Quelle: Archiv MG - BRD KIRCHE - Vom Mißbrauch des Verstandes durch den Glauben
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Wochenschau
DER PAPST IN SPANIEN
Der geschlossene Volksjubel für Woityla in spanischen Städten und
Wallfahrtsorten ist ein Beweis für die prinzipientreue Flexibili-
tät, mit der die Kirche ihr Geschäft mit allen Änderungen der
Machtverhältnisse und über diese hinweg am Laufen erhält. Weil
ihr Reich nicht von dieser Welt, segnet sie auf dieser die Henker
und tröstet die Opfer: So hat sie in Spanien den nahtlosen Über-
gang von der Staatsreligion im faschistischen Staat zum religiö-
sen Überbau der Demokratie so erfolgreich absolviert, daß sich
ihr Chef jetzt von den amtierenden Demokraten und den oppositio-
nellen Faschisten gleichermaßen huldigen lassen kann. Was Rom am
Faschismus schätzte, das bedingungslose Festhalten an der Chri-
stenmoral in der Familie qua Staatsgesetz, das predigt der Papst
jetzt den Demokraten, die von ihrer geplanten Lockerung des Ab-
treibungsverbots lassen sollen. Als Demonstration moderner Tole-
ranz räumt der Pole jetzt ein, daß die spanische Inquisition sich
mit ihren Ketzerverbrennungen "Spannungen, Irrtümer und Aus-
wüchse" habe zuschulden kommen lassen. Als P o l i t i k e r
ist Woityla mit ähnlich vorsichtigen posthumen Korrekturen am Se-
gen seiner Pfaffen für die Waffen Francos noch zurückhaltend: Im
Gegensatz zur Heiligen Inquisition hat der Faschismus in Spanien
eventuell noch eine Zukunft.
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