Quelle: Archiv MG - BRD MEDIEN ALLGEMEIN - In Freiheit gleichgeschaltet
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Falkland-Presseschau
KRITISCHE SOLIDARITÄT MIT DEM KRIEG
Es ist nichts Neues, daß in den gemütlichen Wohnstuben des Freien
Westens in regelmäßigen Abständen der beleuchtete Globus in Gang
gesetzt wird zwecks Lokalisierung des neuen "Konfliktherds". So
gesehen hat jeder nationale Idiot seinen Horizont in den letzten
Jahren beträchtlich erweitern können. Beim neuesten Gemetzel al-
lerdings beschränkt sich die Bereicherung nicht bloß auf geogra-
phische Kenntnisse: Jeder darf mit Herz und Verstand dabei sein
und mitmachen beim strategischen Nachdenken übers Schiffeversen-
ken und die Erfolge der Kriegsgegner auf seinem Globus mit bunten
Fähnchen markieren: das Spielmaterial liefert eine sach- und de-
tailverliebte Presse.
Und sie liefert noch mehr: Kritisch, wie es ihr Auftrag ist, las-
sen freiheitliche Journalisten sich nicht ohne weiteres für die
englische Politik vereinnahmen, sondern debattieren die "Krise"
im Südatlantik mit der ganzen "Unparteilichkeit" - des eigenen
nationalen Standpunkts, der sich vom "übertriebenen Patriotismus"
der Engländer zu distanzieren weiß.
Daß man (eine Demokratie, Europa, der Norden, eine Großmacht - je
nach Standpunkt) sich die argentinische Besetzung nicht bieten
lassen dürfe, wird ergänzt um und beschränkt durch den jeweils
nationalen Vorbehalt, daß man sich nicht für ein bloß englisches
Interesse einspannen lassen will. Und die jeweilige nationale
Mannschaft wird mit den Kriterien des gerechten Krieges vertraut
gemacht: Für welchen Zweck lohnt sich ein Krieg? Wieviel Tote
darf er kosten? Was springt für die eigene Nation raus? Wofür
würde sie einen Krieg führen? Wie wird er am besten geführt? Was
lernen wir für die Strategie daraus? Alle entdecken sie i h r
Falkland. Aber Falkland ist eben doch nicht i h r e. N u r
d a h e r rühren die Einwände gegen den Krieg der E n g l ä n-
d e r und i h r e n "Hurrapatriotismus".
Wir sind alle Falkländer
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Was Ertl, Genscher und Schmidt nicht zustande brachten - Europas
Bürger konnten es erstaunt zur Kenntnis nehmen -, die Besetzung
zweier bis dato unbekannter Inseln im Südatlantik schaffte es:
europäische Einigkeit mit den "europafeindlichen" Briten. Sofort
fand des Deutschen Spiegel-BILD zu einem neuen "Wir": Ganz euro-
päisch wurden historische Bezüge aufgemacht, die dem "Wir" - mit
Bravour bewältigte - völkische Bocksprünge abverlangten.
Wie einst gegen "uns" - "Sterben für Danzig", "Don't appease!" -
sollten "wir" nun... Hans Heigert von der "Süddeutschen Zeitung"
warf sich ins Zeug, als wäre er nicht nur - wie von der "Times"
postuliert - ein urwüchsiger Falkländer, sondern die Inkarnation
des Menschen, dessen Selbstbestimmungsrecht da mit Stiefeln ge-
treten wird und als machte er sich Sorgen um die Freiheit der
englischen Kollegen, ihre Meinung Schafzüchtern im Südatlantik
verkaufen zu können. Gehorsam lieferte seine Zunft in vielfacher
Ausfertigung den journalistischen Applaus zur britischen Frei-
heitsmission. Gewalt fordernde Solidarität war am Platze, wo eine
- wenn auch westliche, so doch subordinierte - Macht einem
"Partner" mit Gewalt gekommen war, Die Brutalität des britischen
Vorgehens rechtfertigt Heigert ganz wie ein prügelnder Vater aus
überstrapazierter Langmut mit den ungehorsamen Kindern. Die
"Großzügigkeit" Großbritanniens, nach jahrhundertelanger Koloni-
alherrschaft (der ganze Regimenter ihre "traditionsreichen" Namen
wie Gurkhas, Light Brigades etc. verdanken) die Kolonien nicht
mehr von London aus zu regieren, sondern das Nutzungsverhältnis
durch die Übergabe der Herrschaft an einheimische Potentaten neu
zu regeln, ist gerade einem Liberalen das selbstverständlichste
Argument fürs Zuschlagen:
"Großbritannien hat nach 1945 unendlich viel Langmut und Klugheit
(!) beim Verzicht auf seine imperiale Vergangenheit an den Tag
gelegt... Wer immer geduldig und nachgiebig ist, dem platzt ir-
gendwann der Kragen."
fm Namen "europäischer Vernunft" durfte sich dann der weltläufige
Rassismus austoben gegen Völker, die aufgrund ihrer Zugehörigkeit
zu einem mehr südlichen Kulturkreis an dieser Vernunft nicht
teilhaben. Die folgende vorbehaltslose Hetze gegen unzivilisierte
Untermenschen zeigt schon, daß Heigerts Vorbehalt kein grundsätz-
licher, sondern nur einer deutschen Desinteresses am Krieg der
Engländer ist.
"Auch von daher" (ihm ist neuerdings eingefallen, daß in Argenti-
nien ein Militärregime herrscht, das Menschen und Meinungen ver-
folgt) "darf es keinen Zweifel geben, wem die deutschen, die kon-
tinental-europäischen, die amerikanischen Sympathien gelten. Aber
gerade deshalb muß den Freunden in Britannien nun in den Arm ge-
fallen werden. Die Engländer sind nämlich keine Vietnamesen oder
Kambodschaner; Leute also (!), die sich in den vergangenen zwan-
zig Jahren auf eine Weise gegenseitig massakriert haben, die man
Völkermord nennen muß."
So eine hündische Bündnisseele kann gar nicht anders, als den
großen Bruder, der bei diesem Völkermord mit Napalm half, aus dem
Spiel zu lassen, um ihn den Opfern selbst anzulasten und so ge-
horsamst ein Stück längst fälliger Vergangenheitsbewältigung ab-
zuliefern.
Berliner sind keine Falkländer
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Er muß es auch, weil er sonst nur mühselig die "Sowjetrussen, die
in Afghanistan blutige 'brüderliche Hilfe' leisten", in die Rasse
der unvernünftigen Völker einreihen könnte, Inder und Irakis sind
ja auch solche.
"Von 'uns' indessen, und, mit Verlaub, die Briten gehören zum
'Wir' der Europäer, muß ein großes Quantum mehr Vernunft abver-
langt werden."
Wegen des "Wir" segnet er nochmal die Maßnahmen des Briten ab,
indem er sie in dichterischer Manier ihrer Gewalttätigkeit ent-
kleidet:
"Die empörte Reaktion der Briten auf den gewalttätigen Rechts-
bruch der Argentinier war verständlich. Auch ihre Drohgebärden
machten Sinn. Es war plausibel, daß sie auf dem weit entfernten
Eiland Südgeorgien wieder Soldaten an Land gehen ließen und den
U n i o n J a c k hißten; daß sie einen Ring um die Falklandin-
seln zogen und dabei zeigten, was sie haben."
Nach der offiziellen Definition, daß die gewalttätigen Argies
einen "Rechtsbruch" begangen haben, fallen ihm lauter liebevolle
Metaphern für britische Gewaltakte ein: Die Entsendung einer ra-
ketenstarrenden Flotte ist eine "verständnisvolle Reaktion",
"sinnvolle Drohgebärde"; die Besetzung Südgeorgiens ein Spazier-
gang auf ein "weit entferntes Eiland", und die Drohung, alles an-
zugreifen, was sich ohne englische Erlaubnis innerhalb einer 200-
Meilen-Zone bewegt, ist ein "Ring", um zu "zeigen, was sie ha-
ben". Und nur, um den Briten eins reinzuwürgen, nur weil im Süd-
atlantik keine Insel in einem deutschen Unrechtsstaat
"verteidigt" wird, nicht weil er mit den Konsequenzen der von ihm
verherrlichten Politakte nichts zu tun haben will, stellt er die
geheuchelte Frage:
"Aber mußten dann gleich Hunderte von Menschen sterben?"
Denn so blöd ist Heigert nicht, daß er nicht weiß, daß Kriegs-
schiffe vorwiegend mit Instrumenten versehen sind, die zu nichts
anderem taugen als Schiffe, die ja immer noch mit Soldaten be-
stückt sind, zu versenken. Die Frage nach dem Sinn des Sterbens
kann ja auch nur stellen, wer ganz genau weiß, wofür e r den
Soldatentod sinnvoll fände. Und schließlich will er auch nur das
"gleich" betont haben, denn:
"Nun (!) sollte es erst (!) mal genug sein."
Aber, um die "vernünftigen Briten" "mal" nur theoretisch in die
Nähe der "unvernünftigen Völker" zu rücken, um den "schwierigen
Partner" vom Thron des ersten Satelliten zu zerren, dafür taugt
der publizierte "Schock" allemal. Sein Kollege Dieter Schröder
verrät tags darauf, wo Deutschlands Falkland liegt und wann für
die "Süddeutsche Zeitung" gleichgeschalteter "Hurrapatriotismus"
in Ordnung wäre, indem er der gesamten englischen Politiker- und
Pressewelt entgegenhält: "Berliner sind keine Falkländer!" und
ihnen die Pflicht unterjubelt, für die Berliner genau das zu tun,
was er ihnen für die Falkländer lieber nicht erlauben will. Da
trifft es sich einfach gut, daß man in einem Staat eingeschrieben
und auf ihn eingeschworen ist, der seine Kolonien beizeiten ver-
loren hat; so kann man die ökonomischen und politischen Vorteile
der alten Kolonialmächte als "koloniale Überreste", die nicht
mehr in unsere "moderne" Welt passen, ins moralische Zwielicht
rücken und mit Ertl Beschwerde führen, daß die Engländer keine
Zugeständnisse im Agrarbereich machen:
"Großbritannien (wird) akzeptieren müssen, daß Solidarität in der
Gemeinschaft keine Einbahnstraße ist." (Die Zeit)
Je mehr die Militäraktionen gesteigert wurden, um so mehr bekamen
sie absurde Züge verpaßt:
"Das aberwitzige Duell zwischen einer martialischen Kleinbürgerin
in der Downing Street und einem Operetten-Nero in Buenos Aires.
Oh what a lovely war! Ein paar hundert Menschen sind am Einsatz
dieses gemischten Doppels gestorben. Die heiligsten Güter der
lange gedemütigten britannischen Nation stehen auf dem Spiel. Zur
Zerstreuung der arbeitslosen Untertanen wird gegeben: ein Krieg."
(Die Zeit)
Die Verlegung ins Feuilleton, die Kombination mit einer Filmbe-
sprechung paßt zu einer Beurteilung, die den Kampf um die Falk-
landinseln mal als "Farce", mal als "Wahnsinn" bespricht, aber
nicht ein einziges Mal auf den Gedanken kommt, die deutsche Un-
terstützung der "eisernen Lady" zu kritisieren. Und einer deut-
schen Gewerkschaft fällt zu dem ganzen Krieg nur ein, daß er kein
Beschäftigungsprogramm ist und daß die englische Regierung, statt
den "inneren Zündstoff" zu entschärfen, "leichtfertig" an der
"schwierigen Weltlage" herumzündelt:
"Auf der Flucht aus der inneren Krise spielen Argentinien und
England mit dem Feuer." "Es wäre wohl verfehlt, der Regierung
Thatcher generell unlautere Motive vorzuwerfen," (Das würde ein
Gewerkschaftler, der gegen Kritiker nicht bloß bei Vorwürfen
nicht zimperlich ist, für eine Sünde halten! Viel besser ist es
schon, sie zu entschuldigen:) "Beim Falkland-Konflikt aber sind
die internationalen Verwicklungen unvorhersehbar."
Wiederum ist es Heigert, der bei der Verächtlichmachung dieses
Kriegs die ideologische Maske der Friedenssicherung fallen läßt
und offen verkündet, welche Ansprüche er mit einem anständigen
Krieg verbindet:
"Ein Krieg mit Tausenden von Toten, vielleicht sogar (!) ohne
Sieger und Besiegte, wäre mehr als unmoralisch. Ein solcher Krieg
wäre, im englischen Sinne des Wortes, verrückt."
Wenn solch lebensgefährliches Moralistenpack hierzulande den
"Niedergang der britischen Presse" beklagt und den
"Hurrapatriotismus" und die "Gleichschaltung" auch der "seriösen"
Medien kritisiert, wenn es sich in der Karikatur über englischen
Fußballmob lustig macht oder über die Beschränktheit dieses
Kriegsspiels, dann ist dies eine ganz seriöse Schelte des briti-
schen Nationalismus, beseelt von einem nationalistischen Stand-
punkt, den zu übertreffen die "Bild"-Zeitung sich vergeblich be-
müht:
"Pfarrer Alfred Sommerauer: 'In einem alten Buch steht: Am deut-
schen Wesen soll die Welt genesen!' Die Welt muß von den Deut-
schen lernen."
Die deutsche Presse braucht also von der britischen nicht erst zu
lernen, wenn es mal für sie ernst wird. Zur Dummheit des Patrio-
tismus gesellt sich das Hurra ganz von selbst, sie schreit gera-
dezu danach.
Trikolore-Falkländer sicher im Griff
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Der Dritte im Bunde der Mächte auf zweiter Ebene fragt sich, d.h.
die Opposition die Regierung, natürlich gleich, ob Frankreich
nicht dieselbe Frechheit passieren könnte, weshalb der Konkurrent
sich französischer Solidarität sicher sein kann, und gibt sich
die befriedigte Antwort mit einem Blick über den Globus:
"Was die isolierten Inseln betrifft, die dem französischen Terri-
torium gehören, sind nur bestimmte Gegenstand von Streit und Zu-
rückforderung; nämlich die Iles Eparses in der Nähe Madagascars,
Mayotte in der Nähe der Komoren, Matthew und Hunter in der Nähe
der Vanuatus und Clipperton vor Mexiko. Unsere in den betreffen-
den Gebieten - vor allem im Indischen Ozean, im Stillen Ozean, in
Djibouti, auf Reunion, auf Mayotte und auf Tahiti - stationierten
Streitkräfte sichern auf permanente Weise die Verteidigung dieser
Territorien und sind mit allen Anweisungen bezüglich der im Fall
ihrer bedrohten Sicherheit zu ergreifenden Maßnahmen ausgestat-
tet." (Minister Jean-Pierre Cot)
Erstens ist damit sofort klargestellt, daß man gleichfalls auf
eine Präsenz verweisen kann, die sich sehen lassen kann. Zweitens
kann man Punkte damit machen, daß außerhalb der französischen Po-
litikergilde wohl von den meisten Lokalitäten kaum jemand je et-
was gehört hat, es also keine "Krisenherde" sind. Drittens ist
das deshalb so, weil man durch die permanente Präsenz französi-
scher Soldaten dafür gesorgt hat, daß man sie nicht erst hin-
schieben muß; weshalb man viertens stolz darauf sein kann, daß
sich an Indochina, Algerien, Tschad usw. kein Schwein mehr erin-
nert:
"Das heißt, daß für uns die Kanonenbootdiplomatie nicht aus-
reicht; es erscheint uns wichtiger, gutnachbarschaftliche Bezie-
hungen zu entwickeln und Bande zu knüpfen, die die französische
Souveränität politisch gewährleisten. Dazu müssen wir bestimmte
Fehler von früher aufgeben..." (ders.)
Ein Marc Plantegenest von "Le Monde" findet "Frankreichs Falk-
land", welche tatsächlich eine verblüffende Ähnlichkeit mit den
umstrittenen Inseln aufweisen. Allerdings schafft er es mühelos,
seiner Nation die geographische Lage als Verdienst gegenüber den
ungeschickten Engländern anzurechnen.
"Es ist unwahrscheinlich, daß Canada, eine friedliebende Nation
mit engen Beziehungen zu Frankreich, plötzlich beschließt, die
Inseln gewaltsam an sich zu reißen."
Wenn - dann wäre das ein Schock, den Frankreich sicher nicht so
ohne weiteres verwinden könnte, ein Fall, für den es jedoch wohl-
weislich vorgesorgt hätte, wie die Konkurrenz der Waffen im Süd-
atlantik besser als jeder Werbespruch demonstriert hat. Der Jubel
eines Dassault-Managers über den durchschlagenden Erfolg der
hauseigenen Exocet contra Sheffield war "Le Monde" allerdings et-
was z u laut, den stillen Stolz über das französische Präzisi-
onsprodukt konnte sie neben dem Räsonnieren über die allgemeine
Gedankenlosigkeit beim Verkauf und Umgang mit Waffen allerdings
auch nicht verbergen:
"Frankreich, die Mutter der Künste, der Waffen und Gesetze, er-
zielt schmeichelhafte Erfolge bei den Malvinen. Seine Flugzeuge
sind effektvoll und seine Raketen genau. Technisch gibt es keine
Vorwürfe. Wenn man schon (!) Waffen herstellt, soll man es auch
gut machen. Die Rakete, mit der die Sheffield zerstört wurde, ist
auf das System des 'fire und forget' (schieß und vergiß) aufge-
baut. Der Pilot schickt seine Waffe ab und kehrt um, ohne sich
weiter darum zu kümmern, Der Waffenverkäufer läßt sich vom selben
Prinzip leiten: Er exportiert und vergißt." (Le Monde)
Nichts also gegen die "Effektivität" eines solchen Dings - damit
hat sich's aber auch schon.
Die Falklands im Mittelmeer
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Die Nationen, die in der EG viel zu meckern, weil wenig zu melden
haben, hielten es auch diesmal so: Vorbehaltlos versicherten die
Regierungschefs den Briten ihre Solidarität; ein amtlicher Be-
schluß, dem die italienische Presse gerade dadurch folgte, daß
sie sich dagegen aussprach, die völkische Verbundenheit mit Ar-
gentinien (sieben Galtieris im römischen Telefonbuch!) und Groß-
britanniens "arrogante" Weigerung, bei den Nettozahlungen nach-
zugeben, ins Spiel zu bringen; dafür vermeldete sie aber empört
und stolz, daß die Briten auch im fernen Krieg Italiener unter
Beschuß nehmen:
"Der erste Gefallene in diesem Krieg war ein Italiener," (L
'Espresso)
Daß viele Italiener nach Argentinien ausgewandert sind, ist nicht
der Grund für italienische Distanz zum britischen Krieg - eine
patriotische Begründung ist es allemal. Und so hofft man, ein
Scheitern des britischen Unternehmens
"könnte Frau Thatcher untergehen lassen, und mit ihr die letzten
Stätten des englischen, imperialen Hochmuts." (L 'Espresso)
Dieser Antiimperialismus der Kleinmacht spekuliert darauf, daß
die eigene nationale Größe an Bedeutung gewinnt, wenn eine von
den größeren einen Kopf kürzer gemacht wird. Am ausgeprägtesten
findet sich dieser Standpunkt natürlich dort, wo man sich selbst
als Opfer englischer "Großmachtswillkür" wähnt: in Griechenland
zum Beispiel. Worauf kommt wohl ein Grieche angesichts des Falk-
landkriegs? Erraten! Wie immer landet er erstens gegen die Tür-
ken, zweitens gegen ihre "Kumpanen" und drittens mit der ganzen
Gewalt seiner alten Sprache auf Zypern. Daß die Engländer ihre
Flotte nicht für Zypern losschick(t)en, macht ihn so erbost; daß
hinter seiner Erregung nicht auch die Macht steht, sie in die Tat
umzusetzen, macht sie in den Augen der Untertanen von Herren, die
mehr Gewalt repräsentieren, so lächerlich:
"England hat geschwiegen und schamhaft sein Gesicht versteckt
(obwohl es 'Garantiemacht' war), als die türkische Flotte gegen
Zypern losstürmte, als türkische Streitkräfte die halbe Insel be-
setzten und der löwenherzige Attila nicht 2000 Siedler, sondern
200000 Einwohner von Haus und Hof vertrieb, die seit Jahrhunder-
ten mit der Insel verwurzelt sind." (TA NEA)
Und während die Griechen sich beschweren, daß "2 Felsen und ei-
nige Hundert Einwohner" und nicht i h r e Region mit einer bri-
tischen Einsatztruppe beehrt wurden, freuen Spanier sich köstlich
über die Invasion der Argentinier: Könnten sie sowas nicht für
den Felsen, den sie von den Briten verlangen, organisieren? Die
Falklands heißen deswegen auch nicht griechisch despektierlich
"Felsen", sondern recht parteiisch "Malvinas". Allerdings will
spanischer Nationalstolz sich nicht ungezügelt austoben, weil
nämlich amtlich "europäische Solidarität" geboten ist:
"Was das Thema der Malvinas angeht, so befindet sich die spani-
sche Regierung in einer schwierigen Situation. Einerseits, mit
der Gibraltarfrage im Auge, unterstützt Spanien den argentini-
schen Anspruch auf die Inseln. Aber andererseits, als europäi-
sches Land vor seine Beitritt zur NATO und mitten in Verhandlun-
gen über einen Beitritt zur EG, kann sich Spanien nicht einem
Staat entgegenstellen, der Mitglied beider Organisationen ist,
wie Großbritannien." (El Pais)
So relativieren sich jahrhunderte alte Freundschaften und Feind-
schaften an ganz praktischen nationalen Zwecken. Die Presse ver-
mittelt die aktuell geforderte nationale Orientierung des Spa-
niers, indem sie "Schwierigkeiten in der Regierung" breittritt,
die sich wegen der "drohenden Verarmung der Fußball-WM" wirklich
jeder zu Herzen nehmen kann.
Quod licet Jovi...
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Was wäre Europa schon ohne die Supermacht jenseits des großen
Teichs - das läßt ein Amerikaner raushängen, wenn er seinen Anti-
imperialismus für den Imperialismus in Bewegung setzt:
"Laßt den Argentiniern die Inseln... Großbritannien ist kein
Weltreich mehr. Es ist nicht mehr the fleet and Light Brigades
(Eliteeinheit im Krimkrieg) and stupid little wars um unbedeu-
tende Länder. Tatsächlich ist es eine von ökonomischen Krisen ge-
schüttelte Demokratie und sollte seine Kräfte benutzen, um den
Briten das Leben zu verschönern" (wie in den USA!), "statt gegen
Argentinien wegen ein paar Inseln zu kämpfen, die es nicht
braucht und wahrscheinlich gar nicht haben dürfte." (Washington
Post)
Die Weltmachtlogik ist auch einem kritischen "Post"-Schreiber das
Selbstverständlichste von der Welt: Erstens: Wofür sich ein Krieg
lohnt, bestimmen die USA. Zweitens haben die Briten spätestens
seit der Monroedoktrin im Südatlantik nichts zu suchen, weil den
die Amerikaner den Amerikanern versprochen haben. Drittens ist
Großbritannien eben keine Weltmacht mehr, an diese Stelle ist der
Weltpolizist getreten. Und viertens sollte England seine Ökonomie
für die Konflikte sanieren, die für die Supermacht die wichtigen
sind, die nämlich, die unter dem Firmenschild "Freiheit und Wohl-
stand" für den Ostblock aufgemacht werden. Andernfalls fühlt sich
ein US-Kommentator an die Marx-Brothers erinnert und fürchtet,
der Verbündete könne zu einer "comic-opera nation" werden:
"...ein blöder Krieg wegen ein paar blöder Inseln aus Gründen,
die nicht das Leben eines einiges Menschen wert sind. It's a
farce. Send in the fleet. Freedonia rules the waves."
Kriegsgewinnler
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Bei aller geheuchelten Verständnislosigkeit, die demokratische
Begutachter für diesen Krieg aufbringen ("Der absurde Krieg um
die Falklands" - "Spiegel"-Titel) - wie er am besten zu
f ü h r e n ist, darüber wissen sie Bescheid. Keine Zeitung, die
nicht die genauesten Geländeformationen von Süd-Georgien und von
den Falklandinseln graphisch vermerkt, die Kapazitäten der Gegner
gegenüberstellt und die "Optionen" der Briten: große Invasion
oder kleine Invasion oder Taktik der "Nadelstiche" (gemeint sind
damit die sonntäglichen Bombardements der Landefläche)? Welche
Chancen und Risiken birgt ein Angriff auf das Festland? Was sagt
das Weltgewissen dazu?
Bei dieser Gelegenheit tun sich diesen Fachleuten reihenweise
Sachzwänge auf, in die sie die Entscheidungen vor allem der bri-
tischen Regierung verfabeln. Das "Weltgewissen" ist so einer. Da
muß z.B. s c h n e l l gehandelt werden, damit "es" nicht
"einschläft" und ein paar Tote als zu viel erachtet, nur weil
sich die Briten wie 1914 die Österreicher zu viel Zeit für ihre
Exekution genommen haben. Zu fragen ist deshalb immer auch, wie-
viel Tote ihr Weltgewissen verträgt und ob ausgleichende Gerech-
tigkeit ("Belgrano" contra "Sheffield") wieder beruhigend wirkt,
weil das Gesetz der internationalen Moral die Verluste auf beiden
Seiten fein säuberlich bilanziert und etwaige Überhänge über die
Einbeziehung weiterer Faktoren (Rechtsansprüche, Erdölvorkommen,
nationale Ehre) auf ihren "Sinn" befragt werden.
Vor allem gibt es da "technische Zwänge".
Angefangen damit, daß der englischen Regierung, nachdem sie die
Flotte einmal losgeschickt hat, "nur noch 14 Tage Zeit zum Ver-
handeln" bleiben. Einmal unten angekommen, gehorcht die Flotte
nicht mehr dem Diktat von Downing Street No. 10, sondern dem der
Generale (so Tony Benn) und diese den Besonderheiten von Klima,
Seegang und Geländeformationen. So sehr teilen solche Menschen
die politische Logik, daß sie umstandslos den W i l l e n der
britischen Regierung, Argentinien durch kalkulierte Drohung zum
Einlenken zu bewegen, als einen Zwang behandeln, unter den sich
die britische Regierung gestellt hätte. Die "Frankfurter Allge-
meine" teilt Frau Thatchers Dogma:
"Es hat keinen Sinn, die Flotte runterzuschicken und dann davor
zurückzuschrecken, sie auch einzusetzen", so sehr, daß sie den
speziell deutschen Nationalismus gleich ungerechterweise der Un-
fähigkeit verdächtigt, "wahren Patriotismus" an den Tag zu legen:
"Reden wir davon, wie das öffentliche Westdeutschland, jedenfalls
Teile seiner politischen Elite, offensichtlich durch die engli-
sche Reaktion, den Krieg nicht bloß anzudrohen, sondern damit
Ernst zu machen, in mehrfacher Hinsicht überfordert wurde."
(Frankfurter Allgemeine Zeitung)
Die FAZ betrachtet den Falklandkrieg schon unmittelbar als Nagel-
probe für wirkliche Kriegsbereitschaft der deutschen Öffentlich-
keit und bezichtigt deshalb den nationalen Vorbehalt des Pazifis-
mus und der "verweichlichten Mainzelmännchenmentalität", "tief
verankert" im Volkscharakter (im Gegensatz zum französischen
Liebhaber, der zum Degen greift, verschwinde der deutsche durch
die Tapetentür) und Geschichte ("zwei verlorene Kriege"). Darum
fürchtet er, daß die Deutschen "für gar nichts", jedenfalls für
kein Prinzip zu sterben bereit sind. Nichts ist dann selbstver-
ständlicher als daß die Flotte - einmal unten angekommen - auch
schießen m u ß, weil ja die Argentinier immer noch auf Falkland
sitzen, welche übrigens nicht abziehen können, weil sie sie be-
setzt haben.
Das Publikum kennt sich mittlerweile im Südatlantik besser aus
als in der eigenen Heimat. Jeder deutsche Fernsehzuschauer weiß,
was es heißt, um diese Zeit im Südatlantik eine Flotte zu über-
wintern (Rußlandfeldzug!) - da braucht ihm der Moderator des
"Weltspiegel" nur das "Stichwort" zu geben und einen Walter Hel-
fer zu fragen:
"Das bringt mich zu der Frage - Stichwort Wetter -: Für wen
spielt die Zeit:"
Und Walter Helfer, leicht vornübergeneigt, mit gewichtig zusam-
mengekniffenen Augen und einer Mundpartie, zerfurcht wie die
stürmische Südsee, antwortet:
"Die Zeit spielt im Grunde für beide Seiten. Für die englische
muß man sagen, daß man sich für zwei Optionen entscheiden muß:
Entweder eine sofortige Landung auf den Falklandinseln" (hier ein
Stoß mit dem Bleistift von oben nach unten vorne), "die das Ri-
siko hat, daß dort britische Soldaten ums Leben kommen können;
oder man wartet noch ein bis zwei Wochen, bis die Flotte sich ge-
sammelt hat. Es sind ja noch eine Reihe von Schiffen im Anmarsch
in den Süd-Atlantik. Und man hätte dann die Möglichkeit, in der
Zwischenzeit einen Abnützungskrieg gegen die argentinischen Be-
satzer auf den Falklandinseln zu unternehmen, etwa sie 24 Stunden
in Alarmbereitschaft halten durch guerillaartige Einsätze gegen
die argentinischen Positionen auf den Falklandinseln, um damit
die Argentinier zu ermüden."
Beim letzten Einfall, die argentinischen Soldaten durch ständige
Alarmbereitschaft ganz friedlich einzuschläfern, legt der Spezia-
list den Kopf ganz quer. Dennoch fällt ihm zum "Zeitfaktor"
nichts mehr ein, nachdem er seine "Optionen" losgeworden ist.
Und so werden denn immer häufiger die regelmäßigen militärischen
Aktionen der Engländer mit der "Wetterbedingtheit" (Tagesschau,
15.5.) "erklärt" und kein Mensch kann sich wenigstens darüber
noch aufregen; schließlich weiß man ja, daß Galtieri eben darauf
spekuliert haben soll - und da geschieht es ihm nur recht!
Diese offene Parteinahme für den Einsatz staatlicher Gewalt -
vorausgesetzt, sie verfolgt Zwecke, die dem eigenen Staat oder
seinem Lager dienlich sind - findet ihren Ausdruck in der detail-
lierten Aufrüstung der in Stellung gebrachten und angewendeten
Kriegsgeräte, die einem Waffennarren alle Ehre macht. Tag für Tag
sind die Zeitungen und Bildschirme voll von Kriegsschiffen, Flug-
zeugen und Raketen. Daß es sich nur um Archivbilder handelt, wird
bedauert, vor allem den Briten wirft etwa die Süddeutsche Zeitung
eine "restriktive Informationspolitik" vor, während ja die Argen-
tinier immerhin - wenn auch zu spät - die absaufende "Belgrano"
geliefert haben! "Echte" Schlachtenfotos wären auch für ein
"seriöses" Blatt ein Knüller. Mangels solchen Materials begnügt
sich die Süddeutsche mit der klitzeklein ausgemalten Beschreibung
der Ausstattung der versenkten "Belgrano":
"Der Kreuzer hat eine Bewaffnung von 72 Seacat-Boden-Luft-Rake-
ten, 15 15,5-Zentimeter-Geschützen in fünf dreiläufigen Geschütz-
türmen, acht 12,5-Zentimeter-Geschützen..."
K r i t i k sieht ganz konsequent so aus:
"Die sekundenschnelle Vernichtung eines 150 Millionen Mark teuren
Schiffes durch eine Rakete, die für weniger als ein dreißigstel
Prozent dieses Preises zu haben ist, zwingt auch dazu, die Ratio-
nalität der eigenen Rüstung und der Prioritäten im Verteidigungs-
etat zu überdenken... Ist es wirklich sinnvoll, für hunderte von
Milliarden Mark immer kompliziertere Panzer oder Flugzeuge zu
entwickeln und zu produzieren, wenn die Abwehrwaffen ständig raf-
finierter und billiger werden?" (Die Zeit)
Die Dummheit, Kriege einem ökonomischen Kalkül dieser Art zu un-
terwerfen - so betrachtet wäre Waffenproduktion immer "unsinnig"!
- taugt immerhin dazu, ihren Grund unbefragt abzusegnen. Denn
"brauchen" tun "wir" solche Dinger auf jeden Fall. Und wozu ist
mehr denn je keine Frage mehr. Denn wenn "unsere Panzer und Flug-
zeuge" durch "Abwehrwaffen" erledigt werden, dann sind sie eben
"Angriffswaffen" - womit diese idiotische Unterscheidung auch
noch vom Tisch wäre. Grund zur Freude ist das allerdings nicht,
beinhaltet sie doch ein Eingeständnis, das der Falklandkrieg im-
mer deutlicher zum Vorschein bringt: daß Friedenssicherung eine
sehr gewalttätige Angelegenheit und Diplomatie und Gewalt kein
Gegensatz ist: Man hat sich daran gewöhnt, Meldungen folgender
Art zur Kenntnis zu nehmen:
"Chancen für Verhandlungslösung... zwei argentinische Flugzeuge
abgeschossen.... 'Queen Elizabeth' mit 3000 Mariners auf dem Weg
in die Südsee." (ZDF)
Und deshalb folgt einer solchen Nachricht auch im Kommentar die
Frage, ob die militärischen Aktionen einen und welchen Einfluß
auf die "Verhandlungslösung" in dieser "Krise" haben. Wenn es
darauf ankommt, daß Gewalt das Mittel der Diplomatie ist, ist es
ihnen selbstverständlich, daß sie sämtliche militärischen Aktio-
nen unter dem Gesichtspunkt der Friedensstiftung verhandeln und
durch die Eskalation der Gewalt keine einzige Ideologie vom frie-
densstiftenden Charakter der Politik in Frage gestellt ist.
So sachlich und emotionslos wie diese Burschen das Geschäft des
Tötens im staatlichen Auftrag als Optionen ihrer abwägenden Be-
trachtung unterziehen, so werden sie dann auch kriegsberichter-
statten, wenn es um einen Krieg geht, den sie für sinnvoll hal-
ten, weil er von der e i g e n e n Herrschaft angeordnet ist.
Die Engländer mit ihrem "vorbildlichen Pressewesen" dank
"westeuropäischer Vernunft" haben schon jetzt Gelegenheit dazu.
***
Ein oppositioneller, argentinischer,
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friedliebender Held der westlichen Welt
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muß man sein, um für ein kritisches, deutsches Nachrichtenmagazin
ein "Spiegel-Interview" geben zu dürfen:
"Ich bin weder ein offizielles noch ein offiziöses Sprachrohr.
Alles, was ich tue, tue ich in meiner Eigenschaft als Argentinier
und als Träger der Friedensnobelpreises."
Kein Propagandist der Gorillas also, vielmehr ein Vertreter des
anderen Argentinien, Kronzeuge seit langem gegen die plötzlich so
aufmerksam registrierten Greueltaten argentinischer Militärs,
denen diese mit dem Überfall auf die Malvinen eine weitere hinzu-
fügten, indem sie handelten, ohne das Volk zu fragen.
"Wir sind einfach eines Morgens aufgewacht und sehen uns einer
vollendeten Tatsache gegenüber. Bedenken Sie die Lage in Argenti-
nien: Wir haben kein Parlament, das Volk hat keine Entscheidungs-
gewalt und keine direkten Informationsmöglichkeiten. Wir, das
Volk, sind nur Zuschauer, nicht Akteure."
Insofern ganz Mann des Westens, daß ein Krieg seine Weihe durch
das Vorhandensein eines Parlaments erhält, das bekanntlich vorher
das Volk nach seiner Zustimmung zum Krieg fragt, kann der argen-
tinische Demokratiefan jetzt unverdächtig auf die Historie, ihren
Fortschritt und damit auf einen Nationalismus pochen, dem es im
Gegensatz zu den auf 'Augenblickerfolge' angewiesenen Generälen
am langen Atem nicht fehlt:
"Schon seit 149 Jahren verlangen wir (!) die Souveränität für die
Malvinen, ein Überbleibsel der Kolonialzeit in Lateinamerika, das
sich bis heute gehalten hat. Bereits als Kinder in der Schule ha-
ben wir gelernt..."
Bei einer solchen Tradition sind die gegenwärtigen Exekutoren des
geschichtlichen Auftrags freilich nur ein Staubkorn, die jubeln-
den "Zuschauer" vor dem Präsidentenpalais und die schießenden
"Nichtakteure" auf den Schiffen moralisch aus dem Schneider, die
gerade in ihrer Zustimmung zu der Staatsaktion ebenso wie Esqui-
vel selbst das Kunststück vollbringen sollen, Galtieri eben
"nicht zu unterstützen".
Dem "Spiegel" ist es recht, denn Esquivel vertritt in seiner Di-
stanzierung von dem argentinischen Regime die Lösung des Kon-
flikts, die eh herauskommen sollte und soll, aber ohne
'Demütigung' des britischen Imperialismus und ohne unnötige
'Reibungsverluste' in einem 'anachronistischen' Krieg. Daß über
kurz oder lang Argentinien als nicht ganz unwesentlicher Statt-
halter eines 'südatlantischen Verteidigungspaktes' die Souveräni-
tät über den häßlichen "Pickel" Falklands erlangt, steht ja außer
Frage. Es braucht nur einen willigen, nicht so vorwitzigen Ver-
handlungspartner. Beflissen wird dem besseren Argentinier der
Ball des besseren Antikommunisten hingespielt:
"Spiegel": "Beunruhigt Sie die jähe Unterstützung Argentiniens
durch die Sowjetunion in der Malvinenfrage nicht:"
Esquivel: "Das ist ein weiteres ernstes Problem. Mich erstaunt
auch, daß der argentinische Wirtschaftsminister Roberto Alemann
plötzlich die Sowjetunion antiimperialistisch nennt. Das ist wohl
ein Fall von Gedächtnisschwund, und ich möcht' ihn daran erin-
nern, daß die Berliner Mauer eine Beleidigung der Menschenwürde
ist..."
Angesichts dessen, daß sich die argentinischen Gorillas ihre
Frechheit gegen Großbritannien deshalb herausnehmen zu können
glaubten, weil sie auf dem besten Wege waren, sich als der
Schutzwall gegen den Kommunismus in Lateinamerika zu profilieren,
präsentiert sich Esquivel als das leibhaftige Gewissen seiner
Diktatoren, das ihnen noch jeden taktischen Schachzug im Ver-
handlungspoker als Abweichung von der reinen antikommunistischen
Linie vorzurechnen weiß.
Doch der eigentliche Schlager, mit dem sich dieser Idealist eines
demokratisch geläuterten Nationalismus als möglicher Verhand-
lungsführer nach erfolgter Seeschlacht geradezu aufdrängt (der
auch schon mit seinem Außenminister gesprochen hat und als sol-
cher nicht zuletzt vom "Spiegel" entdeckt wurde), ist natürlich
die notorische Freiheitsliebe, mit der er seine Argentinier in
den Krieg begleitet:
"...würden Sie sich auch als Freiwilliger melden:"
"Nein. Ich würde dafür arbeiten, daß der Preis an Menschenleben
so gering wie möglich gehalten bleibt, wenn Blutvergießen sich
denn tatsächlich nicht vermeiden lassen sollte."
Ein solcher Mann, Friedenspreisträger und Patriot, mag zwar nicht
tauglich sein für die ganz normale Unterdrückung, die die Ge-
schäfte des Imperialismus in Lateinamerika verlangen, doch die
dafür nötige Herrschaft wieder salonfähig im Westen zu machen,
dieser schönen Aufgabe verweigert sich dieser Friedenshänger si-
cher nicht: "Wir wollen, und wir werden weitermachen wie bisher."
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Unwiderlegbare Dummheiten
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Es handelt sich um Gegner, wovon der eine 110 Jahre keinen Krieg
geführt und der andere keinen bedeutenden verloren hat. Das macht
den Konflikt so brisant. ( Bayerischer Rundfunk)
Kleinere Konflikte... sind viel schwieriger in den Griff zu be-
kommen. (Süddeutsche Zeitung)
Eskalation droht, weil nicht eskaliert wird, da angeblich die
Atombombe nicht eingesetzt werden kann (= "unter der Atom-
schwelle"). (ebenda)
Frau Thatcher hat mit der Entsendung der Truppe die Kontrolle
verloren. (Tony Benn) Machen wir uns bitte ganz klar, daß in Lon-
don vier Politiker Entscheidungen treffen, von denen der Vertei-
digungsminister ein klassischer Versager ist, der Außenminister
ein klassischer Gegner und potentieller Nachfolger) seiner Pre-
mierministerin, und die Premierministerin eine selbstgerechte
Hausfrau. ( Rudolf Augstein)
We are all Falklanders now. (The Times)
Berliner sind keine Falkländer. (Süddeutsche Zeitung)
Engländer sind keine Vietnamesen und Kambodschaner. (Süddeutsche
Zeitung)
The British attack has come as a complete surprise to me. (Ronald
Reagan nach dem Bombardement des Flughafens in Port Stanley)
Eine Invasion bedeutete Blutvergießen. Ist die öffentliche Mei-
nung daheim in England auf so ein Blutvergießen vorbereitet?
(Washington Post)
Auch wenn es furchtbar klingt: hundert Jahre Bonner Alltag sind
immer noch besser als ein Tag Krieg. (Die Zeit)
Sensationelle Stimmengewinne der Konservativen. (alle)
***
"Horst Friedberger (44), Souffleur, Berlin:
Ich find's gut, daß die Engländer mal aufräumen. Die Argentinier
haben sowieso keine Chance. Man darf sich eben nicht mit einem
Löwen anlegen, wenn man eine Maus ist." (Aus der BILDZEITUNGs-Um-
frage vom 4.5.1982)
"Horst Beier (40), Elektrotechniker, Hamburg:
1800 Einwohner, ein paar tausend Schafe, immer Winter - da lohnt
doch kein Blutvergießen. Die Amis helfen den Tommys, Rußland un-
terstützt Argentinien, und rums ist der große Krieg da."
"Irmgard Pedall (35), Floristin, Hamburg:
Natürlich müssen die Engländer kämpfen. Wenn uns die Argentinier
Sylt wegnehmen würden, müßte die Bundeswehr ja auch was tun."
"Eine gewaltige Explosian
Luftwaffen Hauptmann Bertie Penflod (35) traf ebenfalls: 'Eine
'Mirage' feuerte eine Rakete, und mein Kamerad zog abrupt weg, um
ihr auszuweichen. Das brachte mich in Schußposition. Ich feuerte
eine 'Sidewinder' - und drei Sekunden später traf sie. Es gab
eine gewaltige Explosion. So etwas ist gerade für einen Piloten
ein schrecklicher Anblick. Aber es mußte getan werden." (BILD vom
4.2.1982)
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