Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE AKW-GEGNER - Haben die AKW-Gegner recht?
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Bremer Hochschulzeitung Nr. 41, 20.10.1981
Prof. Ehrenstein fordert:
MEHR BUNKER FÜR AKW
Die Zerstörung des irakischen Atomreaktors durch die Israelis hat
der Bremer Physiker Dieter von Ehrenstein zum Anlaß genommen, mal
wieder s e i n Problem mit der (Un-)sicherheit der Atomkraft-
werke an die Öffentlichkeit zu tragen:
"Man kann einen Quasi-Atomschlag führen, indem man ein Kernkraft-
werk durch Beschuß mit konventionellen Waffen zerstört." (Weser
Kurier, 19.9.81)
Wie schon bei seiner Warnung vor dem Mißbrauch radioaktiver
Brennstoffe durch Terroristen stellt Ehrenstein klar, was ihm
"seit vielen Jahren große Sorgen" bereitet: Die Gefährdung der
Menschen durch die Atomstrahlung nicht; die existiert nämlich
auch ohne Terroristen oder feindlichen Bombenangriff. Vielmehr
macht sich Ehrenstein die Sorge um die Gefährdung desjenigen, der
das ganze Atomprogramm in Szene gesetzt hat: das schöne bundes-
deutsche Staatswesen.
Dieser verantwortungsbewußte Standpunkt des Naturwirts zu den
Fakten, die Politik und Wirtschaft mit Hilfe von Resultaten sei-
ner Wissenschaft setzen, bejaht daher auch die Frage des Weser-
Kuriers, ob "ein Staat, der Kernkraftwerke und oberirdische Lager
für Atomabfälle besitzt und so dicht besiedelt ist wie die Bun-
desrepublik, keinen Krieg mehr führen kann beziehungsweise durch
jegliche Kriegshandlung existentiell gefährdet ist." Daß im Krieg
die Leute für die aparten Zwecke ihrer Staaten verheizt werden,
ist einem Naturwissenschaftler vom Schlage Ehrensteins also
selbstverständlich. Problematisch wird es, wenn das ganze Staats-
wesen gefährdet ist, das heißt, wenn der Krieg nicht nur ein paar
Millionen Untertanen das Leben kostet, sondern obendrein auch
noch der Garant der Freiheit von der Landkarte verschwindet. Die
Lösung dieses Problems hat Ehrenstein allerdings längst parat:
"Neue Atomanlagen tief unter die Erde verlegen."
Verbuddeln kann man aber nur die zukünftig zu errichtenden AKWs.
Was empfiehlt ein AKW-Kritiker wie Ehrenstein also für die Atom-
meiler, die bereits allerorten Land und Leute verstrahlen? Sie
gehören geschützt; nicht die Leute, sondern die Atomanlagen: Es
besteht nämlich "die zwingende Notwendigkeit internationaler Ab-
kommen zum Schutz von Kernkraftwerken bei Kriegshandlungen." An
die schöne Zukunftsaussicht, daß mit einem Roten Kreuz bepinselte
AKWs mitten im Schlachtgetöse friedlich vor sich hinstrahlen,
glaubt wohl selbst ein Bremer Professor nicht im Ernst. Dafür hat
er aber wieder einmal die Verantwortung herausgestrichen, die auf
einem Wissenschaftler auch und vor allem in schweren Zeiten la-
stet und der er sich stellt. Auch beim nächsten aktuellen Anlaß.
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