Quelle: Archiv MG - BRD KIRCHE - Vom Mißbrauch des Verstandes durch den Glauben
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Bremer Hochschulzeitung Ausgabe Naturwissenschaft, 23.06.1980
SPINNT DER PAPST?
Wie immer, so ist auch in diesen Tagen der Polen-Paul aus Rom
wieder auf Achse, mit unser aller Kirchensteuergroschen. Die
ganze Menschheit, besonders die Naturwissenschaftler, hat er in
Paris gewarnt, damit sie endlich aufhören, sich an der Zerstörung
der Welt zu schaffen zu machen. Wo aber sitzen die gemeinen Bur-
schen, die den Erdball in die Luft jagen wollen? Sind's die Phy-
sikstudenten? Oder eher ihre Wasserträger aus der mathematischen
Abteilung? Der alte Kirchenfürst tut ziemlich gekonnt so, als
hätte er hier, im Felde der Naturwissenschaft, die Leute gefun-
den, die an dem Ast sägen, auf dem wir alle sitzen. Dabei kennt
doch jeder den kleinen Unterschied zwischen Leuten, die von Be-
rufs wegen Atombomben erfinden und solchen, die beschließen, wann
sie auf wen geworfen werden, oder? Trotzdem, die Sache ist ganz
diplomatisch gedacht: man kann schließlich kein Berufsverbot für
die Bombenwerfer in den höchsten politischen Ämtern fordern, wenn
man sich von ihnen grandiose Empfänge und viel Sympathie bieten
lassen will. Viel leichter ist es da, die Wissenschaftler daran
zu erinnern, daß ihre Arbeiten schon längst nicht mehr am "Wohl
der Menschen" ausgerichtet sind. Aber wäre es nicht wenigstens
konsequent gewesen, für diese Sorte Totengräber der Menschheit
bei Giscard oder Helmut Berufsverbot zu fordern? Stattdessen
kommt aus Rom die Aufforderung, so weiterzumachen wie bisher und
davor die Ethik zu setzen. Aber auch dabei wird sich der Alte et-
was gedacht haben: ohne die naturwissenschaftliche Elite der Na-
tion steht es auch wieder schlecht um seine politischen Freunde.
Seiner moralischen Verpflichtung als katholisches Gewissen der
Weltgeschichte hat der Mann jedenfalls genüge getan. Mit den Ma-
chern der Weltgeschichte hat er es sich nicht verdorben; ihren
wissenschaftlichen Zuarbeitern hat er ein Angebot unterbreitet,
mit dem sie ihren Auftrag weiter erledigen können. Man muß sich
nur zu jeder bakteriologischen oder nuklearen Waffe, die man beim
Verteidigungsminister einreicht, noch ein Gewissen zulegen, welch
fürchterliche Wirkungen die eigenen Erfindungen zeitigen, wenn
sie in die falschen Hände geraten (am besten vom Labor gleich in
den Beichtstuhl). An ihren Gewissensqualen zugrundegehen wird die
naturwinenschaftliche Intelligenz dabei wohl nicht. Schließlich
arbeitet man nur für die richtigen Hände und nicht die Verteidi-
gungsministerien fremder Länder.
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Papst appelliert an Wissenschaftler
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Paris (dpa). Papst Johannes Paul II. hat gestern eindringlich die
ganze Menschheit und vor allem die Wissenschaftler, vor der Zer-
störung der Weit gewarnt. In einer Rede vor der Organisation der
Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur
(UNESCO) in Paris rief der Papst am letzten Tag seines viertägi-
gen Besuches in Frankreich wegen der schrecklichen Bedrohung, die
auf der Menschheit lastet dazu auf, in allen Bereichen der Wis-
senschaft, und vor allem in den Naturwissenschaften, die Ethik
voranzustellen. Angesichts der herrschenden Unsicherheit könne
eine Störung des zerbrechlichen Gleichgewichts schnell zu einem
Krieg führen, der unweigerlich den Einsatz von Kernwaffen bein-
halte, sagte der Papst. Die ganze Zukunft der Menschheit sei da-
mit radikal bedroht. Der Papst zählte als Beispiel für eine nicht
mehr am Wohl der Menschen ausgerichtete Wissenschaft genetische
Manipulationen, biologische Experimente, chemische, bakteriologi-
sche und nukleare Waffen auf. Zum Abschluß seines Besuchs in
Frankreich forderte der Papst die Katholiken auf, in "ihrem mis-
sionarischen Eifer nicht nachzulassen". WESER-KURIER 3.6.80
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