Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE AKW-GEGNER - Haben die AKW-Gegner recht?


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       Tschernobyl an der Uni
       

EXPERTE ERNST

Donnerstag, 5. Juni, Hörsaalgebäude. Der Mediziner Dr. Benno Splieth promovierte - wie es der Zufall manchmal so will - zur selben Zeit mit einer Arbeit über die Gefahren von Plutonium, als in Tschernobyl der Reaktor schmolz. Als Strahlenmediziner weiß er, daß die Politiker lügen, wenn sie Grenzwerte aufstellen und die darunter liegenden Strahlendosen für unschädlich erklären: "Es gibt keine unschädliche Strahlendosis, denn jede Dosis ist letztendlich geeignet, Krebszellen zu produzieren." "Die globalen statistischen Risikoabschätzungen erlauben keine Aussagen über das individuelle Risiko bei einzelnen betroffenen Personen", sind also für den Standpunkt des Schutzes der Gesundheit un- brauchbar. Als Strahlenschutzmediziner l e u g n e t er den Ge- gensatz zwischen dem Standpunkt, seine Gesundheit schützen zu wollen, und dem Verfahren, Grenzwerte für unschädliche Strahlen- dosen aufzustellen: "Medizinische Grenzwerte basieren zwar auf den oft recht unsiche- ren Risikoangaben, aber immerhin (!) ist der Aspekt Gesundheits- risiko bei der Grenzwertfestsetzung irgendwie (!) mitbestimmend gewesen." Der Strahlenschutzmediziner verwandelt eben "irgendwie" den ge- wußten Gegensatz von Gesundheit und radioaktiver Bestrahlung in Grade der Vereinbarkeit. Damit hat er sich den Politikern soweit genähert, daß er ihnen nicht mehr zynischen Umgang mit der Ge- sundheit der Regierten vorwirft, sondern die falschen Berater beim Gesundheitsschutz: "Den Entscheidungen der Politiker, die Interventionswerte festle- gen, liegen hingegen keine korrekten medizinischen Erkenntnisse zugrunde. Anders ausgedrückt, es sehen kostenökonomische und po- litische Gesichtspunkte ein in die Interventionsfestsetzung und nicht eben primär medizinische." Wenn es um Strahlenschutz geht (den es, siehe oben, nicht gibt), dann müßte die "Inter- ventionsfestsetzung" eigentlich "primär medizinisch" erfolgen... Guter Mann - wenn es um körperliche Unversehrtheit geht, dann kommt Radioaktivität überhaupt nicht in Frage, das hast Du doch selber erklärt. Wenn aber die Entscheidung getroffen wird, wie- viel Bestrahlung der Volksgesundheit im Interesse von Ökonomie und Staat zugemutet wird, dann wird mit der Gesundheit nach ande- ren Kriterien verfahren als nach ihren. Dann kannst Du Dein frischgebackenes Medizinertum getrost einpacken, weil Dir Deine physiologischen Kenntnisse überhaupt nichts darüber sagen, was los ist, wenn politische Ansprüche, Profitkalkulation und fest- stehende Gesundheitsschädigung zu einem Grenzwert von soundsoviel Becquerel zusammen"gerechnet" werden! Oder sollte die unermüdliche Wiederholung, daß die staatlichen Grenzwertsetzungen an der Medizin vorbei getroffen werden, nur der Bekräftigung der Illusion dienen, e i g e n t l i c h gin- gen Politik und Gesundheit schon zusammen und es fehlte der Poli- tik nur an Gehör für die Weißkittel? Wollte sich da einer von diesen bei den Machern des "Gesundheitsrisikos" als kompetenter Berater melden? Und sich zugleich im Ansehen des Experten sonnen, der n a c h der Katastrophe gern zu Rate gezogen wird - von den "Betroffenen", die ihr Fett schon weg haben? zurück