Quelle: Archiv MG - BRD KIRCHE - Vom Mißbrauch des Verstandes durch den Glauben
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Polen
WARUM DER PAPST UNBEDINGT HIN MUSSTE
Zumindest die Polen haben sowohl Marxens gehässige Bemerkung von
der Religion als dem Opium des Volkes als auch Stalins gering-
schätzige Frage nach den Divisionen des Vatikan auf den Misthau-
fen der Geschichte der kommunistischen und Arbeiterbewegung be-
fördert. Die immer noch kommunistische Regierung des Landes lädt
den römisch-katholischen Divisionskommandeur der nationalen Oppo-
sition auch noch höchstoffiziell ein, und diese feiert in ihrem
geistigen Oberpolen sich selbst als den wahren Repräsentanten der
Nation.
Alle beteiligten Seiten sind von diesem als "Pilgerfahrt" dekla-
rierten Staatsbesuch begeistert; der Gast selbst, die von ihm Be-
und Heimgesuchten und erst recht natürlich die NATO und ihre
journalistischen Schlachtenbummler.
Der Papst
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weil sonst das Jubiläumsjahr der Schwarzen Madonna vorbei wäre,
ohne daß er den schwarzen Zeh geküßt hätte. Der Oberhirte hat
zwar solchen Fetischglauben nicht nötig, aber er muß zu d e r
Madonna, weil er Pole ist und sie die polnische ist und unbescha-
det der Tatsache, daß sie alle Menschenkinder gleich liebt, als
Nationalfetisch ihre Polen ganz besonders liebt. Der Papst muß
hin, weil "die Jungfrau von Jasna Gora den Lebenswillen der pol-
nischen Nation erneuern und ihre Selbstbestimmung sichern" soll.
Nicht daß sich die Mehrzahl der Polen mit Selbstmordabsichten
tragen würde; die Nation, die für ihren "Lebenswillen" den päpst-
lichen Zuspruch braucht, ist ein besonderes Ding: die wahre Na-
tion, die noch immer unter einer atheistischen Fremdherrschaft
vegetiert, deren (Un-)Rechtsbewußtsein der Papst also geistige
Stärkung bieten muß. Ob sie nun die Selbstbestimmung schon hat
oder erst noch braucht, kann aus diplomatischen Gründen offen
bleiben. Vorläufig betet der Papst in Polen für eine Generalamne-
stie aller nach Kriegsrecht Verurteilten. Denn während er andern-
orts, mit seinem Besuch die gottgewollte Staatsgewalt samt Ju-
stiz, Polizei, Armee, Todesschwadronen, Kriegsrecht und Henkern
heiligt und aus Gründen des Geschmacks allenfalls um die Ver-
schiebung von Todesurteilen einkommt, muß er in Polen das über
diese Nation verhängte Unrecht eines kommunistischen Militärregi-
mes in aller päpstlichen Bescheidenheit geißeln. Dem Kaiser ge-
ben, was des Kaisers ist, gehört sich nur im passenden 'System'.
Die Regierung
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will, daß der Papst kommt, weil er ein Pole und der Papst ist.
"Wir erwarten von dem Besuch, daß er zur Versöhnung und zur Ein-
tracht beiträgt, die heute so dringend von unserer Nation benö-
tigt werden."
Als Pole und Nationalist, auf den das Volk hört, soll Johannes
Paul bei den Polen ein gutes Wort für ihre Regierung einlegen:
"Es gibt eine breite Grundlage, auf der grundsätzlich verschie-
dene marxistische und christliche Einstellungen kein Hindernis
sein müßten, um ordentliches moralisches Verhalten im Staate zu
fördern oder die Tugenden der Tüchtigkeit, der Ehrenhaftigkeit
und des Familiensinnes",
bittet der kommunistische "Diktator". Als Papst und internatio-
nale Kirchenautorität soll er seine Untermannschaft vor Ort be-
schwichtigen und zur nationalen Einheit anhalten. Gegen die
"Versuche, den laizistischen Charakter des Staates anzutasten,
weltanschauliche Unterschiede zu politisieren oder religiöse Fei-
ern und Kultstätten für antistaatliche Symbole und Tätigkeiten
auszunutzen" (Czyrek), gegen die Ausgestaltung jeder größeren
Messe mit demonstrativem Zu- und Abmarsch, Solidaritätszeichen
und patriotischen Gesängen, in denen "Gott" den Polen "ein freies
Vaterland" verspricht, gegen die Fortsetzung des niedergeschlage-
nen Aufstands in Gestalt eines fanatischen Nationalglaubens also,
dagegen soll der Papst ein Argument sein! Die Regierenden bieten
einen deal, "gute Beziehungen zwischen Staat und Kirche heute und
in der Zukunft", der gar keiner ist, weil sie schon längst die
Kirche in alle Rechte gesetzt haben, die sie durch die staatliche
Anerkennung als d e r politische Unterhändler im Namen des Vol-
kes genießt. Sie streichen ihr Entgegenkommen gegenüber der Kir-
che in genehmigten Quadratmetern Sakralbauten heraus, als ob das
die Kirche zu Gegenleistungen verpflichten würde. Und die von der
Kirche geforderte Generalamnestie lehnen sie bisher nur deshalb
ab, weil sie die Freilassung der Gefangenen lieber nicht als
staatliche Selbstkritik, sondern als, staatlichen Gnadenakt in-
szenieren möchten:
"Eine Amnestie ist davon abhängig, daß vorher die Begnadigungs-
möglichkeiten ausgenützt und die Lage in Polen völlig normali-
siert wird."
Der Innenminister bedauert,
"daß vielfach Begnadigungsanträge von den betroffenen Häftlingen
zurückgezogen würden, auf die von falschen Freunden ein morali-
scher Druck ausgeübt wird. Die Fürsprecher einer sinnlosen Oppo-
sition brauchen 'Märtyrer'".
Die Jaruzelski-Regierung setzt auf den Kirchenglauben, setzt zur
Befriedung ihres Volks ausgerechnet auf die Elemente, die dessen
Erhebung gefördert haben, weil sie ihm außer nationaler Erhebung
rein gar nichts zu bieten hat. Kritik an der Religion ist schon
lange ausgestorben. Und daß ihr Sozialismus fürs Volk sich anders
lohnen soll als in den ideellen Nutzenkategorien der Nation, ist
auch nicht mehr vorgesehen. So schenken sie ihren Polen den
Papst-Besuch, damit sie wieder versöhnlicher gestimmt und von der
Kirche an ihre christlichen Pflichten erinnert werden, und bla-
mieren gleichzeitig ihre ganzen Berechnungen an den Vorkehrungen,
die sie treffen.
Ausgerechnet der Papstbesuch soll die Opposition im Namen des
Papstes anschwärzen und die Regierung als Veranstalter gut daste-
hen lassen:
"Die politische Opposition im Lande ist gegen den Besuch des
Papsts eingestellt. Sie hat ihre Aktivitäten verstärkt, um der
polnischen und der Öffentlichkeit in der Welt zu demonstrieren,
daß Polen immer noch ein ruheloses Land sei. Aber wir sind davon
überzeugt, daß wir dem Papst ein würdiges Willkomm bereiten."
Der Kirchenminister macht mit dem Papst als S t a a t s-
b e s u c h Propaganda,
"Daß der Papst jetzt kommt, zeigt, wie gut die Beziehungen zwi-
schen Warschau und dem Vatikan sind",
u n d entschuldigt sich mit dem Papst als Pilger schon präventiv
dafür, daß die erwartete Hetze nicht in aller Ausführlichkeit per
Staatsfunk und -fernsehen ans ganze Volk weitergeleitet wird:
"Man muß zwischen politischen Reden bei Zusammenkünften mit
Staatsvertretern und den religiösen Ansprachen unterscheiden. Der
Papst geht in Polen auf Pilgerfahrt, und da gibt es eine strikte
Trennung zwischen Staat und Kirche."
Und der Innenminister organisiert die Ordnungskräfte wie vor ei-
nem voraussehbaren Bürgerkrieg,
"weil gewisse Zentren im Westen und besonders in den USA mögli-
cherweise während des Besuchs einen politischen Krawall in Polen
herbeiführen wollen. Auch die Untergrundorganisation der verbote-
nen Gewerkschaft Solidarität kommt als Störfaktor in Betracht. Es
ist nicht das Ziel der Behörden, die Kontakte der Gläubigen mit
dem Papst einzuschränken, sondern lediglich Ruhe und Ordnung zu
gewährleisten."
Als ob die Massenprozessionen nicht "politischer Krawall" genug
wären; als ob "Ruhe und Ordnung" nicht zur Debatte stünden eben
w e g e n des Papstbesuchs selbst; als ob die Sicherheitskräfte
etwas anderes zu beaufsichtigen hätten als die "Kontakte der
Gläubigen mit dem Papst", weil die ganze Sorge der Regierung dar-
auf geht, eine allzu drastische Ausgestaltung dessen zu verhin-
dern, was die Pilgerreise des Papstes ist: eine antikommunisti-
sche Feier des Inhalts, daß Polen von rechtswegen nicht dem Ost-
block gehört.
Schließlich soll der Papst nach Auskunft der Regierung auch noch
nach Polen, um gegen
"politische Kräfte, die die Verträge von Jalta und Potsdam unter-
graben wollen", eine "Bestätigung für den polnischen Charakter
der Oder-Neiße-Gebiete"
abzugeben, indem er Breslau und Annaberg besucht,
"das heißt Orte, die Polen nach Jahrhunderten als Ergebnis gerade
dieser Verträge wiedererlangt hat."
Als ob der Papst, wenn er für den Weltfrieden betet, in Grenzfra-
gen so kleinlich wäre, als ob er eine völkerrechtlich verbindli-
che Instanz wäre, von der sich irgendeine westliche Macht in
Grenzfragen beeindrucken ließe, als ob ausgerechnet der Papst für
die territoriale Integrität eines "kommunistisch unterdrückten"
Polen geradestünde - ein Kirchenchef, der in Sachen polnische
O s t grenze offensiven Revanchismus propagiert.
Die Kirche
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hat sich ihren Papst nach Polen organisiert, um mit diesem einwö-
chigen Festakt den Höhepunkt einer beispiellosen politischen Kar-
riere zu feiern. Sie ist die rundum anerkannte heimliche Obrig-
keit, was sie mit den geplanten Massenaufmärschen sinnfällig de-
monstriert. Ab dem 15. Juni sollen die polnischen Massen ihre
Häuser dekorieren, ein gesamtpolnisches Glockengeläute ist für
die Ankunft vorgesehen (warum eigentlich nicht die ganze Woche?),
und den materiellen Lohn in Gestalt eines neuen Gesetzes
"über den öffentlich-rechtlichen Status der Kirche, um sich vor
den Eingriffen des Staates besser schützen zu können",
hat sie schon vorab kassiert.
Die Opposition
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im und außerhalb vom Untergrund hat auch seit einem dreiviertel
Jahr mindestens kein wichtigeres Anliegen, als daß der Papst
kommt. Sie ist sich sicher, daß der Papst nicht den polnischen
Staat, sondern sie besucht.
"Der Papst kommt in ein leidendes Land, in dem grundlegende Men-
schenrechte mit den Füßen getreten und der nationale Stolz ver-
letzt wird. Die Unterzeichner stimmen in die Gebete des Papstes
für die Opfer des Kriegsrechts und unserer Unterdrücker ein. Wir
werden aus Polen ein stabiles demokratisches Land machen, in dem
Menschen und Nationalwürde nicht mit Füßen getreten werden."
(Kommunique der Untergrundführung der 'Solidarität' zum Papstbe-
such)
Als ob die Solidarnosc selbst energisch dementieren möchte; zu
irgendeinem Zeitpunkt oder in irgendeiner Forderung irgendetwas
mit den Interessen von A r b e i t e r n am Hut gehabt zu ha-
ben, werden in ihrer Grußbotschaft an Wojtyla umstandslos alle
Ziele und Zwecke des Widerstands im Volke gegen die Regierung als
Kampf für ein anderes System, die Demokratie und eine alternative
wahrhaft nationale Regierung gleichgesetzt. Der Papst und seine
Kirche gelten als die Garanten des Menschenrechts und die Garan-
tie für eine ordentliche polnische Nation g e g e n die Leiden
der bestehenden. Und weil es der Opposition auf nichts anderes in
der Welt mehr ankommt als auf die Selbstbeweihräucherung, das
bessere Polen zu repräsentieren, macht sie Reklame für sich als
alternative Ordnungsmacht: Schon seit einem halben Jahr steht die
Aufforderung, während des Besuchs alle Proteste zu unterlassen -
das Stattfinden des Besuchs ist dieser Art Opposition schon Pro-
test genug. Jetzt agitiert die Untergrundsolidarität alle Polen
dafür, während des Besuchs auf Alkohol zu verzichten und sich in
Abstinenz zu üben (Meßwein ausgenommen), damit sich nur ja keiner
danebenbenimmt.
Lech Walesa
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findet, daß der Papst kommen muß, "weil er schon bei seinem letz-
ten Besuch den Polen Kraft und Mut gegeben hat. Daraus ist dann
die Solidarität entstanden. Auch sein zweiter Besuch wird stärken
und verändern." Walesa interpretiert seine "Solidarität" inzwi-
schen gleich als G l a u b e n s bewegung für Gott und Vater-
land, vorgestellt in ihren irdischen Repräsentanten Papst und
Kirche. Diese repräsentieren die Opposition gegen das kommunisti-
sche Regime, und solange das Regime dem Papst und der Kirche die
ihnen gebührende Anerkennung zukommen läßt, ist auch die Fortexi-
stenz der Opposition gewährleistet. Und ganz besonders er persön-
lich will auf die päpstlichen public relations nicht verzichten.
Als Symbolfigur einer Volksbewegung, die unterbunden worden ist,
ist er ohnehin mit nichts anderem beschäftigt, als Repräsentati-
onspflichten ohne das dazugehörige Amt wahrzunehmen und seiner
Figur anderweitig die Bedeutung zu verschaffen, die die offi-
zielle Regierung ihm verweigert. Sein Beichtvater findet,
"er sollte in Warschau sein, um den Papst zu begrüßen wie jeder
Arbeiter. Er ist ein Bürger, ein Arbeiter und ein Christ, deshalb
glaube ich, daß er dort sein muß."
Sollen sich doch alle polnischen Bürger, Arbeiter und Christen
auf dem Warschauer Flughafen aufstellen. Walesa jedenfalls muß
den Papst ganz unbedingt treffen, um ihm im Namen der Danziger
Arbeiter eine Medaille zu schenken, die "in allegorischer Form
die Pieta des gemarterten Polen darstellt." Sonst wüßte der Papst
ja womöglich gar nicht Bescheid darüber, was in Polen los ist,
und die Solidarität käme um ihren demonstrativen Erfolg, daß der
Papst nicht den Staat, sondern sie besucht.
Das Volk
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will seinen Papst, damit es eine Woche lang mit seinem eigenen
polnischen Papst singen und beten kann. Es gibt ja wirklich
nichts Erbaulicheres, wenn man schon tagtäglich die befohlene
Plackerei und Armut mitmacht ohne die Erwartung, daß es mal bes-
ser wird, als sich den Trost mit dem Vater im Himmel von dessen
Stellvertreter auf Erden höchstpersönlich erzählen zu lassen und
sich gemeinsam die Verachtung für die miserablen Stellvertreter
im Land zu Gemüte zu führen.
Die NATO
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obwohl weder eine polnische noch eine kirchliche Instanz, ist
schließlich auch sehr dafür, daß der Papst seine Heimat besucht.
Wenn der Papst Militärdiktaturen im eigenen Lager besucht, weiß
man im Westen genau, daß er dort zum "inneren Frieden"
b e i t r ä g t, indem er dem Volk zum Gehorsam rät, und es wird
höchstens die Geschmacksfrage gewälzt, ob der gute Mann sich
nicht möglicherweise leicht kompromittiert, wenn er Baby Doc Du-
valier, Rios Montt und anderen Schlächtern in Lateinamerika die
Hände schüttelt. Bei Besuchen im Osten sieht die Gewißheit genau
umgekehrt aus: er s c h a d e t der Regierung, und man sorgt
sich höchstens darum, ob die nicht vielleicht auch ein bißchen
den Besuch für ihre Propagandazwecke m i ß braucht. Aber im
Grundsätzlichen ist man sich sicher:
"Ablauf und Folge des Besuchs von Papst Johannes Paul II. werden
dabei ein Maßstab des inneren Friedens sein." (Kohl in der Regie-
rungserklärung)
Daß Polen nämlich, solange es zum Ostblock gehört, keinen inneren
Frieden hat, steht ohnehin fest. Der Papst kommt als Anwalt eines
unterdrückten Volks, hetzt gegen die Regierung, ohne daß er zu
hetzen braucht; das Volk bekundet durch seine Massenaufläufe, daß
es mehr für den Papst als für Jaruzelski ist. Das genügt, auch
ohne jeden weiteren "Vorfall", für den Beweis, daß in Polen ver-
folgt, zensiert, verhaftet und unterdrückt wird, daß also für Po-
len die Freiheit nötig ist. Egal, wie sehr die Polen dabei an die
Madonna denken, und weniger an die NATO-Raketen, die gegen sie
gerichtet sind.
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Lech Walesas 150. Pressekonferenz
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Der vom Westen zum Symbol für die Abwesenheit der Freiheit Polens
erklärte Arbeiterführer findet sich mit dieser Rolle immer besser
zurecht, indem er den Journalisten, die ihn begleiten, seine Le-
bensumstände gleich sachgerecht als permanente Verfolgung deutet.
Als er zugenommen hatte, war dies der Versuch des Systems, ihn zu
betäuben; als er zunächst keine Arbeit zugeteilt bekommen hatte,
war es der Versuch, ihn vom Kontakt mit seinen Arbeitskollegen
auszuschließen; und als er schließlich mit Arbeit beglückt wurde,
war es konsequenterweise die Heimtücke, ihm Zeit für politische
Arbeit wegzunehmen. Daß er zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken
ist, weil die Kirche aus der Oppositionsbewegung 'Solidarnosc'
den Nutzen gezogen hat, sich als Vertreterin der Opposition für
die Verkündigung der Lehren vom Herrn Jesus Einfluß zu sichern,
deutet der bauernschlau religiöse Arbeiterführer als Perfidie der
Regierung. So ist es völlig logisch, daß seine politische Betäti-
gung sich dahingehend auflöst, seine politische Bedeutung selbst
zu inszenieren, indem er Treffen mit der Untergrundorganisation
mit gleich anschließender Pressekonferenz organisiert, auf diese
Weise der Geheimpolizei den Weg zeigt, um ein zweites Treffen
auszuheben und die Teilnehmer zu verhören, um dann wieder gleich
anschließend den westlichen Reportern davon zu erzählen, daß e r
- weil Symbol der Opposition - dauernd als solches behandelt
werde. E r dürfe jetzt nicht mit dem Papa Wojtyla reden, war
die Mitteilung der letzten Pressekonferenz. Was daraus für ir-
gendwen in Polen für ein Schaden oder Nutzen erwachsen soll, wenn
Walesa mit dem Polen-Paul redet oder nicht redet, bedarf da kei-
ner Überlegung mehr. Er will ein Symbol s e i n, und die Jour-
nalisten wollen eines für die Demonstration des Unrechtregimes
h a b e n und begleiten ihn deshalb scharenweise und mit all-
seits postierten Filmkameras fast bis aufs Klo, wo ihm ja auch
vielleicht eine Unterdrückung zustoßen könnte. Damit ist der po-
litische Zweck völlig erfüllt.
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