Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN ALLGEMEIN - In Freiheit gleichgeschaltet
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Bundespresseschau
FÜR DIE FREIHEIT SCHREIBEN SIE ALLE
"Daß Sie k ö n n e n, was Sie zu müssen eingesehen, hat mich
mit schauernder Bewunderung durchdrungen." (Schiller, Don Carlos)
Wenn ein ostdeutscher Journalist dem von Westschreibern bedroh-
lich befragten olympischen Pressechef seiner Besatzungsmacht
hilfreich beispringt, indem er sich fünf Tage nach der Eröff-
nungsfeier immer noch für selbige freut und bedankt, dann geht
einem Angehörigen der freien Presse Westdeutschlands das Schimpf-
wort "Journaille" locker von den Lippen. Allerdings zeiht er da-
mit seinen Kollegen keinesfalls der Schwanzwedelei des Geistes
vor der Macht - darauf versteht er sich selbst recht gut. Der
Mann aus dem Osten hat lediglich das Pech, auf der falschen Seite
des "Eisernen Vorhangs" geboren worden zu sein, so daß die Grund-
lage des journalistischen Selbstbewußtseins im Westen allein dar-
auf sich reduziert, daß alle Liebdienerei vor der eigenen politi-
schen Macht ganz und gar in die freie Entscheidung des Journali-
sten fällt.
Russischer Bär würgt hilflose Olympia
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Daß Olympische Spiele ohne s p o r t l i c h e n Wert sind,
wenn fast nur russische und ostdeutsche "Retortensportler" die
Lorbeeren einheimsen, war noch vor der Eröffnung allenthalben
klar, weshalb man sich hierzulande ganz auf die
p o l i t i s c h e Auswertung des Ereignisses konzentrieren
wollte. Ganz Pressedeutschland war fest entschlossen auf Empfeh-
lung der Führer des freien Westens - den Russen jedweden Ein-
marsch zu versalzen. Obwohl wie immer in alphabetischer Reihen-
folge und mit Musik, soll er ausgerechnet diesmal "kurios"
(Süddeutsche Zeitung) gewesen sein. Der gleiche Zirkus, der Jour-
nalisten in München und Montreal in Entzücken versetzte, ließ sie
in Moskau frösteln, eingedenk des kalten Windes aus sibirischen
Lagern, deren Gitter dem sensiblen Sportjournalisten angesichts
der olympischen Ringe (ein Volk in Ketten!) und des Moskauer Em-
blems nicht aus dem Sinn gehen wollten. Und während die Fernseh-
anstalten auf die sportlichen Leistungen, die sich nicht von
selbst in politische Münze verwandeln gleich ganz verzichtete,
die "Bild"-Zeitung "wirkliche" Olympiasieger kürte und täglich
Medaillen über Jungs und Mädels aus dem Westen häufte, wollten
einige Zeitungen für den gebildeten Menschen die Rüge des SPD-Po-
litikers Egon Lutz nicht auf sich sitzen lassen, daß die deut-
schen Anstalten mit ihrer
"Nichtberichterstattung in unüberbietbarer Peinlichkeit die Ab-
hängigkeit freier Journalisten von den Entscheidungen bundesdeut-
scher Politik dokumentiert"
hätten. Wunschgemäß demonstrierten sie ihre Unabhängigkeit, ver-
wehrten den Weltrekorden nicht länger ihre Anerkennung
("Weltrekorde ohne Wert?") -
"Sportlich gibt es an diesem pompösen Festival nichts, aber auch
gar nichts auszusetzen." (Süddeutsche Zeitung) -
und zeigten den Kollegen vom Bildschirm; daß man ohne weiteres in
der Lage ist, auch die angeblich anerkannten sportlichen Leistun-
gen der Russen gegen die Russen ausschlagen zu lassen: "Die
sportliche Aufrüstung des Ostblocks zeigt ihre Früchte, die man
nicht deshalb schon als faul bezeichnen sollte, weil dahinter der
ganze Machtapparat des totalitären Systems steckt." (Süddeutsche
Zeitung) Man war also so frei, von den Rekorden zu berichten, um
sie mit den Umständen, unter denen sie zustande kamen, zu
desavouieren. Kein Umstand ist da zu blöd, den niedrigen Charak-
ter des Sowjet-Menschen anzuprangern, z.B. parteiische Zuschauer,
Kampfrichter, welche es wohl nicht verwinden konnten, daß die
Eishockey-Mannschaft der UdSSR trotz selbstloser Anfeuerung durch
das amerikanische Publikum im Kampf um das Gold in Lake Placid
unterlegen war usw. Gegenüber dem Gespür eines aufgeklärten Jour-
nalisten nützen einem finsterem Russenkopf keine noch so raffi-
nierten, natürlich befohlenen Verstellungskünste -
"Immer nur Lächeln schien die Devise der dienstbaren Geister."
"Zur Begrüßung reicht er einen eisgekühlten Wermuth extra dry.
Die Geste ähnelt dem höflichen Salutieren mit schwerem Säbel vor
dem Duell." -,
er entdeckt hinter der freundlichen Maske noch allemal die sowje-
tische Drohung, v.a. wenn er noch Willi Knecht heißt und so schon
im Namen den Begriff bundesdeutscher Öffentlichkeit formuliert.
Merke: Ein freier Journalist braucht erstmal große Ohren. Denn
anders als im unfreien Osten werden ihm die Richtlinien der Welt-
betrachtung nicht per Befehl frei Haus geliefert. Allerdings ge-
staltet sich für ihn das Nachbeten nicht schwieriger als für sei-
nen Ostkollegen; denn er w i l l sich ja danach richten, was
die oben von ihm erwarten: Ihr Wunsch ist ihm Befehl, seiner
Phantasie in diesem Sinne freien Lauf zu lassen, kurz: zu lügen,
wie gedruckt.
Streikgeographie
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So ein willfähriger Knecht der Freiheit betätigt seine staats-
treue Willkür in der Verfertigung der Argumente für und wider
streikende Arbeiter je nach dem, ob sie selbiges im Osten oder im
Westen tun. Wer eine kommunistische Regierung in Schwierigkeiten
bringt, verdient zunächst Anerkennung für seinen Kampf um materi-
elle Interessen - läßt sich daran doch die alte Leier loswerden,
daß hierzulande ein solcher überflüssig und deshalb ungehörig
sei. Deshalb werden die fleischliebenden Polen mit Orden für den
"tapferen Kampf" um "Freiheitsrechte" überhäuft, selbst wenn sie
- "taktisch", versteht sich - "vorgeben", daß es ihnen um anderes
gehe. Der Weigerung polnischer Arbeiter, ihren westlichen Inter-
viewpartnern ins kunstvoll gesponnene Netz der "Freunde und
Feinde der Freiheit" zu gehen, begegnen sie lässig mit ihren In-
terpretationskünsten - oder sie lassen sich gleich von Dissiden-
ten sagen, was sie hören wollen: die e i g e n t l i c h e n
Zwecke der polnischen Proleten. Ein berufsmäßiger Betrachter des
Weltgeschehens springt natürlich auf die Palme, wenn andere Leute
nicht seine Lehren aus den Ereignissen nachplappern - worauf er
sich hierzulande schon ein Gewohnheitsrecht erworben zu haben
glaubt -, sondern ungehörige Italiener - "schwungvoll wie immer,
offenbar ohne anstrengenden Denkprozeß" - e i g e n e "Parolen"
ausgeben: "Wie in Danzig und Stettin / schaffen wir es in Turin!"
Den aufmüpfigen Italienern verkündet C. Widmann von der
"Süddeutschen Zeitung" das Verbot: "Turin ist nicht Danzig" und
leitet das Inquisitionsverfahren ein: Italiener haben kein Recht,
von ihren Rechten Gebrauch zu machen, erstens weil sie sie schon
haben, zweitens weil sich die Regierung bemüht, "die Angelegen-
heit irgendwie zu bereinigen", drittens weil Fiat eh schon
Schwierigkeiten hat (Inflation, Japaner), viertens weil es den
italienischen Arbeitern sowieso zu gut geht und fünftens weil die
Partner - Fiat, Gewerkschaften, Staat - die
N o t w e n d i g k e i t der Entlassungen anerkannt haben, wes-
halb es nur noch darum geht,
"wieviel fürsorgliche Verantwortung Fiat - und der Staat - für
die Entlassungen übernehmen wollen",
was die Umsorgten gefälligst vertrauensvoll den dafür Verantwort-
lichen überlassen sollten. Noch weniger Verständnis als für das
Unverständnis hitzköpfiger italienischer Fiatwerker bringt die
"Frankfurter Rundschau" für französische K o l l e g e n auf,
die von der bundesdeutschen Linie der Weltbetrachtung abweichen
und der "Versuchung erliegen", unerlaubte Parallelen zwischen
"Danzig und Le Havre" zu ziehen, die die Pariser Regierung
schlecht abschneiden lassen: "Dieser Vergleich hinkt nicht nur,
er - ist auch falsch!" verkündet die "Frankfurter Rundschau" dok-
trinär, jedoch nicht ohne die Unterschiede zu den polnischen Er-
eignissen zu verkünden:
1. "Denn in den französischen Häfen handelt es sich nicht um
einen von den Gewerkschaften ausgerufenen Kampf."
2. Während in Polen spontan sich andere Betriebe mit den Werftar-
beitern solidarisierten, ist der Fischerstreik nur der Kampf
"eines Berufstandes für höhere Staatssubventionen", was sich
3. der Staat nicht gefallen lassen darf, weil sonst ja die
"Bauern mit Blockaden Paris oder Lyon aushungern" und im übrigen
a l l e daher kommen könnten, wodurch der Pressefritze sich na-
türlich nicht nötigen lassen würde, diese Erpressung als landes-
weite Solidarisierung mit den Fischern zu feiern, weil
4. der Einsatz von Militär in Frankreich etwas ganz Normales ist
("Soldaten müssen hier auch zupacken (!), wenn die Müllfahrer
streiken."), während Sowjetsoldaten kein Gewohnheitsrecht daraus
ableiten dürfen, daß sie pausenlos auf "Menschen- und Völkerrech-
ten" herummarschieren.
5. Der Fischerstreik ist n i c h t das, was wir aus dem Arbei-
teraufstand in Polen gemacht haben: "kein Ringen um Freiheit und
Rechte". Merke: Weil die 36 Jahre alte Vergleicherei von Ost und
West keinen anderen Zweck verfolgt, als die U n v e r-
g l e i c h l i c h k e i t des Westens herauszustellen, ahndet
der freie Journalist Vergleiche, die ihm nicht passen, weil er
Kritik am Westen wittert, als "plumpe Analogien", sprich:
unzulässige, undeutsche Vergleiche. Dabei bewährt er sich als
freier und verantwortungsvoller V o r b e t e r der Staats-
raison, der fern der Heimat nach falscher Gesinnung fahndet, die
hierzulande gar niemand äußert.
Bedrohen Kriege den Weltfrieden?
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"Das kommt drauf an!" ist die Antwort des Pressemanns - eine mehr
oder weniger kühl berechnende Betrachtungsweise der Opfer welt-
weiter Staatsaktionen, die dem Leser durchaus auffallen könnte,
wenn er sich nicht das Maß der Aufregung über ein Gemetzel in
fernen Weltgegenden von den berufsmäßigen Meinungsmachern vor-
schreiben lassen würde. Die sachliche Sprachregelung der Bericht-
erstattung - "Kriegsausbruch", "Angriff" oder "überfall",
"Aggression" - signalisiert, ob man sich darüber zu empören hat
oder nicht, ob flammender Protest oder die Gelassenheit des Beob-
achters am Platze ist. G e l a s s e n h e i t heißt die
Parole, nachdem die Flegel am Golf artig versprochen haben, mit
ihren Händeln keine höheren Interessen, die Straße von Hormus
nämlich, zu gefährden, sondern mit dem Krieg nur ihren eigenen
Schaden anzurichten. Man registriert also die Erfolgsmeldungen,
zieht die Übertreibungen, zu denen persisch-arabische, langnasige
Händlernaturen nun mal neigen, ab und rechnet sich aus, wann den
Burschen die Munition ausgeht. Die anfängliche zurückhaltende
Sympathie für den Irak - Berichte über die Unmenschlichkeit des
"sozialistischen" Systems wurden abgelöst durch ein Lob der
dortigen Weiberemanzipation - hatte dieser sich dadurch verdient,
daß er dem widerborstigen Ayatollah eins aufs Haupt gehen wollte,
wovon man sich erhoffte, daß die verrückten Perser zur Einsicht
gelangen sollten, daß sie auf den Westen angewiesen sind. Wenn
die Perser soweit sind, daß Carter nach 3 Wochen Krieg endlich
einen Grund findet, den Irak der Aggression zu bezichtigen, dann
bereitet das einem Journalisten keine Schwierigkeiten, seinen
passenden Senf dazu zu geben. Als man schon zu Beginn des Krieges
erste Anzeichen geistiger Gesundung registrierte - "Bani Sadr hat
an Publizität gewonnen", "Verwendung inhaftierter Offiziere an
der Front" -, konnte man sich eine Verarschung der dilettanti-
schen Kriegsführung der Irakis nicht verkneifen: "Ein Blitzkrieg
ohne Blitz" (Die Zeit). Da waren doch die Aktionen in Polen 1939
und Sinai 1967 aus anderem Holz! Wenn man diesen Krieg mit der
den Großen dieser Welt abgeschauten Gelassenheit registriert,
heißt das nicht, daß man sich über den Leichen keine Gedanken
macht zur "wachsenden Gefahr für die Lebenslinien" (Süddeutsche
Zeitung) des Westens.
Bei solchen Generalabrechnungen müssen sich die Russen den
E i n m a r s c h in Afghanistan ebenso vorwerfen lassen, wie
die Amis, daß sie ihn in Persien unterlassen haben, indem sie
"den Sturz des Schah zugelassen und damit zur Destabilisierung
einer Region beigetragen"
haben. Deshalb rechnet der SZ-Kommentator rigoros mit Leuten ab,
die angeblich "die Köpfe in den Sand" stecken, weil sie jetzt den
Einsatz der Bundeswehr außerhalb der Grenzen der BRD nicht befür-
worten. Und während er russische Truppen letztlich selbst in Mos-
kau deplaziert findet, pocht er auf die Einsicht, daß die 1.
Strophe des Deutschlandlieds wirklich überholt ist und
"Verteidigungslinien fernab der deutschen Grenzen ins Auge zu
fassen" (Süddeutsche Zeitung) sind, statt sich hinter "der engen
Auslegung des Grundgesetzes (zu) verstecken", derentwegen weder
"die Teilnahme an Friedensaktionen der Vereinten Nationen noch an
Feuerwehraktionen der westlichen Industriestaaten möglich sind."
(Die Zeit), weil deutsche Panzer im Wüstensand eben Friedensleos
sind, die dafür sorgen sollen, daß kein Krieg ausbrechen muß,
wenn uns der Ölhahn zugedreht wird. Nur zu verständlich, daß er
sich bitter und markig beschwert:"
"Nichts zu tun, gilt nicht als Verrat, sondern als politische
Weisheit." (Süddeutsche Zeitung)
Merke: Eine verantwortungsvolle Betrachtung der Weltlage verbie-
tet einen einseitigen Idealismus in Sachen Frieden. Ohne Krieg
ist nun mal kein lohnenswerter Friede zu machen. Das Friedens-
ideal eignet sich lediglich zur Desavouierung feindlicher Bewe-
gungen. Die großartige Leistung des Pressemannes auch hier: Er
muß einen Fernseher haben, damit er die Stellungnahmen von Carter
und Schmidt rechtzeitig mitkriegt.
Ein Putsch für die Demokratie
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Wie auf einer Bauernleich - "Es war eine Erlösung" - kam es kei-
nem
"in den Sinn, das Ausscheiden der Politiker aus der Führung der
Türkei zu bedauern". (SZ-Riedmüller) "Gewiß wollten alle Politi-
ker nur das Beste für ihr Land. Alle wollten sie das Land
'modernisieren': Den Bauern gaben sie (!) Traktoren und dem Staat
eine schöne Verfassung." (SZ-Flottau)
Das war zuviel des Guten! - und so hat sich auch kein
(Presse-)Mensch aufgeregt, als der Demokratie in der Türkei der
Garaus gemacht wurde, während man gleichzeitig in der BRD noch
die letzte Oma an die Wahlurne hetzte. Schließlich konnte man vor
der "Krankheit des Mannes am Bosporus" schon lange nicht mehr die
Augen schließen. Monate vor dem Putsch wußte man, daß es so nicht
weitergehen könne, weil man die "Südostflanke der NATO" gefährdet
sah. Und weil man als Journalist wie der Oberbefehlshaber der
NATO darauf pocht, daß die türkischen Generale ihren Beitrag lei-
sten, damit sie nicht durch Sowjetgenerale abgelöst werden,
gleicht man die unfreundlichen Gefühle für sowjetische Panzer
durch viel Sympathie für türkische aus. So ein Panzer macht na-
türlich in Kabul einen ganz anderen Eindruck als in Istanbul, wo
die "Süddeutsche Zeitung" ein Bild der Idylle entdeckt:
"Die ganze Operation verlief unblutig, fast sanft (!) und vor al-
lem ohne große Aufregung. Schon einen Tag nach dem Staatsstreich
war das Leben in der Türkei ungewohnt friedlich... nur (!) die
aufgefahrenen Panzer demonstrierten die Macht der Generäle."
Wer sich erinnert, wie "bleiern die Ruhe über Kabul" lag und die
vor "Angst und Entsetzen starre Bevölkerung" gesehen hat, kommt
nicht umhin, den Putsch erleichtert zur Kenntnis zu nehmen, wofür
sich auch noch einige Argumente finden lassen: Erstens waren die
Türken noch nicht reif für die Demokratie:
"In über 100 Wahlgängen war es den Parteien innerhalb eines hal-
ben Jahres nicht gelungen, einen neuen Staatspräsidenten zu wäh-
len." (Süddeutsche Zeitung)
Das hat man davon, wenn man eine Entwicklung, zu der "wir" eine
ganze Geschichte brauchten, überstürzen will!
Zweitens war die Abschaffung der Demokratie ja ganz demokratisch
vorgesehen - für den Fall ihrer drohenden Abschaffung, der Putsch
also Demokratenpflicht.
Drittens ist der Kenan eine Seele von Mensch mit untadeligem Cha-
rakter, lauteren Absichten und guten Beziehungen zu den Amis: Er
will nur Ordnung schaffen, d.h. mit denen aufzuräumen, die einer
ordentlichen Herrschaft im Wege stehen.
Viertens hat er seinen Putsch
"schon lange angekündigt" - "Die Generäle hielten Wort."
(Süddeutsche Zeitung) -:
Wer nicht hören will, muß fühlen!
Und daß er es ehrlich meint, sieht man ja. schon daran, daß er
die führenden Köpfe nicht eingesperrt, sondern großmütig in "Ob-
hut" genommen und ihnen zu ihrem Schutz Villen zur Verfügung ge-
stellt hat. Wer möchte da schon kleinlich von den Gefängnissen
reden, an die einfacheres Volk sich ebenso wie an das Militär
schon lange gewöhnt hatten. Alles zu seiner Zeit und an seinem
Ort: Der Gulag spielt sich woanders ab. Und überhaupt hat man ja
gerade daran oft genug seine p r i n z i p i e l l e Menschen-
rechtlichkeit unter Beweis gestellt.
Merke: Wie im Traum beherrschen es Leute, die auf ihre Funktion
als "Vierte Gewalt" auch noch stolz-sind, jede Gewaltmaßnahme im
nicht verbündeten Lager mit höchsten Werten empört zu blamieren,
um energisch für Gewaltmaßnahmen des eigenen Staates und seiner
Freunde zu plädieren und so auch noch jede Brutalität als Lei-
stung für eben diese Werte zu feiern. Wenn so ein Staatsschreiber
hierzulande das Wort Frieden und Demokratie in den Mund nimmt,
dann nur, um öffentlich das Meinungsmesser gegen die Feinde des
Westens zu wetzen.
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