Quelle: Archiv MG - BRD KIRCHE - Vom Mißbrauch des Verstandes durch den Glauben


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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 71, 12.04.1983
       
       Wochenschau
       

AMERIKANISCHE BISCHÖFE ZU ATOMWAFFEN

Die nationale Wahrhaftigkeit hat die amerikanischen Kuttenmänner veranlaßt, auf Drängen von Reagan ihren Hirtenbrief gegen Atom- waffen zum dritten Mal umzuschreiben, zugunsten einer "biegsameren Haltung", wie die FAZ meldet. Zu unbiegsam war der bisherige Vorbehalt, gegen den dritten Weltkrieg ein unverant- wortliches Ausmaß an zivilen Opfern bis zur Auslöschung der Menschheit überhaupt moralisch ins Feld zu führen. Der Einwand hat sich auch in den USA den Verdacht zugezogen, gegen die Zwecke der nationalen Kriegsvorbereitung anstinken zu wollen. Daß dem nicht so ist, haben die US-Oberhirten in ihren Berichtigungen zweifelsfrei klargestellt. "Daß unter bestimmten Umständen Kriege begrenzt sein können", halten diese Leute für mitteilenswert. Nicht, weil die USA samt ihren Bündnispartnern ohnehin alle Rü- stungsanstrengungen nur unternehmen, um den großen Krieg auf den Sieg über den Hauptfeind zu begrenzen - Auslöschung der Gattung ist ihr Ziel jedenfalls nicht. Sondern deshalb, weil unter dieser Bedingung ihr moralisches Bedenken seine Wucht verliert und den Konsens mit der Nation nicht gefährdet. Daß diese ihn jedenfalls verdient und Selbstkritik angebracht ist, beteuert ihr kerniger Antikommunismus. Der Hirtenbrief "macht vor allem einen deutlichen Unterschied zwischen der ameri- kanischen demokratischen Gesellschaft und der sowjetischen sowie dem imperialen sowjetischen Streben nach Weltherrschaft..." (FAZ 7.4.) Dem Kriegsgrund der USA ist also ein rechtfertigendes Feindbild zur Seite gestellt. Das hat die Bischöfe allerdings der öffentli- chen Kritik überhaupt nicht enthoben. Daß sie trotz moralischer Bedenklichkeiten dafür sind, statt das Dafürsein als einzig senk- rechte Moral zu predigen, kreiden ihnen die bundesdeutschen Sprachrohre der C-Regierung übel an "Vor allem beharren die Bischöfe darauf, daß die Vernichtung von gegnerischen Bevölkerungszentren durch Kernwaffen moralisch nicht zu rechtfertigen sei." (FAZ 7.4.) Ein voreiliger Naserümpfer: es wäre nicht das erste Mal, daß die Sprengköpfe von freedom and democracy mit kirchlichem Segen ins Ziel einschlagen. zurück