Quelle: Archiv MG - BRD KIRCHE - Vom Mißbrauch des Verstandes durch den Glauben
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Münchner Hochschulzeitung Nr. 19, 15.07.1981
Wochenschau
KULTURNOTIZEN
Eine nachdenklich stimmende Meldung des "Evangelischen Presse-
dienstes" vom 8. Juli:
"Die Kirchen und Sportvereine wollen künftig ihre Termine besser
miteinander abstimmen, um das Konkurrenzverhältnis an Sonntagen
zu entspannen. Dies ist das Ergebnis eines Meinungsaustausches
zwischen Vertretern beider Kirchen sowie Sportfunktionären ...
Geistliche hatten erklärt, daß die Kirche am Sonntag früh den
kürzeren ziehe, wenn Jugendliche zwischen Gottesdienst und Fuß-
ball zu wählen hätten. 'Wer verzichtet schon zugunsten der Kirche
auf den Fußball', meinte ein Kaplan."
Einen Ausweg aus dem Dilemma zwischen ewigem Seelenheil und kurz-
weiligem Balltreten wies der evangelische Dekan von Kulmbach, der
"versuchte eine Brücke zwischen Sport und Kirche zu schlagen:
beide seien auf den Menschen bezogen und auf die Jugend ausge-
richtet."
Konsequent zu Ende gedacht, böten sich als praktikable Lösungen
entweder Fußballfeldgottesdienste in der Halbzeit oder ein Kir-
chenhallenfußballspiel statt der Predigt an.
*
Hegel-Kongreß war. Thema: "Kant oder Hegel?" "Haben sich die in
Stuttgart versammelten Lehrer und Lehrlinge der Philosophie ent-
schieden? Natürlich nicht." (Süddeutsche Zeitung) Was war sonst?
Der "Münchner Merkur" vermerkt als einzig Festhaltenswertes über
diesen "Fragezeichenkongreß ..., daß auch die östliche Delegation
vollständig angereist" war. Das war zwar einerseits, andererseits
hätten sie aber genausogut gleich wieder nach drüben gehen kön-
nen, weil sie "nach gewohntem Schema" (Frankfurter Allgemeine
Zeitung) "leicht vorhersehbare Vorträge" (SZ) hielten. Ganz im
Unterschied etwa zu dem Münchner Großphilosophen Henrich, der
"vom grundsätzlichen Theorieunterschied zwischen Kant und Hegel
sprach" (FAZ), und Spaemann, der erst zum 273sten Mal "mit
scharfsinnigen Argumenten den Streit zum Lebenselement der Philo-
sophie erklärte" (SZ). Fazit also der Philosophie "in orientie-
rungsarmer Zeit" (SZ), "die an ihrer Unsicherheit leidet" (FAZ):
"Wiederkehr des Klassischen" (FAZ) durch "Verabschiedung der Mei-
sterdenker" (SZ). Oder war's umgekehrt?
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