrschen, weshalb er auch einen "eisernen
Schmetterling" namens Imelda geheiratet hat, der bei allem finan-
ziellen Geschick "überspannt" wirkt:
"Wie ein Christbaum geschmückt, freilich mit erlesenen Brillanten
und schweren Solitären, erscheint sie nach dem jüngsten Taifun in
einem der überfluteten Armenviertel, um mit wehleidig-anteilneh-
mender Miene vor den Fernsehkameras Kleidung und Decken auszuge-
ben."
Die Sache mit den Decken ginge in Ordnung - mehr hat ja schließ-
lich ein Katastrophenopfer auch hierzulande kaum zu erwarten -,
aber die Brillanten im Slum, die sind geschmacklos! Da loben wir
uns Loki, die mit ihrer schmucklos aufgesetzten Mitleidslächeln
für Flut- und Sprengstoffopfer viel glaubwürdiger wirkt. Sie ist
halt auch keine Ex-Schönheitskönigin!
Bei einem so anrüchigen Regime verdient die philippinische Oppo-
sition Sympathie, die sehr demokratisch ist, auch wenn sie ihren
Anspruch auf die Macht durch Bomben untermauert, mit denen
"gebildete Mitglieder der Mittelklasse" (Newsweek) Zweifel an
Marcos' Tüchtigkeit in Sachen Ruhe und Ordnung erwecken wollen.
Marcos' "Erzrivale" Aquino, "derzeit Professor in Harvard", fin-
det diese Taktik verständlich und
"drängt Washington dazu, sich rechtzeitig von Marcos zu trennen,
um den Philippinen eine Entwicklung wie im Iran, ein revolutio-
näres Nachfolgeregime zu ersparen."
Der Mann weiß, was sich gehört! Man vermeidet also tunlichst das
böse Wort vom Terrorismus und orakelt in aller Ruhe, wie lange
die Jungs im Weißen Haus Marcos noch vertrauen und ob sie bei der
Wahrung der westlichen Interessen auch alles richtig machen.
Günstiges Investitionsklima
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Im Wirtschaftsteil sind die Philippinen ein Land, aus dem die
Amis, Japaner und Europäer Zucker, Kokosnüsse, Kupfer und Nickel
wegholen. Dort selbst tut sich also nicht allzuviel, weshalb das
philippinische Handelsministerium durch folgende Annonce auffor-
dert, sein Land als Produktionsstätte zu nutzen:
"Sie bringen ihre Rohstoffe, Ihre Maschinen und Ihr Geld. Keine
Bürokratie, keine Gebühren, keine Umstände. Unsere arbeitswilli-
gen Leute stellen für Sie ihre Exportprodukte her, wir selbst
helfen Ihnen mit allem, was Sie an Ort und Stelle brauchen."
Man gibt sich dort also alle Mühe, nutzlos rumstehende Filipinos
ausländischen Firmen zur Verfügung zu stellen. IBM; Pesi Cola,
Texas Instruments, Isuzu, Telefunken und MAN nutzen dies und sie-
deln "lohnintensive" Fertigungen auf den Philippinen an, weil die
Lohnkosten so gering sind. Das läßt sich aber so oder so sehen.
Man kann z.B. meinen: "Die Menschen leben einfach, aber nicht
ärmlich.", und damit den Investoren ganz global bescheinigen, daß
sie die Eingeborenen vor einem ärmlichen (oder gar armen) Leben
bewahren und ihnen ein einfaches Leben sichern - womöglich mit
einem Bissen Fleisch in der Woche, und das in Asien! Oder man
differenziert zwischen kapitalkräftigen Wohl- und Übeltätern und
zeiht Marcos der Maßlosigkeit beim Aushungern seiner Landsleute:
"Mit einer Politik des Niedrighaltens der Löhne sucht sich der
Marcos-Archipel den multinationalen Konzernen als günstigstes In-
vestitionsland Südostasiens anzudienen. Die drei deutschen Unter-
nehmen, die zum Beispiel in Cebu ihren Arbeitern für die Herstel-
lung von Möbeln den gesetzlichen Mindestlohn von 13 Pesos (drei
Mark) täglich bezahlen, dürfen sich damit beinahe schon als Wohl-
täter fühlen."
Deutsche Wohltaten für die Welt!
Lächelndes Asien
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Im Reiseteil bieten die "7107 Inseln im Südseelook" dem aufge-
schlossenen Menschen einfach alles! - K u l t u r: ein prähisto-
risches "8. Weltwunder", N a t u r: unberührte Palmenstrände,
E n t s p a n n u n g in der "Lustmetropole Asiens" und andere
"p r i c k e l n d e E r l e b n i s s e" bei ganz echten Fast-
noch-Kopfjägern mit barbusigen Frauen und "uralten Tabus", an
denen man sich genüßlich vor Augen führen kann, was es abseits
der zivilisierten Menschheit noch so alles gibt.
Bollwerk der Hoffnung
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Dem Christenmenschen bieten die Inseln 80% katholische Filipinos
und eine Kirche, die eine "wichtige soziale Kraft" ist: einmal,
weil ihre Häupter teils zu den Stützen des Regimes gehören; zum
andern, weil mancher Bischof sich kritisch von Marcos und Co. di-
stanziert, so daß sich "der stille Kampf der Priester und Nonnen"
ganz progressiv als "erfolgreicher Widerstand " gegen die Mili-
tärdiktatur sehen läßt. Wenn der Kirchenfürst von Manila sagt,
weshalb er ab und an sich abschätzig über Marco äußert -
"Wenn die Kirche mit einem System verheiratet ist, ist sie beim
nächsten Witwe." -,
dann ist er für dieses in seinem Opportunismus sehr grundsätzli-
che Bekenntnis zur Macht zu loben. Und auch eine Nonne, die meint
"Christus würde heute eine Flinte tragen", ist ein schöner Beweis
für soziales Engagement, jedenfalls solange sie sich ans Kreuz
hält. Der Papst wird das dann schon zurechtrücken. Das wird ein
großer Tag: für Marcos, weil ihn der Oberstkathole durch seinen
Besuch ehrt, für die Slumbewohner, denen ein richtig schöner
Trost gespendet wird, und für die Korrespondenten, die das Bet-
spektakel zum Anlaß nehmen werden, alle ihre Urteile über die
Philippinen in einem journalistischen Gesamtkunstwerk an den Mann
zu bringen. Wetten, daß sie genau darauf achten, ob der Oberhirt
Imeldas Hand genauso herzlich drückt wie die der Filipinoknaben!
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