Quelle: Archiv MG - BRD KIRCHE - Vom Mißbrauch des Verstandes durch den Glauben
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Korrespondenz
MITTEILUNGEN VON DER FREIHEIT EINES CHRISTENMENSCHEN
1. Mißbrauch der freien Meinungsäußerung
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"Herrn
Theo Ebel
c/o Verein z. Förd. d. stud. Pressewesens
Betrifft: Ihre Postwurfsendung "Argumente zum Papst"
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ihre obige Postwurfsendung ist das typische Beispiel des Miß-
brauchs der freien Meinungsäußerung. Selbst wenn man, wie ich,
den kirchlichen Organisationen sehr kritisch gegenübersteht und
das Recht der Kritik ernst nimmt, kann man Ihren journalistischen
Mist nicht hinnehmen.
Eines Grußes sind Sie kaum würdig. C.H., garten-pflege-dienst,
Mainz"
2. Zur Person in christlicher Nächstenliebe
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"Zuvor aber noch ein Wort über den Verfasser. Die in den
'Argumenten' zum Ausdruck kommende mangelnde Lebenserfahrung und
menschliche Reife läßt auf ein jugendliches Alter schließen; ich
schätze zwischen 20 und 25 Jahre. Die benutzte Fäkaliensprache -
mehrfach kommt das Wort 'Scheiße' vor auf eine schlechte Kinder-
stube und niedriges Bildungsniveau. Ihr Flugblatt ist gleichzei-
tig eine Entlarvung über den Verfasser, dessen Bildungslücken in
Sachen Kirchengeschichte - dürftige Konglomerate von Erfindungen
und Halbwahrheiten - nur noch von seiner widerwärtigen Überheb-
lichkeit übertroffen werden, wenn er, das Würstchen und Möchte-
gern-Marxist, sich erdreistet... kann nur ein Gehirn-Amputierter
auftreten... Nestbeschmutzer werden solche Leute vielfach ge-
nannt; oder auch Klugscheißer.
K.H., Piano-Haus, München"
"Sie armer Satan in Menschengestalt und Genossen!"
"Du Dreckschwein."
"Ihr verdorbenen Deppen. M.H., München"
"Hallo, ihr geistigen Dünnscheißer!"
"Reformprediger und marxistische Schweine!! Eine Hausgemeinschaft
in München-Schwabing"
"Sicher sind Sie ein Schwein, sonst würden Sie an die Sauberkeit
eines Menschen glauben. P.A., Fotograph, München"
"Sie Teufel."
"Sie sind ein Gotteslästerer!"
"Niederträchtige, hundsgemeine Bande!"
"Rot-Faschisten."
"Merkt Ihr nicht, wie blöd ihr seid. Ihr Arschlöcher."
"Welch eine primitive, im Hirn verschissene Gesellschaft seid
Ihr?"
3. Textexegese im Geiste frommer Duldsamkeit
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"Wir scheißen auf Euer Geschreibe - wir sind nicht besonders
gläubig - aber dies ist der größte Scheißdreck - was wir gelesen
haben - nicht einmal für die Toilette geeignet."
"Das Dreckigste und Ekligste, was je geschrieben wurde! J.R.,
Nürnberg"
"Bisher habe ich immer viel Sympathie für Aktionen und Argumente
aus Ihrer Richtung gehabt, aber dieses Pamphlet strotzt vor Igno-
ranz, Unverständnis und Intoleranz... Und welche Primitivspra-
che... I.M., München"
"...schlechthin unmöglich, noch undiplomatischer vorzugehen als
dieser Verfasser, der seiner Sache einen Bärendienst erwiesen
hat. Man braucht kein Werbepsychologe zu sein, um zu wissen, daß
man keinesfalls provozieren darf, um für eine Sache zu werben.
Wie überall, so macht auch bei solchen Flugblättern der Ton die
Musik und wer glaubt, mit solch erbärmlich-flegelhaftem Ton auch
nur den mindesten Eindruck zu machen, der befindet sich im
falschen Land und unter der falschen Bevölkerung."
"Mit Befremden und Empörung habe ich vom Inhalt dieses Blattes
Kenntnis genommen. Abgesehen davon, daß Argumente nicht in einer
einzigen Zeile zu finden sind, strotzt der Text nicht nur von In-
toleranz, sondern auch von Arroganz und Zynismus. W.D., Studien-
direktor, Würzburg"
"Sie haben anläßlich des Papstbesuchs eine Schmähschrift heraus-
gegeben, die jeder Beschreibung spottet."
4. Urteile gläubiger Einfalt
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"Hat die Kirche Macht? Sie hat schon immer bissel mitgemischt,
aber, das Mittelalter ausgenommen, sie hat noch keinen in der
Jetztzeit brutal getötet. Auf Kommunisten können wir verzichten,
dann lieber ein Heer von Bischöfen und Kardinälen, die mir nicht
weh tun."
"Muß das heutige Studentenwesen immer mehr im Dreck versinken?
Sie wollen den Sittenverfall der deutschen Menschen, damit diese
einmal eine leichte Beute des Bolschewismus werden."
"Auf die so belächelten Christen müßte ihr Verfasser ja mit dem
größten Neid blicken, denn jeder gläubige Christ ist ihm an Le-
bensfreude und Lebenskraft unendlich überlegen und der arme Mar-
xist hat ihm nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen und muß sein
Leben mit billiger Polemik fristen."
"Wenn unser Papst auf seine Reise die Menschen an Christus erin-
nert, kann das nie schaden! Christus war wirklich auf Erden."
"Und die Pforten der Hölle werden sie nie überwältigen!"
"Lieber der Papst als Theo Ebel!!!"
"So ein Dreckblatt liest kein Deutscher heute!!!"
"Einen Glauben lächerlich zu machen, gehört zum Dümmsten, dessen
ein Mensch fähig ist."
5. Vorschläge aus dem Laienapostolat
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"Grunzt nur weiter so!"
"Als eine Hilfe möchte ich Ihnen das Heftchen von der
"Liebesflamme" beilegen, das jenen Menschen, die über die Macht
Mariens noch wenig erfahren haben, einige Aufklärung zuteilwerden
läßt."
"Ich kann nicht verstehen, wie man das alles nicht verstehen kann
und wie man echte Werte so wenig von den falschen trennen kann.
Aber vielleicht überlegen Sie mal, daß vielleicht viele Menschen
diesen Zorn empfunden haben über soviel Unverschämtheit und
Nichtachtung anderer Menschen."
"Schon Marx hat gesagt, daß jeder mit 18 Jahren ein Revolutionär
und mit 40 Jahren wieder konservativ ist. Ihr Verfasser sollte
sich daher seine Schrift gut aufheben, damit er im Alter einmal
über sich selbst lachen kann. Von Antwortschreiben wollen Sie
bitte absehen, da ich für eine weitere Korrespondenz dieser Art
weder Zeit noch Lust habe und mir ausnahmsweise überhaupt die
Zeit für dieses Schreiben genommen habe."
'"Das Geld, das sie für die Druckerei besagten Quatsches ausge-
ben, nehmen Sie lieber für einen Psychiater, der Sie von ihrer
Schizophrenie heilen sollte."
"Ich möchte Sie höflichst bitten, im Hinblick auf künftige Veröf-
fentlichungen diesen destruktiven, ganz und gar inhumanen Stil
aufzugeben und - sofern Sie Auseinandersetzungen mit anderen
Standpunkten für tunlich halten - auf entsprechendem Niveau sowie
in fairer Weise wirklich zu argumentieren."
"Schauen Sie nach drüben und ein noch besserer Rat wäre, Sie ge-
hen allesamt mit ihren Ideen in die Ostzone."
6. Bekenntnisse im Namen des Vaters,
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des Sohnes und des Hl. Geistes
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"Ich selbst bin auch kein Papstanhänger, aber ein gläubiger
Mensch und ich bin glücklich, in einem Land zu leben, wo ich den
Glauben haben darf, den ich will. Und Millionen gibt Glauben,
Kirche, Gott eben Trost, das Wichtigste in der heutigen schweren
Zeit."
"Sie sollen wissen, daß ich einen wunderbaren Lebenspartner
hatte, der auf den Tag genau mit dem Papst Geburtstag hatte und
sein Äußeres wie ein Doppelgänger war. Und ich bin ganz über-
zeugt, daß unser Papst ein wertvoller Mensch ist mit allen men-
schlichen Vorzügen."
"Sie haben mich mit Ihrem Blatt schwer beleidigt!! Als katholi-
scher Christ und Mitglied des Pfarrgemeinderats St. Johann von
Capistran erlaube ich mir, meine tiefe Abscheu Ihrem Blatt zum
Ausdruck zu bringen. A.F.J., Lokalredakteur, München"
7. Segenswünsche demütiger Frömmigkeit
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"Gott wird Sie strafen, er läßt seiner nicht spotten - aber Sie
hat er schon gestraft, nämlich mit Dummheit und das ist der Übel
größtes. Vielleicht denken Sie an diese Worte einmal, denn auch
für Sie kommt die letzte Stunde, wo Sie Rechenschaft ablegen müs-
sen auch für den Inhalt Ihrer Schmiererei."
"Mit den besten Wünschen für Ihr Erkennen der Wahrheit und der
nötigen Kraft dafür eintreten zu können, grüße ich Sie im Namen
Gottes."
"Und wir alle landen einmal in dem Reich, wo Ihnen dann mit Be-
stimmtheit Gerechtigkeit widerfährt."
"Für Euch wird es einst heißen: 'auf gehts ins höllische
Feuer!!'".
"Sie können vom Glück reden, daß Sie nicht in meine Hände geraten
sind, ich glaube mir wäre die Hand locker geworden."
"Ihr solltet mal einen Krieg erleben in vorderster Front."
"Ich wünsche mir nur, daß man auf Eure Gruppe ein Attentat verübt
oder nach Auschwitz verbannt. Diese Gruppe, was Sie gegründet ha-
ben, sind nicht wert, auf dieser Erde zu leben. Ich hoffe nur,
daß auf Eure Gruppe eine Katastrophe kommt. So schreibe ich Ih-
nen, daß ich auch gerne eine 'Attraktion' haben möchte, eine At-
traktion, Euch mit Dynamit in die Luft zu sprengen. Gezeichnet
von einem Psychologen."
8. Kommentar
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"Christen lassen auf Gott, das Geschöpf ihres Glaubens nichts
kommen. In zivilisierten Demokratien wird die Ehre des Herrn so-
gar unter Schutz gestellt... Dafür nehmen sich Christen einiges
heraus, wenn es darum geht, Schlechtes über die Menschennatur und
gewisse Exemplare derselben in Umlauf zu setzen. Mit dem Verdam-
men sind sie verdammt schnell!" ('Argumente zum Papst' der MARXI-
STISCHEN GRUPPE vom 19. November 1980)
9. Öffentlich-rechtlicher Epilog
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(Das vorläufige Schlußwort sprach schließlich am 22. November von
13.10 bis 13.20 Uhr Herr Bernhard Ücker als "Kommentar zur baye-
rischen Landespolitik" im Rundfunkprogramm von B I:)
"Bayern stand am Ende - die Bilanz aber, am Ende sei alles gut
gewesen, ist gewiß nicht vorwiegend bayerisches Verdienst. So
steckte ausgerechnet in zahllosen Münchner Hausbriefkästen das
wohl übelste Machwerk zum Papstbesuch. Vom Trick mit der Oblate
war darin die Rede, von einem Jesus, der als erster Wasserläufer
ohne Surfbrett und Ski für Stimmung gesorgt, herumlungernde
Nichtstuer von der Straße geholt und so den Berufsstand der Jün-
ger erfunden habe. Verantwortungsbewußten Vätern und Müttern
wurde geraten, ihre Kinder in diesen fünf kritischen Tagen mit
etwas anderem zu beschäftigen, weil es nie wieder gutzumachen
wäre, wenn sie vom Papst verdorben würden. Als Herausgeber dieses
nach Auflage und Ausstattung sicher ziemlich kostenintensiven
Pamphlets, das ohne den Aufschrei offenbar anderweitig humaner
Progressionsdemokraten Millionen von Menschen volksverhetzend mit
Hohn überschüttet, als Herausgeber firmiert ein in München ange-
siedelter "Verein zur Förderung des studentischen Pressewesens".
Ei, was wir doch so alles fördern? Länger als die Entrüstung
freilich sollte die ehrliche Sorge dauern: Wie armselig - oder
nein - wie arm sind Menschen, die mit Haß die Welt verbessern
wollen?"
10. P.S.
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Inmitten der Fanpost zu den "Argumenten zum Papstbesuch" fanden
wir noch einen Brief des Frankfurter Lyrikers Stephan Wannovius
(Stud. jur. Jahrgang 1957), der uns seinen Gedichtband "Aufbruch"
mit der Bitte um Rezension beilegte. Nachgerade rührend sein
Wunsch: "Wichtig erscheint mir, gerade von denen rezensiert zu
werden, die in einer zunehmend unpolitischen Zeit noch Fragen
stellen und Antworten zu geben versuchen. Wenn ich auch in vielem
Euch nicht folgen kann, empfinde ich Sympathie mit allen, die
nach Lösungen gesellschaftlicher Probleme suchen." Wir entspre-
chen ihm durch Abdruck des Gedichts auf S. 45 des im Bläschke
Verlag zu St. Michael in Österreich erschienenen Bandes
"Erdulde
Erdulde Distanzen
ertrage die Ferne
Nur wenigen Menschen
ist gegenseitige Nähe
vergönnt."
Gott sei Dank!
*
Liebe Brit,
herzlichen Glückwunsch. Mit einer "Liste zur Förderung der wis-
senschaftlichen Diskussion" und einer warmen Wahlempfehlung der
MARXISTISCHEN GRUPPE Westberlin ist es Dir gelungen, ins Studen-
tenparlament der FU einzuziehen. Darüber freut sich
Deine MSZ-Redaktion
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