Quelle: Archiv MG - BRD KIRCHE - Vom Mißbrauch des Verstandes durch den Glauben


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       "Katholischer Erwachsenen-Katechismus",  hrsg. von  der Deutschen
       Bischofskonferenz
       

WER'S GLAUBT, WIRD SELIG

"Die Frage, ob es einen Gott gibt Einer fragte Herrn K., ob es einen Gott gäbe. Herr K. sagte: 'Ich rate dir, nachzudenken, ob dein Verhalten je nach der Antwort auf diese Frage sich ändern würde. Würde es sich nicht ändern, dann können wir die Frage fallenlassen. Würde es sich ändern, dann kann ich dir wenigstens noch so weit behilflich sein, daß ich dir sage, du hast dich schon entschieden: Du brauchst einen Gott.'" (B. Brecht, Geschichten vom Herrn Keuner) Warum es einen Glauben braucht ------------------------------ "Wo keine Religion ist, da schaffen sich die Menschen oft Ersatz- religionen. Das zeigt, daß die Religionen heute alles andere als am Absterben sind. Religion gehört offenbar zum Menschen, der sich eine Frage ist, auf die er selbst keine Antwort geben kann." (Erwachsenen-Katechismus, Bonn 1985, S. 23. Daraus auch die fol- genden Zitate) Die Ableitung des Glaubens aus seinem apokryphen Doppelgänger: Daß R e l i g i o n, und zwar die eine, wahre und katholische, her muß, sollen die E r s a t z religionen beweisen. Das ist eine ebenso kühne wie gefährliche Theorie der Deutschen Bischöfe. Denn da wird der Herr Jesus glatt auf die Ebene von Sex und Drugs und Rock'n Roll heruntergezogen. Muß sich da nicht die vollkommen jenseitige Angebotspalette, die der Christglauben bietet, vom ir- dischen Gebrauchswert her blamieren angesichts der handfesten Genüsse, die Alkohol, Haschisch und hemmungsloser Geschlechtsver- kehr offerieren? Einmal ganz zu schweigen von dem ungemein höhe- ren Unterhaltungswert der klassenlosen Gesellschaft verglichen mit der faden Manna-Wirtschaft des Paradieses. Der Erwachsenen-Katechismus bemüht nicht mehr umstandslos, wie die Bibel, die brutale Alternative Glauben an Gott oder ewige Verdammnis beim Teufel. Nicht als Drohung von Oben oder als Ver- sprechung für später kommt das Glaubensangebot daher, sondern als innerstes und tiefstes B e d ü r f n i s jedes Zeitgenossen. Wenn der Mensch schon an irgendwas g l a u b e n muß, dann doch gleich an die Heilige Dreifaltigkeit unserer Firma. Warum der Mensch glauben m u ß, soll an seiner Identität als Fragezeichen liegen. Das ist er auch schon, der uralte Trick al- ler Religionen: Sobald sich irgendein Dödel Fragen der folgenden Art vorlegt oder aufschwatzen läßt "Wer bin ich? Woher, warum wozu bin ich?" (S. 13) - und sich nicht durch den Hinweis auf seinen (demnächst sogar fäl- schungssicheren!) Personalausweis beruhigen läßt, ist er fällig - für G o t t. Warum man an Gott glauben soll ------------------------------ "Das Leben des Menschen ist ein Weg, ein Weg in ein Geheimnis hinein. Es ist die Grundüberzeugung aller Religionen wie der Bi- bel: Das Geheimnis der Menschen grenzt an ein noch tieferes und noch größeres Geheimnis, das wir in der Sprache der Religionen wie der Bibel Gott nennen." (S. 24) Gott ist das Geheimnis, das hinter allen Geheimnissen noch dahin- ter liegt. Wenn schon der Mensch ausgerechnet s i c h s e l b s t ein Buch mit sieben Siegeln sein soll, dann bleibt immer noch das eigentliche Rätsel, wieso ein Geheimnis durch ein noch größeres und tieferes gelüftet werden kann? E r k l ä r t werden soll natürlich weder das eine und erst recht nicht das andere. Schließlich leben die Pfaffen seit Jahr- tausenden davon, daß ihre Fans das U n b e g r i f f e n e als ein U n b e g r e i f l i c h e s entweder fürchten oder vereh- ren, was glaubensmäßig auf dasselbe herauskommt. Und in unserer "modernen Welt" ist der Kirche noch jede Brutalität, die Leuten als Folge von Freiheit und Kapitalismus widerfährt, gerade recht, sie zum S c h i c k s a l zu (v)erklären, dessen scheinbar "sinnloses" Zuschlagen nach Sinn verlangt, und der heißt in letz- ter Instanz immer Gott. Wer glaubt, soll an Gott (Marke katho- lisch) glauben, so heißt die "Kritik" der Kirche an dem, was aus- gerechnet sie für A b e r glauben hält. Ihr Gott ist ein Ange- bot an jeden Irrationalismus, und für Gottesdiener sind Kaffeesatzleser objektiv fortschrittlich, nur subjektiv noch auf dem falschen Dampfer. Umgekehrt liegen W i s s e n s c h a f t- l e r nur dann richtig, wenn sie zugeben, daß sie auf die entscheidende Frage keine Antwort wissen und ein Atomphysiker deshalb letztlich noch weniger weiß als jedes beliebige Schaf in Christo: "Aber die Antwort auf die Frage nach dem letzten Sinn des Men- schen übersteigt die Möglichkeiten auch dieser Wissenschaften." (S. 16) Kunststück! Was der Glauben lehrt --------------------- Im Erwachsenen-Katechismus verwenden die katholischen Glaubens- lehrer 431 S e i t e n (Im Jahre 431 war übrigens das 3. Konzil von Ephesus, wo Marias Titel als Gottesgebärerin dogmatisch fest- geschrieben wurde!) die gesammelte Rabulistik von Theologie und Religionspädagogik, um die Glaubenslehre als in sich geschlos- senes System vorstellig zu machen, in dem ein Gebot als logische Konsequenz aus dem vorherigen folgt. In der Tat: Ein in sich ge- schlossenes und schlüssiges System des (Wahn-) Sinns! Ein Bestseller wird daraus allerdings nur durch die Finanzierung des Werks aus Steuerzahlergeldern und seine Zwangsvertreibung an den bundesdeutschen Pfarreien. Denn statt der klaren und über- sichtlichen Aussagen, wie sie das Kind im Religionsunterricht mitbekommt - "Warum sind wir auf Erden? Damit wir den Willen Gottes tun, Gott loben und preisen und dadurch in den Himmel kommen." -, ist das vorliegende Konvolut eine einzige Zumutung für Erwach- sene, die sich ihren Kinderglauben erhalten haben; eine unverant- wortlich breitgetretene Angeberei, als wäre mehr dahinter, als daß die menschlichen Schafsnaturen an ihre eigene E r f i n d u n g, Gott, glauben sollen - und das bloß, um brav zu sein. Nur eine radikale Kürzung könnte das Buch noch retten. Auf etwa 3 bis 4 Seiten mit gestanzten Sätzen wie dem Folgenden: "Auch die Fruchtbarkeit gehört wesentlich zur Ehe. Denn es liegt im Wesen der ehelichen Liebe selbst, daß sie fruchtbar werden will." (S. 392) Das versteht jeder Erwachsene, weil es nichts anderes ist als die M o r a l, die er sowieso kennt. Hier in der reaktionären Spielart der Christdemokratie (was die Formulierung betrifft: Auch Sozialdemokraten brauchen Deutsche, die deshalb nicht aus- sterben dürfen). Die Moral, wie sie ganz unprätentiös das StGB kodifiziert. R e l i g i o n als Geisteszustand schenkt demje- nigen, der ihr anhängt, als Zugabe lediglich den Genuß, auch noch mit H e r z u n d S e e l e d a f ü r zu sein, daß er nichts ist und nichts darf, es sei denn, der Staat befiehlt es und die Nation braucht ihn. Diese Einstellung geht auch ohne Taufschein, weil die stinknormale Bereitschaft des Staatsbürgers zum Mitma- chen und Dafürsein als Einstellung und Gesinnung etwas Religiöses an sich hat. Dafür braucht's keinen Gott, und als Prophet reicht z.B. Heiner Geißler. "'Ich glaube'. Zwei kurze Wörter nur und doch überaus inhalts- schwer. Die beiden Wörter 'Ich glaube' entscheiden über unser ganzes Leben." (S. 13) Das glaubt ihr ja wohl selbst nicht! *** Exkurs: Zur letzten aller Fragen -------------------------------- "Hosenseidl, hörst' mich? - Ja - Hörst, gibt es ein Leben nach dem Tode? Du gehst ma auf die Nerv'n. Man wird doch noch frag'n dürf'n. Leck'mi am Arsch. Ende!" (Helmut Qualtinger, Aktion Kornmandl) zurück