Quelle: Archiv MG - BRD KIRCHE - Vom Mißbrauch des Verstandes durch den Glauben
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Das Ergebnis des Besuchs
PAPST ENTLARVT DIE WESTLICHE INTELLIGENZ
Peinlich, peinlich! Da kommt ein Oberpfaffe daher, der Chef der
katholischen Kirche in königlichen Gewändern; der Repräsentant
des gläubigen Irrationalismus; der Hauptlehrer lammfrommen Unter-
tanengeists und selbstloser Opferbereitschaft; ein Typ, der sei-
nen hervorragenden Posten nur deshalb innehat, weil es genug
Leute gibt, die so blöd sind, sich einen lieben Gott einzubilden
- und was tut die geistige Elite der Nation mitsamt ihrem linken
Spektrum? Sie zieht überhaupt nicht in Betracht, daß man diesem
Moralapostel Gottes zu bedeuten hätte, daß er gefälligst auf sei-
nem Heiligen Stuhl und bei seiner Schweizer Garde bleiben solle.
Stattdessen bekundet sie ein wenig Distanz und führt die harmlose
Debatte, ob der Besuch nicht etwas teuer wäre; ob man das Geld
nicht für einen guten Zweck hätte besser verwenden können. Die
Intelligenz rümpft die Nase über das große Spektakel, hat auch
einmal etwas gegen die A m t s kirche einzuwenden und gegen die
Bevormundung durch eine angeblich "überholte konservative" Ehemo-
ral, als ob Nowotny, Dieter Kürten und Rudolf Augstein unter die-
ser Bevormundung besonders litten. Das ist es dann auch schon. So
daß die offizielle Nation es nicht mit Gegnern der päpstlichen
Veranstaltung zu tun hat, sondern offensiv n o c h m e h r
Ehrerbietung gegenüber dem Papst fordern kann:
"Um so bedrückender erscheint uns, daß der bevorstehende Papstbe-
such in unserem Land bisher so wenig Freude und Dankbarkeit her-
vorgerufen hat. Die skeptischen Fragen und die zuweilen unsach-
lichen Kommentare der jüngsten Zeit geben wirklich nicht die Mei-
nung der großen Mehrheit unseres Volkes wieder." (Anzeige zum
Papstbesuch, unter anderem unterschrieben von Ex-Ministerpräsi-
dent Goppel, Kultusminister Maier, Uni-Präsident Lobkowicz und
Thomas Gottschalk, diesem Knallkopp von Pop nach acht.)
Die aufgeklärte Intelligenz hat sich offensichtlich das Argument
zu Herzen genommen, daß es doch im Volke ein B e d ü r f n i s
nach dem Heiligen Vater gibt. Ein saublödes Argument. Damit kann
man von der Pornographie über "Ausländer raus!" und die Vergasung
von Kommunisten bis zur Lynchjustiz alles legitimieren, ein Be-
dürfnis gibt es auch dafür. Dieselben Zeitgenossen, die sonst
beim einfachen Volk falsche Konsumbedürfnisse entdecken und sich
elitär herausnehmen deren Freizeitwünsche zu kritisieren, ent-
schuldigen sich beim Papst damit, daß das Volk ihn sehen und
antatschen möchte. Warum gilt hier nicht das Argument: Vor Volks-
verführern wird gewarnt? Warum weist niemand den unverschämten
Anspruch des Papsts: "Ich bin für alle da." entschieden zurück.
Kein Mensch hat sich nicht mal gewünscht, daß der mal irgendwo
rausfliegt. Dabei hätte dieser Pope wahrlich eine andere Hand-
lungsweise verdient, als ihn mit Distanz zu betrachten, dann aber
doch irgendwie gütig, nett, menschlich zu finden.
Eine einzige Frechheit
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Was der Papst sich erlaubt hat, nimmt sich so schnell keiner her-
aus. Daß er das Fernsehprogramm durcheinandergebracht und noch
ungenießbarer gemacht hat; daß er den Verkehr behinderte und mit
seiner Rumfliegerei eine Menge Energie verschwendet hat, kann man
ja noch zu den läßlichen Sünden zählen. Aber sonst! Selbst am al-
ten Jesus gemessen, ist dieser Nachfolger Christi ein sauberer
Vertreter.
- Die christliche Lüge und Heuchelei beherrscht er vortrefflich,
zur höheren Ehre der Kirche und zu ihrem Ansehen. Den Staatsmän-
nern ist er in den Arsch gekrochen mit seinem Lob der deutschen
Nation und der Verantwortung ihrer Macher für die Dritte Welt und
den Frieden. Als wenn er nicht wüßte, wie die imperialistische
BRD mit den Entwicklungsländern umgeht, und daß die Entwicklungs-
hilfe nurmehr der Fortführung der ökonomischen Ausnutzung dieser
Länder dient. Als hätte er nichts davon mitgekriegt, wie es der
Westen mit dem Frieden hält und wie er sich auf einen Krieg vor-
bereitet. Hat er etwa Schmidt und seiner SPD klipp und klar vor-
gehalten, daß sie ihre Ehe- und Familienpolitik radikal zu ändern
hätten, gegen die er doch bekanntermaßen ist? Hat er etwa den
Evangelen klargemacht, daß sie sich gefälligst zu Rom bekehren
sollten. Nein, bei den Protestanten hat er von Einheit geschwa-
felt, obwohl keine Seite sie anstrebt. Bei den Machthabern hat er
Respekt gezeigt, weil er mit ihnen weiter gut auskommen will -
zum Nutzen für seine katholischen Schäfchen. Dem geschiedenen Ju-
stizminister Vogel hat der oberste Sittenwächter doch nie und
nimmer seine schwere Sünde vorgeworfen, als er drei Sätze mit ihm
wechselte.
- Vor Arbeitern hat er die Frechheit besessen, das große Wort zu
verkünden:
"Die Arbeit darf nicht beherrscht werden vom Schatten der Unge-
rechtigkeit, der Ausbeutung, des Hasses und der Demütigung der
Menschen."
Damit wollte er keineswegs etwas gegen die Ausbeutung gesagt ha-
ben. Die Unternehmer hat er nicht aus dem Tempel gejagt, sondern
denselben Arbeitern abverlangt,
"vom Anspruchsdenken abzurücken und auf manches zu verzichten, um
die begrenzten Güter mit möglichst vielen Menschen friedlich zu
teilen."
Für jemanden, der für den opferbereiten Glauben Reklame macht,
ist halt "der Mensch wichtiger als der Konsum". Und so hat er
auch vor den Arbeitern ausgeplaudert, warum sie ihm ein Problem
sind, weil so wenige von ihnen praktizierende Katholiken sind:
"Die Arbeiter bekommen am ehesten die verheerenden Folgen innerer
Entfremdung" (aha, das soll die Ausbeutung sein!) "mit allen dar-
aus erwachsenden Belastungen f ü r d e n G l a u b e n zu
spüren."
- Die Probleme, die die Leute in der Familie, mit Gatten und Kin-
dern haben, waren dem besorgten Mann völlig wurscht. Er hat sie
aufgefordert, wie sie zu lieben haben: nur in der Ehe und dann
ewig denselben und zwar so, daß auch viele Kinder rauskommen. Für
die höchste Würde der Menschen hielt er es, wenn sie sich in der
"Keimzelle" zusammenfinden und dort Kinder ausbrüten. Und dann
stellte sich dieser Wahnsinnsknabe auch noch hin und verbot den
Gläubigen, sich außerhalb der Ehe anzufassen, wozu er doch
tatsächlich die Einmaligkeit des Lebens und des Sterbens heran-
zog:
"Man kann nicht nur auf Probe leben, man kann nicht nur auf Probe
sterben. Man kann nicht nur auf Probe lieben, nur auf Probe und
Zeit einen Menschen annehmen."
- Den Behinderten, Alten und Kranken gegenüber hat sich dieser
kraftprotzende Samariter doch tatsächlich nicht den Glückwunsch
verkneifen können, daß sie zu den auserwählten Kindern Gottes zu
zählen seien. Hat je ein Papst oder sonst ein Zyniker deutlicher
zum Ausdruck gebracht, wie sehr die Kirche die Not schätzt, wenn
sie beten lehrt?
- Zum Schluß noch die menschliche Seite. Was geht in einem
60jährigen wohl vor, wenn er sich unter Zuhilfenahme sämtlicher
Ordnungskräfte eines gestandenen Staates 5 Tage lang verehren und
anhimmeln läßt? Und was geht in Hunderttausenden von Menschen al-
ler Alters- und Einkommensgruppen vor, wenn sie sich zur Staffage
eines Papstes machen, der ihnen nichts anderes zu sagen hat, als
was sie zu tun und zu lassen haben. Es muß ein herrliches Gefühl
sein, Gebote und Verbote entgegenzunehmen. Es muß noch ein viel
schöneres Gefühl sein, sie auszuteilen wie Oblaten. Das höchste
der Gefühle aber muß darin bestehen, sich als Papst ein Kind zu
catchen, es zu quetschen und vor aller Welt den guten Hirten zu
mimen.
Und keinem ist das peinlich, bis auf eine Minderheit, die uns na-
mentlich bekannt ist.
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