Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE AKW-GEGNER - Haben die AKW-Gegner recht?


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       Marxistische Schulzeitung Bremen, 13.03.1981
       
       Freitag, der 13. in Bremen
       

"DANK DER POLIZEI FÜHLEN WIR UNS FREI!"

1 Die BBA hat heute, Freitag den 13., eine Demonstration angesetzt. Sie will den "Schwung von Brokdorf" nicht verpuffen lassen. Seit- dem man zum Bauzaun sich hat durchfrieren dürfen, weiß die BBA nicht mehr, wohin mit dem Schwung. Schon gleich vor dem Zaun fing es an. Die Leute, die noch in Schwung sind, haben ihrerseits da- mit wenig Probleme. Am Freitag ist was los! W a s wird sich schon finden. 2 "Zum Beispiel" - das ist eines der Lieblingsworte in den Demon- strationsaufrufen - muß gar nicht eine Maßnahme aus dem Atompro- gramm der Anlaß sein. Freitag, der 13. und in Bremen reicht auch schon. Da ist nämlich "dezentraler" Solidaritätstag mit denen in Nürnberg/Freiburg, und Bremen wird sich doch nicht den Schneid abkaufen lassen. Daß in Süddeutschland einsitzende Ex-Hausbeset- zer der Anlaß sind, muß andererseits die Themenauswahl der Bremer Demonstration überhaupt nicht beschränken. "Bringt etwas Phanta- sie mit" heißt eine Mobilisierungsparole, die der Bundesrepublik das schöne Kompliment macht, daß man ganz schön erfinderisch sein muß, wenn man an ihr etwas auszusetzen finden will. Auch wenn die aufmüpfige Phantasie dann als Gegenstand ihres Protestes z.B. das Atomprogramm, z.B. Schichtarbeit und Asbest, z.B. Strobo-Stromab- schaltung, z.B. Isolationsfolter, z.B. trostloses Freizeitangebot etc. etc. benennt, zeigt allein schon die willkürliche Reihung, daß sie nur dem Ausmalen einer Protesthaltung dient. 3 Deswegen ist irgendwie alles ein "Repressionssymbol" und "gegen d a s Leben". An diese verharmlosende übertreibung, daß die ganze BRD ein einziger Unterdrückungsapparat sei, der es auf die Vernichtung der Bevölkerung abgesehen hat, glaubt freilich nie- mand so recht. Alles und jedes zum "Repressions s y m b o l" zu erklären, will ja nur gesagt haben, daß man selbst an Bullen, Be- ton, Schulen und Schichtarbeit, ob es nun an dem ist oder nicht, etwas entdeckt haben will, das einen nicht können läßt, wie man mögen würde, wenn man dürfte. Was eigentlich? 4 "Beschäftigen wir die Polizei!" - so die übelste Parole der heu- tigen Demo. Die Polizei ist "Freund und Helfer", dieser Demon- stranten. Mit ihrem Beschäftigungsprogramm setzen die Demonstran- ten darauf, daß von der Staatsgewalt in Form von Beulen und nach- bereitenden Verurteilungen ihnen und vielleicht gar einer breite- ren Öffentlichkeit bescheinigt wird, daß man dagegen ist. Deshalb hat man diesmal die Parole "Freizeit für die Polizei" geflissent- lich vermieden. Ausgerechnet in den ohnmächtigen Scharmützeln mit den Exekutivorganen des staatlichen Gewaltapparates entdeckt man die Verwirklichung von ein bißchen "Freiheit für das geknechtete Subjekt". Inwieweit dieses Anliegen in Erfüllung geht, wird im Bremer Polizeihauptquartier entschieden. 5 Irgendwie wird sich die Attitüde schon betätigen: Hierzulande hat man nichts zu vermelden. Die vorgetragene Illusionslosigkeit, daß man gegen AKWs - und jetzt kommt alles, was in der Bewegung selbst "die ganze Leier" heißt - "e h" nichts ausrichtet, lebt von einer letzten wuchtigen Illusion. Den vertraulichen Glauben nämlich läßt man sich nicht nehmen, daß die Politiker und die Öf- fentlichkeit mit einer "Jugend" ein Problem kriegen müßten, die grenzenlose Enttäuschung als ihren neuen Kult pflegt. Sieht man von den Polizeiunkosten einmal ab, ist dieses Anliegen "ohne Kra- wall findet man bei uns keine Aufmerksamkeit" - das billigste, mit dem sich die Macher konfrontiert sehen. 6 Damit haben es die Politiker leicht. Ein Gutteil ist mit dem Po- lizeieinsatz, der nebenbei die Notwendigkeit einiger Nachrüstun- gen trefflich beweist, schon abgewickelt. Daneben können sich die Politiker die Debatte leisten.- "Was ist los mit unserer (!) Ju- gend?". Eine Traumdebatte für karrierebewußte demokratische Poli- tiker. Erstens nämlich können sie gleich davon absehen, irgend- eine ihrer politischen Maßnahmen zu verteidigen. Es ist ja gar keine angegriffen worden. Zweitens können sie sich in die Pose des beflissenen Interessenvertreters begeben - "wenn man uns nur sagte, was man verändern will" -, in der Gewißheit, nicht mit ei- ner Forderung konfrontiert zu werden. Drittens ist nämlich schon mit der Frage der Debatte entschieden, daß "die Jugend" nicht richtig tickt, und was auch immer sie stört, i h r Problem ist und zu bleiben hat: Wir waren doch auch mal jung. 7 Den Rest besorgt die Jugend selbst, die an sich selbst auch nichts Besseres finden will, als daß sie jung ist. Bei "dem gan- zen Laden" nicht mitzumachen, wo die Chancen in Schule und Be- trieb ohnehin dünn gesät sind, ist ein Programm, das sich mit je- der Demonstration der Abgrenzung sofort erfüllt. Einige Korrektu- ren am Aussehen tun es auch. Dann haben alle grüne Haare, sehen ganz schön komisch aus und sind alle gleich - ganz anders. zurück