Quelle: Archiv MG - BRD KIRCHE - Vom Mißbrauch des Verstandes durch den Glauben
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Kirche
PAPST SCHAFFT ARBEITSPLÄTZE
Der bald stattfindende Besuch des Papstes in der Bundesrepublik
ist auf Kritik gestoßen. Die Theologin Uta Ranke-Heinemann hat
nachgerechnet, was der Besuch seiner Heiligkeit kostet, und die
Veranstaltung als "Frömmigkeitsspektakel" beschimpft, das "mit
dem Leben vieler Verhungernder bezahlt werde."
"Das Recht der Armen in aller Welt ist höher zu bewerten als die
fromme Schaulust der Satten."
Das bischöfliche Ordinariat in München, gerade dabei, mit Bund,
Ländern und dem Verteidigungsministerium das 20-Millionen-Projekt
zu organisieren und für den "pastoralen Staatsbesuch" Gelder loc-
ker zu machen, wies, obwohl nicht von dieser Welt, den Vorwurf
der Theologin in bester Politikermanier zurück. Es sei "vor allem
auch an die geistliche Vorbereitung gedacht worden", die ja be-
kanntlich nichts kostet. Und - man beachte die politische Bildung
dieser geweihten und geölten Vertreter des Allerhöchsten -
"mit der Finanzierung der bei den organisatorischen Vorbereitun-
gen der Papstreise anfallenden Arbeitsleistungen werde eine Fülle
von Arbeitsplätzen mitfinanziert und damit würden auch soziale
Leistungen erbracht." ("Süddeutsche Zeitung" vom 1.10.1980)
Man mag bei weltlichen Politikern manchmal Zweifel haben, ob ihre
Beteuerungen, wo sie überall und wieviel Arbeitsplätze schaffen
wirklich stimmen. Die Mutter Kirche ist, hat sie auch in ihrer
langen Geschichte manches krummes Ding gedreht, in dieser Hin-
sicht über jeden Zweifel erhaben. Der einfache Gläubige oder auch
der moderne Kirchenmuffel macht sich ja gar keine Vorstellung da-
von, was das Christentum seit seinem Ursprung in Sachen Schaffung
von Arbeitsplätzen alles geleistet hat.
Arbeitsplatzgenesis...
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Ja, der christliche Glaube hat überhaupt erst diesen segensrei-
chen Ort, Arbeitsplatz, erfunden. Was wäre denn gewesen, wenn
nicht der paradiesische Zustand durch den Sündenfall ein plötzli-
ches Ende gefunden hätte? Kein Arbeitsplatz weit und breit. So
aber konnten die ersten Menschen von Glück reden, als ihnen der
Herrgott, sauer darüber, daß seine Geschöpfe wie er "Gutes und
Böses erkannt" hatten, anpries: "Im Schweiße deines Angesichtes
sollst du dein Brot verzehren!" Damit war die Sache so gut wie
gelaufen. Ab da betrieben der Herrgott und seine Agenten das Ge-
schäft der V e r m e h r u n g von Arbeitsplätzen, und zwar
konsequent. Der Ackerbauer Kain erschlug seinen Bruder, den Vieh-
züchter Abel, und löste so die Arbeitsknappheit der sich überaus
fruchtbar mehrenden Familie Adam/Eva. Die Sintflut war keineswegs
die oft falsch verstandene Sündflut, sondern der einzige und von
oben angeordnete Ausweg aus dem Überangebot von Arbeitskräften.
Deshalb mußten notwendig die über 800 Jahre alten Methusaleme
folgen, um mit ihrer langjährigen Zeugungstätigkeit dem Arbeits-
kräftemangel zu begegnen. Die Turmbauer zu Babel, die über ihre
Verhältnisse lebten, bekamen ihren Dämpfer und verstanden die
Welt nicht mehr. Dabei war mit dieser Maßnahme nur der Beruf des
Übersetzers entstanden. Jakob, der Stammvater Israels, drückte
die erste Lohnvereinbarung durch - "Setze den Lohn, den ich zu
geben habe, fest, ich will ihn dir geben!" (bei gewissem Druck
vom obersten Chef, versteht sich) - und löste das Problem seines
geburtenstarken Jahrganges - 12 Kinder - mit der Verschickung der
ersten Gastarbeiter: Alle Söhne fanden geraume Zeit in Ägypten
Arbeit, bis sie sich mit dem dortigen Herrschaftssystem überwar-
fen und auszogen, um im gelobten Land Arbeit zu finden.
Es würde zu weit führen, alle Stationen, an denen Gott Jahwe sei-
nem Volk neue Arbeitsplätze schaffte, nachzuvollziehen. Es sind
unzählige: erinnert sei nur an den Durchzug durch das Rote Meer,
der ja auch erst einmal organisiert sein will; an die vielen Man-
nahpflücker für das riesige Volk; die Soldatenjobs bei der Land-
nahme, bei der sich Trompetenbläser auszeichneten; den Tempelbau,
den Wiederaufbau nach der Zerstörung; die Verbannung nach Baby-
lon, so daß unzählige Posten neu besetzt werden konnten; die
Schaffung der ersten geistigen Berufe - Propheten, die mit ihren
versponnenen, von oben eingegebenen Verheißungen, zu ihrem Ein-
kommen kamen...
Schließlich die entscheidende Leistung des Zimmermannes Joseph,
der ohne seine Hobelbank zu verlassen, einen Mann in die Welt
setzte, von dem letztlich Millionen neuer Arbeitsplätze ausgin-
gen. Mit knapp dreißig erfand er den Berufsstand der Jünger und
holte herumlungernde Nichtstuer von der Straße oder schulte Fi-
scher zu Seelenhirten um. Sein, Tod brachte unter Mithilfe des
Heiligen Geistes 12 Aposteln ihren Job, seine Himmelfahrt
schenkte dem Fischer Petrus den sozialen Aufstieg zu Gottes
Stellvertreter auf Erden, der ein Beruf mit Zukunft werden
sollte.
...in der Nachfolge Christi
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Unzählige Theologen nährten sich in den folgenden 2000 Jahren von
dem Problem, ob das Grab wirklich leer gewesen sei, und sorgen
noch heute in vielen und großen Institutionen dafür, daß Steuer-
gelder nicht verschwendet werden. Im Römischen Reich erhöhten die
selbstlosen Märtyrer die Chancen der Sklaven, verkauft zu werden.
Als sich die Kirche dann auch der weltlichen Herrschaft angenom-
men hatte, wurde das christliche Arbeitsbeschaffungsprogramm in
noch größerem Stil fortgesetzt. Unbewaffnete Missionare brachten
den faul auf der Bärenhaut herumliegenden Germanen bei, daß das
Beten viel ertragreicher ist, wenn man dabei arbeitet: "Ora et
labora!" Bewaffnete Missionare räumten im Namen Gottes ganze In-
dianervölker weg, um an das Gold heranzukommen, diesem Unterpfand
für notwendige Investitionen zur Schaffung von Arbeitsplätzen.
Die Kreuzzüge setzten für einen heiligen Zweck Hunderttausende in
Brot und Blut. Bischöfe erfanden die N e b e n beschäftigung,
waren zugleich Fürsten. Selbst der Job des Papstes verschaffte
zeitweilig durch Schismen mehreren geweihten Herren ihr Auskommen
und sonst nackt dastehenden süßen Mädchen angenehme Beschäfti-
gung. Das Zölibat animierte viele Frauen dazu, selbstständig et-
was zu unternehmen. Die Inquisition brauchte ihre Angestellten.
und reduzierte das Überangebot an Hexen für die knapp bemessenen
Haushaltsarbeitsplätze.
Eine neue Dimension brachte Luther in die ganze Angelegenheit. Er
machte eine Konkurrenzorganisation auf, und Konkurrenz belebt be-
kanntlich das Geschäft, was wiederum... na, Ihr wißt schon! Ab
jetzt traten überall gleich zwei Amtsträger auf. Die spätere
freiwillige Abgabe des Kirchenbesitzes an den Staat, mit Ausnahme
der Banco di Santo Spirito, der Schweizer Garde und der großen
Spaghetti-Plantagen bei Pisa, - die Kirchen wollten sich wieder
mehr Höherem zuwenden - konnte dieser in die Wirtschaft pumpen,
welche ja den ganzen Tag nichts anderes unternimmt, als Ar-
beitsplätze zu schaffen. Nicht zu vergessen die kirchlichen Seg-
nungen von Waffen und Soldaten, die der nachfolgenden Generation
Millionen Plätze frei machten. Und die kirchliche Entwicklungs-
hilfe, mit der die christliche Mission die entscheidende Grund-
lage aller Arbeitsbeschaffungsprogrnmme bildet, indem sie den Ne-
gern - natürlich in den Formen ihrer kulturellen Besonderheit -
erst einmal klar macht, was überhaupt ein Arbeitsplatz ist; da es
dort keine gibt.
Heute sind es im Besonderen die weiten Reisen und Staatsbesuche
des Papstes, die die Arbeitslosenzahlen herunterschnellen lassen.
Da die Fähnchen und Oblaten wegen der Heiligkeit des Anlasses in
Handarbeit hergestellt werden, ist das kein Wunder. Hat nicht die
bloße Ankündigung des Papstbesuches in Deutschland dafür gesorgt,
daß die Arbeitslosenquote im September auf 3,5% sank?
Uta Ranke-Heinemann hätte das wissen müssen. Eine moderne Theolo-
gin muß doch Kenntnisse über kirchliche Wirtschafts- und Sozial-
politik haben und wissen, woher ihr Arbeitsplatz kommt.
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