Quelle: Archiv MG - BRD KIRCHE - Vom Mißbrauch des Verstandes durch den Glauben
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Münchner Hochschulzeitung Nr. 18, 21.07.1982
Wochenschau
DER RAT DER EKD
hat auf seiner Sitzung vom 12. Juli in Hannover wieder einmal
klar gemacht, wie evangelische Christen zum Krieg stehen: Sie
sind für den Frieden und dafür hilft nur zweierlei: Beten und
Spenden (FAZ vom 13. Juli). In der Zeit vom 7. bis 17. November
soll in beiden deutschen Staaten gemäß einer "gemeinsamen Ordnung
mit Gebeten, Liedern und biblischen Lesungen" für den Frieden
beim himmlischen Herrn antichambriert werden. Das zeitliche Limit
erklärt sich wohl aus den zahlreichen anderen Anliegen für die
den Rest des Jahres über die Gebetsmühle läuft: Hunger in der
Welt, Drogensucht, Naturkatastrophen etc. Die andere Seite
christlicher Heuchelei bleiben natürlich Almosen für die Opfer,
die die westliche Abteilung christlicher Gesinnungsart und ihre
Freunde in den Regierungen produzieren: Kaum daß Israels Soldaten
mit ihrem libanesischen Massaker angefangen haben, schon werden
die Obdachlosen in warme Decken der EKD-"Libanon-Hilfe" gehüllt.
An die "kriegführenden Parteien" (man beachte den schönen Zynis-
mus "objektiver" kirchlicher Überparteilichkeit, die Schlächter
und Opfer unter k r i e g f ü h r e n d e P a r t e i e n sub-
sumiert) ergeht die "Mahnung, humanitäre Hilfsektionen nicht zu
erschweren oder gar zu verhindern". Wahrscheinlich lassen die Is-
raelis, tief erschüttert, jetzt jedes Gebet auch durch, das nach
Westbeirut geschickt wird.
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