Quelle: Archiv MG - BRD KIRCHE - Vom Mißbrauch des Verstandes durch den Glauben


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AUCH KÜNG IST NICHT UNFEHLBAR

Auch wenn derzeit die Zeitungen immer noch mit viel Anteilnahme aber den "Fall Küng" berichten, muß man erst einmal rein theore- tisch sagen, daß es sich beim Streit dieses Herrn mit seinen geistlichen Vorgesetzten doch um eine Angelegenheit handelt, die eigentlich so viel Aufmerksamkeit gar nicht verdient. Denn 1. ist der Vorgang der Entziehung der Lehrbefugnis des Herrn Küng für sich betrachtet ja eine ganz normale Sache. Denn immerhin wurde Herr Küng von den geistlichen Herrn ja auf seinen Lehrstuhl gehievt, damit er von dort i h r e n Senf verbrät, weswegen man es den Kuttenträgern natürlich auch nicht übel nehmen kann, das sie Herrn Küng, nachdem sich herausgestellt, hatte, daß er dies ganz offensichtlich n i c h t tut, jetzt den Laufpaß gegeben haben. Und zwar umso weniger, als solche Praxis hierzulande ja nicht nur auch bei staatlichen Stellen üblich ist, sondern ganz einfach auch deshalb, weil Herr Küng durch s e i n Berufsverbot ja nicht einmal irgendwelchen Schaden nimmt. Schließlich bleibt dieser Mann Professor, sein nächstes Buch wird nach dem ganzen Tam-Tam wieder ein Bestseller, und der psychische Schaden, den Herr Küng erlitten hat, ist ja wohl auch nicht sehr groß. Denn im Unterschied zu früher gewährt ja heutzutage auch die katholische Kirche Glaubensfreiheit und hat deshalb dem Abweichler Küng weder aus ihrer Gemeinschaft der Scheinheiligen hinausgeschmissen, noch dem Herrn Professor seinen priesterlichen Rock ausgezogen. Von wegen also "Verletzung der Menschenrechte"! 2. steht der Wirbel um den Fall Küng aber nicht nur in einem gewis- sen Mißverhältnis zu dem Anlaß, auf den er sich bezieht. Wenn man nicht gerade auf den Kopf gefallen ist, muß man auch sagen daß der S t r e i t selbst, den Herrn Küng mit den ihm vorgeordne- ten Kuttenträgern nun schon 10 Jahre führt, für sich betrachtet, auch eine etwas kuriose Angelegenheit ist. Dieser Streit wird ja wirklich um Sachen geführt, die einen Streit gar nicht lohnen - was sich im übrigen schon daran zeigt, daß die Kontrahenten die- ses Streits bereits bei der Benennung ihrer Streitpunkte, wie etwa der Gottessohnschaft eines gewissen Herrn Christus, meist in ein sinnloses Lallen verfallen: "Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt nicht geschaffen, eines We- sens mit dem Vater" (Hirtenbrief. Frage: Sind Sie jetzt dafür oder dagegen? Oder halten Sie Jesus für einen Stiefsohn Gottes? Oder wie?) Ihm geht auch noch die gewisse Dignität ab, die echte Glaubensauseinandersetzungen früher wenigstens noch manchmal ge- habt haben. Was die Herren Kling und Konsorten immer wieder in den Clinch treibt, sind nämlich - genau besehen keine unter- schiedlichen G l a u b e n s ü b e r z e u g u n g e n, sondern lediglich unterschiedliche Einschätzungen der F u n k t i o n kirchlicher Dogmen für die Verbreitung bzw. Erhaltung der Chri- stenmoral. (Hirtenbrief vom 13.1.80: "Wir beurteilen nicht was Herr Professor Küng persönlich glaubt (- soll er sich doch den lieben Gott als Oktopus vorstellen -) sondern was er schreibt und vorträgt". Die heutige Kirche sorgt sich sichtlich mehr um ihr Image in der Öffentlichkeit als um irgendwelche Dogmen, über die sie durchaus - aber nicht coram publico - mit sich reden ließe!) Hans Küng, dieser große Theologe, argumentiert bei seiner Kritik der päpstlichen Unfehlbarkeit meist gar nicht sehr theologisch, da für ihn hier mehr und das heißt andere als innertheologische Fragen auf dem Spiel stehen: "Zuviel steht hier auf dem Spiel, als daß hier auf Dauer Schweigen erlaubt wäre. Denn ist es nicht gerade die Unfehlbarkeitsproblematik die weiterhin die innerka- tholische Erneuerung auf weite Strecken blockiert... ist es nicht der Unfehlbarkeitsanspruch der die katholische Kirche bei allen ihren unbestreitbaren Beiträgen und ihren noch sehr viel größeren Möglichkeiten in der heutigen Gesellschaft, immer wieder unglaub- würdig und ineffizient erscheinen läßt?" (Küng, der auf seine PR- wirksame Entdeckung der "Unfehlbarkeitsfrage", die ohne ihn immer noch offen bzw. zu wäre, unendlich eingebildete eitle Fatzke, in dem Vorwort zum Buch eines Zunftgenossen, das ihm schließlich das Genick gebrochen hat.) Nicht minder schlagend zeigt dies anderer- seits nochmal auch der Hirtenbrief, mit dem die katholischen Mul- lahs am vergangenen Sonntag versuchten, ihre Schäflein, die gar nicht weg waren, wieder hinter sich zu bringen. Erstens attestie- ren selbst sie dem Häretiker Kling seinen Nutzen: "Vielen Suchen- den und Fragenden hat Herr Professor Küng Zugänge zu religiösen Grundfragen erschlossen" was ja beweist, daß das Ankommen bei den Leuten auch für die Bischöfe eine Sache ist, die sie unter Um- ständen höher als ihre Glaubensüberzeugungen schätzen. Zweitens ist auch der Umstand, daß die Kuttenträger das Dogma von der Un- fehlbarkeit des Papstes mit dessen stabilisierender F u n k- t i o n für den Glauben der Gläubigen binden, nicht gerade ein Beweis dafür, daß diese Herren selbst so waldursprünglich an diesen Quatsch glauben. "Ist die Unfehlbarkeit der Kirche nicht eine Randfrage? Für den Glauben und die Theologie ist es entscheidend, daß jeder w e i ß, w o r a u f er sich im Gott geschuldeten Gehorsam des Glaubens v e r l a s s e n k a n n und m u ß. Daher ist es keine Nebensache, ob Gott dem Lehramt des Papstes und der Bischöfe jenen B e i s t a n d zusagt, der in letzten Glaubensfragen den Irrtum ausschließt und uns dadurch jene Gewißheit im G l a u b e n gibt..." Der ganze Streit zwischen Hans Küng und seinen geistlichen Vorge- setzten ist also wirklich nur ein Streit um die Frage, ob das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes für die Gläubigkeit ande- rer n ö t i g ist, oder (so Küng) diese nicht vielmehr u n t e r g r ä b t. Also ist der Streit nun mehr praktisch ge- sehen - gar nicht überflüssig. Denn o b dies Dogma etwas nützt oder n i c h t bei der Verbreitung von christlicher Moral kommt 3. eben darauf an. Dem gemeinen Mann gefällt es schon, wenn ihm ei- ner seinen Glauben. d.h. das Denken ans Jenseits um mit dem Dies- seits keine Probleme zu haben, bestätigt, der sich einen Heili- genschein umgehängt hat. Intellektuelle stehen hingegen mehr auf Pfaffen wie Küng, die ihr Geschäft der geistigen Orientierung mehr aufgeklärt betreiben, weswegen man auch den Beschluß des ba- den-würtembergischen Ministerpräsidenten Späth begrüßen muß, der ja nicht nur den Herrn Küng weiterbeschäftigt, sondern auch der Kirche ihren Lehrstuhl beläßt. Wenigstens einer, der in der gan- zen Affäre Küng einen klaren Kopfe behalten hat. zurück