Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN ALLGEMEIN - In Freiheit gleichgeschaltet


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       Karikaturisten
       

MIT DEM GRIFFEL IN DER HAND...

Einverständnis mit den Taten der Politik(er) war schon immer die Basis bzw. das Ziel von Karikaturen in demokratischen Blättern. Weil die Zeichner, die zu ihrer Information sich immer nur die Leitartikel ihres Organs zu Gemüte führen (neben denen stehen sie dann auch in der Regel), an den Absichten der - besser: "unserer" - Staatsmänner kein Jota auszusetzen haben, riskieren sie die ge- wagte Kritik, ihnen persönliches Versagen bei dem Bemeistern der diversen Gräben und/oder sperrigen Personen - vorzugsweise der widerspenstig-verschlafene 'deutsche Michel' - anzurechnen. Klar, daß immer Schmidt/Genscher die Ärmel hochgekrempelt haben und gerade irgendein heißes Eisen anpacken, für das andere (die kleinen Zwerge der Opposition, bärtig-langhaarige Dauerdemon- strierer und schon immer der störrische Osten in seinen verschie- denen Bebilderungen) nichts als Fallstricke und Pfeile aus dem Hintergrund (gemein!) parat haben. Hauptsache, die Steuermänner unseres Staatsschiffes sind erstens klar erkennbar (Pferdegebiß, Haartolle, dicker Bauch, große Ohren: Genau, das ist er!) - auch die weniger kritischen Staatsbürger bestätigen sich so, daß s i e Bescheid wissen in der großen Politik - und zweitens etwas menschlich, weil ihre (eingebildeten) Schwierigkeiten bei der Durchführung der jeweiligen politischen Linie sie ein klein wenig straucheln lassen. Aber nur ein klein wenig! Denn noch alle demo- kratischen Karikaturen lassen bei aller Ungeschicklichkeit der Verantwortlichen die Lösung durch geschicktes Zupacken doch zu- mindest erahnen. Wäre doch wirklich gelacht, wenn es einem Schmidt nicht gelänge, sich gegen eine vielköpfige Hydra namens *** zu behaupten. Bild ansehen 'Darf ich Ihnen einen abnehmen?' Kein Wunder also, daß Politiker bei ihren Parties sich besonders gern mit der Creme der Karikaturistenzunft schmücken. Diese lei- stet ihnen natürlich gern auch diesen Dienst: Ihr Stolz gründet sich ja auf ihr bedingtes Dafürsein, mit dem sie die Tagespolitik der Macher - diese stehen nicht zufällig im Mittelpunkt des Kari- katuristeninteresses - in kleine Bildchen umsetzen. Eine wohlgefällige Betrachtung erreichen sie bei denen, die die Politik vom Standpunkt des Gelingens aus betrachten: Das schafft Anteilnahme mit den Politikern, die auf Inkonsequenz, Abweichen von den gemeinsamen Idealen, Nachgeben vor inneren und äußeren Gegnern etc. durchgecheckt werden. Eines der beliebtesten Argu- mente ist das vom 'Sachzwang' - will heißen (und genau so taucht es in den Karikaturen auf): Es gibt eherne Aufgaben und Gesetze der Politik, die es einfach verlangen, in die Tat umgesetzt zu werden. Geben die Politiker das Wort von der funktionsuntüchtigen Bundeswehr aus, schon arbeitet das Staatsbürger- und Karikaturi- stenhirn und produziert ein B i l d: Bild ansehen Loch im Budget Wer will da überhaupt noch einen Zweifel am Sachverhalt anbrin- gen? Der Karikaturist zeigt einen h i l f l o s e n Apel, der sich mit seinem Leopard im Milliardenloch befindet (Warntafel nicht beachtet, oder?) oder dem i r g e n d j e m a n d e i n L o c h in die Hose gerissen hat... Er, der Minister, ist auf jeden Fall exkulpiert, hat nichts zu tun mit der von ihm be- schlossenen Aufrüstung, im Gegenteil: Er versucht, das Loch zu flicken, etwas ungeschickt, aber immerhin usw. usf. Bild ansehen 'Hallo Apel, hören Sie mich? Hier Abschleppdienst Matthöfer!' Die wirklichen Opfer der Politik sind in den Karikaturen folge- richtig nur präsent als welche, die sich ihren Schaden wegen ih- rer Schlafmützigkeit selbst zuzuschreiben haben: Der "deutsche Michel" ist ein arges Problem für die Politiker, und nicht umge- kehrt, und wenn die Politik einmal zuschlägt, dann hat er es eben verdient: Bild ansehen Die Wahrheit einschenken Die platte Verherrlichung der Herrscher als Leute mit kleinen Schwächen, die deshalb umso liebenswerter sind, erinnert nicht zufällig an die saublöden Pennäler und Bürowitzchen, mit denen die Opfer von Schule und Beruf sich einverstanden mit den Chefs/ Lehrern und deren Aufgaben erklären - Karikaturisten liefern am laufenden Band die Übersetzung des gängigen Psychologenspruchs, daß der Mensch sich nach nichts so sehnt wie nach einer o r d e n t l i c h e n Führung. Neben die Idealisierung "unserer" demokratischen Führer tritt die Verteufelung all derje- nigen, die in irgendeiner Form etwas auszusetzen haben. Gerade Karikaturen sind die in Bilder umgesetzte Befolgung der Hauptauf- gabe der demokratischen Öffentlichkeit, die in der K r i t i k d e r K r i t i k e r besteht. Bild ansehen Das Tandem bremst auf freier Straß' Der Geißbock kennt da keinen Spaß! Schmidt als störrischer Geißbock, der sich Eppler und d e s s e n Zukunftspfad in den Weg stellt? Unmöglich, schließ- lich sitzt doch unser Kanzler entschlossen auf dem Tandem und weiß genau, was er will... Bild ansehen Der russische Bär Die talentierte Unterwürfigkeit der Karikaturisten, die sich schon in 'normalen' Zeiten darin beweist, die jeweils gebrauchten Feindbilder auszumalen, kommt so richtig zur Entfaltung, wenn es nur noch darauf ankommt. So wie es mittlerweile aus der Mode ge- kommen ist, Ölscheichs zu z e i g e n, wie sie den berühmten Hahn zudrehen, konzentriert sich die schöpferische Phantasie der Zeichner nun ganz freiwillig auf d a s gegenwärtig gefragte Feindbild. Es liegt in der Natur der Sache, daß sich der Karika- turistenkopf nicht übermäßig anstrengen muß: Der Russe ist t o l p a t s c h i g und will immer m e h r Bild ansehen US Power - Soviet Power (Machttrieb!) und am liebsten die ganze Welt auf einmal. Wen stört es da schon, daß Breschnew (zur Zeit der Paraderusse) sich im Falle Bild ansehen 'Ich warne, ich reagiere genau so hart wie auf Afghanistan!' Angolas ausgerechnet einen Elefanten einverleibt - der bringt's halt, weil er so schön groß ist und den mächtigen Appetit so richtig vorführt. Noch besser natürlich die direkte Übersetzung des unersättlichen Russen in dem nicht tot zu kriegenden Bären, der ja schon den Faschisten und der CDU in den glorreichen 50er Jahren seine Dienste geleistet hat; bzw. den hinterlistig finste- ren Dieb, der mit Maschinenpistole bewaffnet gerade Bild ansehen 'Nato-Doppelbeschluß? Wir sind beide dafür!' das Haus Polen überfällt, während der Wachmann (jawohl: die NATO) nur über ein kleines Holzschwert verfügt. Gerade auf diesem Felde werden Karikaturisten mit Begeisterung kritisch: Der Westen total unbewaffnet, während die waffenstarrende SU..., oder: W i r liefern Weizen, während die SU... Auch Kritik innerhalb des Bünd- nisses darf geäußert werden: Bild ansehen 'He Gentlemen, wollt ihr nicht lieber spielen?' Der Moloch NATO kann von unserem Helmut nicht genug kriegen, und überhaupt der Friedenskanzler: Der denkt immer nur an Entspannung und Abrüsten, während Mr. Reagan oder Jimmy Carter ihn nur behin- dern... Fürs bedingte Dafürsein genügt es eben, seinen Verstand in einem Bleistift zu haben. zurück