Quelle: Archiv MG - BRD KIRCHE - Vom Mißbrauch des Verstandes durch den Glauben


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       Wochenschau
       

DIE KATHOLISCHEN BISCHÖFE

in der BRD haben den Politikern brieflich ein offenes "Friede sei mit Euch" zugerufen; und diese können darauf geschlossen, einhel- lig und mit dem dazu passenden frommen Augenaufschlag antworten, ohne aus der Liturgie zu fallen: "In Ewigkeit Amen!" Wie der "Spiegel" auf den Gedanken verfällt, ausgerechnet von der stab- schwingenden Mannschaft des Herrn Höffner "Brisantes" gegen die "westdeutsche Sicherheitspolitik" gelesen haben zu wollen das ist eher einem frommen Wunsch entsprungen als der Lektüre des Hirten- worts "Gerechtigkeit schafft Frieden". In ersten Stellungnahmen haben die Politiker die Absicht der Bischöfe, ihnen "Kriterien" an die Hand zu geben, "denen die Abschreckung genügen muß, wenn sie ethisch noch annehmbar sein soll", ganz korrekt in der Ten- denz des Hirtenworts so aufgegriffen, daß ab sofort die westliche Militärstrategie auch ethisch ex cathedra ecclesiae abgesegnet ist. Die "Kriterien" des Hirtenworts für einen moralisch einwand- freien Krieg sind nämlich bis in die Wortwahl identisch mit der offiziellen NATO-Doktrin: Rüsten nur erlaubt, wenn gleichzeitig über Abrüstung verhandelt wird; "keine "Überlegenheit", sondern "Gleichgewicht"; alle Waffen nur, um ihren Einsatz zu verhindern usw. Die Bischöfe gehen sogar soweit, d e n W i d e r s p r u c h der Abschreckungsideologie zu benennen - "Etwas anzudrohen, was man nie tun darf - eine moralisch uner- trägliche Vorstellung -, wird zum Zweck der Kriegsverhütung als besonders wirksam angesehen." - um gerade damit die Rüstung m o r a l i s c h e r t r ä g- l i c h zu machen: "Diese ungeheuerliche Spannung ist nur hinzunehmen, wenn die ge- samte Sicherheitspolitik auf das Ziel der Kriegsverhütung ausge- richtet ist." Nicht nur das kann auch Reagan in sein Nachtgebet einschließen, sondern auch noch das folgende: "Nukleare Abschreckung ist auf Dauer kein verläßliches Instrument der Kriegsverhütung." Fast ein Zitat aus Reagans Begründung für das Weltraumabwehrsy- stem der USA! Im Unterschied zu ihren amerikanischen Kollegen, deren Mahn- schreiben auch in der abgeschwächten Fassung noch eine Distanz zu den Rüstungsunternehmen der Reagan-Regierung enthält und deshalb vom Präsidenten abgelehnt wird, enthalten sich die westdeutschen Kirchenführer jedes aktuellen Bezugs. Die angebliche "Radikalisierung" gegenüber dem US-Hirtenbrief - der deutsche meldet Bedenken an auch gegen einen "konventionellen Krieg" - ist ganz im Gegenteil eine E n t s c h ä r f u n g der von den Ame- rikanern immerhin noch geäußerten Ablehnung der konkreten westli- chen Atomkriegsplanung und -vorbereitung. An deren Stelle tritt die traditionelle moralische Problematisierung von "Gewalt- anwendung" überhaupt, wie sie der demokratische Imperialismus als I d e a l s e i n e r K r i e g e auch vor sich herträgt: "Die Androhung und Anwendung von Gewalt muß aus den internationa- len Beziehungen ganz ausgeschlossen oder wenigstens allmählich vermindert werden." Um dies zu erreichen, wird sich Gewalt nicht vermeiden lassen, allein schon wegen der im Hirtenwort beschworenen "totalitären Systeme, die in ihrem Herrschaftsbereich elementare Menschenrechte außer acht lassen." Da diese nach dem Erleuchtungsstand der Bischöfe den "Frieden" ebenso "bedrohen" wie die "Rüstungseskalation mit einer ungeheu- ren Anhäufung nuklearer und konventioneller Waffen", kommt es auch für des Herren Hirten letztendlich darauf an, daß in den richtigen Händen angehäuft wird: "Gerechtigkeit schafft Frieden!" zurück