Quelle: Archiv MG - BRD KERNENERGIE AKW-GEGNER - Haben die AKW-Gegner recht?


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       Der Atomskandal wird bewältigt:
       

ENTWARNUNG FÜR ATOMKRAFT-GEGNER?

Drei Wochen lang über Weihnachten stand das langweilige Kriminal- stück "Wir suchen Atommüllfässer" auf dem nationalen Spielplan. Dann kam der Knüller mit dem vielleicht verletzten Atomwaffen- sperrvertrag: A-Bomben-Material aus deutschen Landen frisch... Und jetzt? Jetzt gibt es gleich zwei Umweltminister, den ehemaligen und den amtierenden, die ein entschlossenes Gesicht und einen zutiefst problembewußten Eindruck machen und schwören, sie würden rück- sichtslos durchgreifen, wo immer sie einen guten Grund dafür ent- decken. Es gibt zwei parlamentarische Untersuchungsausschüsse, in denen die Parteien, die Grünen allen voran, abwechselnd über die Fehlbarkeit des Menschen philosophieren und haarklein ermitteln, ob Herr Nukem dem Herrn Degussa schon vor oder erst nach dem 15.3.1987 eine Million zugeschoben hat und wer wann noch nichts davon wußte. Es gibt nach wie vor Greenpeace mit seinem ungemein bewußtseinsbildenden Straßentheater für alle, die das richtige Bewußtsein schon längst haben, und bei Gelegenheit eine Menschen- kette an einer Atommaterialtransportstrecke entlang. - Denn na- türlich gibt es vor allem nach wie vor das ganze gewaltige, in- ternational verzweigte deutsche Atomenergiegeschäft, einschließ- lich Plutonium und seinem Transport. Seltsam? -------- Es ist sogar noch viel verrückter: Seit die Sache mit dem herum- kutschierten "Atommüll" auffällig geworden ist, und seit einmal ein Schlaglicht auf die bundesdeutsche Mitwirkung am weltweiten Atomwaffenbau gefallen ist - seitdem schreit alle Welt n a c h d e n V e r a n t w o r t l i c h e n. Die haben sich natürlich nicht lange bitten lassen: Kein Tag vergeht, ohne daß die zustän- digen Minister ihre Alleinzuständigkeit für alle Atomfragen her- ausstreichen. Und damit ist auch schon wieder B e r u h i- g u n g angesagt, nach dem Motto: Die Obrigkeit ist alarmiert, also darf das Fußvolk sich wieder abregen. Dabei ist gerade mal ein bißchen zum Vorschein gekommen, w o f ü r die Zuständigen eigentlich zuständig sind und was die Verantwortlichen so alles verantworten. Dieser Staat hat sich doch seine Atomenergie- wirtschaft s a m t ihrem Plutonium, ihren "Grauzonen", ihren "Entsorgungsproblemen" und ihren offiziellen und geheimen "Spaltstoff'-Lagern e i n g e r i c h t e t; sich selbst hat die Staatsgewalt als Kontrolleur darüber eingesetzt, damit das alles auch so bleibt und weiter funktioniert. Kaum wird aber ein Stück dieses atomwirtschaftlichen Geschäftslebens an die Öffentlichkeit gezerrt und mit ein bißchen Skepsis bedacht, schon setzen die politischen Häuptlinge der Atom-Mafia sich selbst als die obersten Skandalhüter, Aufklärer und Aufpasser ein. Und aus- gerechnet das soll als Entwarnung verstanden werden! Eine verrückte Welt? -------------------- Es geht noch ein bißchen seltsamer: Da wird alles mehr als bestä- tigt, was in der Anti-AKW-Bewegung jemals an Verdacht lautgewor- den ist gegen Sinn und Zweck der bundesdeutschen Atomenergiewirt- schaft. Zuletzt eben auch noch das: "Atommüll" läßt sich n i c h t u n s c h ä d l i c h machen; er wird n ü t z- l i c h gemacht für den nationalen und internationalen Spalt- material-Handel und die staatliche Vorratshaltung an Plutonium. Und das ist alles andere als eine "Notlösung"; die Ausdehnung des Geschäfts beweist es. So war's gemeint und vorgesehen. - Und was fällt den Wortführern des Anti-AKW-Protests dazu ein? "Atommafia" ----------- - Ein paar starke Sprüche über die "kriminelle Vereinigung", in deren Händen die nationale Atomwirtschaft läge. Wie kann man sich denn als Opposition gegen das nationale Atomprogramm nur so si- cher sein, daß man die nationale Rechtslage g e g e n die Plu- toniumgeschäfte der Nation auf seiner Seite hätte? G e r a d e nach allem, was über das einschlägige Geschäftsgebaren herausge- kommen ist, und gerade nachdem schon sämtliche B e f ü r- w o r t e r dieses Geschäftszweiges auf der Unterscheidung zwischen der guten S a c h e und ihren fehlbaren bis kriminellen Sach w a l t e r n abfahren! Ist mehr vielleicht gar nicht gemeint - als ein moralisches Ausrufezeichen hinter das schwindelhafte Verfahren, daß die Macher der Politik sich so gerne in die Pose des Aufsehers über ihre Machwerke werfen?! "Außer Kontrolle" ----------------- - Sie wollen die Kontrolleure des nationalen Atomzirkus demokra- tisch m i t k o n t r o l l i e r e n dürfen; in parlamentari- schen Untersuchungsausschüssen, mit einem Klagerecht vor Verwal- tungsgerichten usw. Ob diesen Aufsichtsfanatikern schon einmal aufgefallen ist, daß das Kontrollieren immer ein Z u s a t z ist zu dem, was ohnehin passiert? Und daß i h r Kontrollbedürf- nis lediglich ein moralischer Zusatz dazu ist, daß es den bundes- deutschen Atompolitikern gefallen hat, ihr Metier als privaten Geschäftszweig auf der einen und politische Kontrollbehörde auf der anderen Seite zu organisieren?! Aber vielleicht ist mehr ja auch gar nicht gemeint - als daß man das G e w i s s e n der nationalen Atompolitik sein dürfen möchte. Sicher, so geht die Rechnung für alle Seiten prächtig auf: Mit einem schlechten Ge- wissen, das von der Opposition markiert wird, lebt eine Regierung bestens und gänzlich ungestört! "Strahlende Zukunft" -------------------- - Die Ideologien des Anti-Atom-Protests sehen sich bestätigt, durch die Tatsachen ins Recht gesetzt - aber worin? Die alten W a r n u n g e n haben eine neue Hochkonjunktur: daß mit dem Atom und seinen Risiken nicht zu spaßen sei; daß es da noch of- fene "Entsorgungs"-Fragen gebe; daß die Demokratie sich mit der Kontrolle über Plutonium-"Abfälle" schwertun müßte usw. Woher be- ziehen diese Mahner und Warner bloß ihre unerschütterliche Gewiß- heit, daß die bundesdeutsche Staatsgewalt diese "Probleme" im Grunde genauso sehen m ü ß t e wie sie - wo sie es doch immerzu nicht tut?! Ist ihnen noch nie aufgefallen, daß der "Atomstaat" ihren Mahnungen deswegen so wenig zugänglich ist, weil er einen ganz a n d e r e n Z w e c k verfolgt, als sie es sich vor- stellen, und daß er d e s h a l b die "Gefahren", die er durch- aus kennt, ganz anders einstuft und "bewältigt"?! * Jetzt ist einmal ein bißchen zum Vorschein gekommen, daß die Bun- desrepublik eine Atommacht eigener Art ist und sein will, und daß Plutonium und sonstige "Risiken" in erster Linie die n o t w e n d i g e n M i t t e l dieser Atommacht sind und frühestens in siebter Linie ein radioaktives "Problem". Wer immer aus dieser Klarstellung ein bißchen das Fürchten lernt, der muß sich entscheiden w o v o r: vor dieser Republik - oder vor ei- ner Gefahr, von der er meint, daß sie den bundesdeutschen Staat treffen könnte, weshalb man dessen Chefs auch rechtzeitig warnen müßte. Um diese Systemfrage kommt kein Atomwirtschafts-Kritiker herum. Anders gesagt: Wer lieber um diese Republik fürchtet als sich v o r ihr, der kann zwar radikal werden und dem Zimmermann und seinem BGS mit leeren gelben Fässern und Straßenfesten auf die Nerven fallen, aber n i c h t s m e h r r i c h t i g machen. Denn der hat sich schon mit lauter frommen Täuschungen auf den- selben Standpunkt gestellt wie die Politiker, die auch aus lauter Sorge um ihre Republik den Ausbau des Atomsektors vorantreiben. Das zeigt sich spätestens dann sehr peinlich, wenn aller Protest sachlich auf den Antrag zuläuft, d i e P o l i t i k e r soll- ten - "gefälligst!", "endlich!", "unter unserem Druck!" - "m e h r P r o b l e m b e w u ß t s e i n" an den Tag legen. Die tun das glatt - soweit es ihrem Image gut bekommt und der Sa- che nützt. Und dann darf der Protest sich beruhigen. Wenn Töpfer sein energisches Gesicht macht, sogar der Kohl eine Sorgenfalte hinzaubert und ein bayerisches Verwaltungsgericht irgendeine Ge- nehmigung aufhebt, dann ist die O b r i g k e i t a u f e i n P r o b l e m a u f m e r k s a m gemacht worden; mit Erfolg! War's so gemeint! zurück