Quelle: Archiv MG - BRD KIRCHE - Vom Mißbrauch des Verstandes durch den Glauben


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       Bonner Hochschulzeitung Nr. 10, 16.12.1980
       
       Rhein-Geist
       

DIES ACADEMICUS - TAG DES RHEINGEISTES

Theologen und Philosophen übertrafen sich anläßlich dieses Feier- Tages wieder einmal im Ausgeben goldener Lebensregeln für das "menschliche Handeln" im allgemeinen. In gelungener Arbeitstei- lung gab Prof. WENGST, Theologe, die Problemstellung vor, indem er sich vornehm aus jeglicher irdischen Verantwortung zog: "Der Vortrag hat als Ausgangspunkt die Einsicht, daß das Reich Gottes eine futuristische Größe bezeichnet, deren Kommen nicht durch menschliches Handeln, sondern allein von Gott bedingt ist. Bedeutet das eine Vergleichgültigung menschlichen Handelns?" Woraufhin Philosoph SCHLETTE nicht umhin konnte, dieser Ansicht aufs heftigste zu widersprechen. Von wegen "Vergleichgültigung": "Hoffnungskritik gründet in einer 'Ontophilie', die sich durch die Welterfahrung der Griechen" inspiriert weiß. Sie zeichnet sich durch die bewußte Hinwendung zur Gegenwärtigkeit aus, die es in ihrer nicht aufzulösenden Ambivalenz zu akzeptieren gilt. Aus der (griechischen) 'Seinsfreundschaft' ergibt sich nach Camus jenseits der Alternative 'Hoffnung oder Resignation' die Möglich- keit des klarsichtigen, illusionslosen Lebens und Handelns." Hoffnungskritik und Seinsfreundschaft auch bei den Elementarteil- chen: "Die theoretischen Vorhersagen reichen von extrem kurzen Lebens- dauern für schwere Resonanzen bis zu extrem langen Lebensdauern (z.B. für das Proton). Bei der experimentellen Überprüfung dieser Vorhersagen werden die äußersten Grenzen der Zeitmessung er- reicht." (MECKING) Die Landwirte der Bonner Uni dagegen hatten sich schon am "Vorabend des Dies academicus" besoffen, und auch da kam der Rheingeist voll auf seine Kosten. Im übrigen waren die Veranstaltungen kostenlos. zurück